Heinsberg: Buchvorstellung mit Oliver Uschmann

Heinsberg: Buchvorstellung mit Oliver Uschmann

Autor Oliver Uschmann stellte sein aktuelles Buch in Heinsberg vor. Hintergründige und witzige Analysen eines „Bolzplatztypen“.

„Hallo Heinsberg“ begrüßte Oliver Uschmann , Schriftsteller und Autor des gerade erschienenen Buches „Überleben beim Fußball“ die kleine Schar rein männlicher Fans bei seiner Lesung in der Buchhandlung Gollenstede. Angekündigt wurde der studierte Literaturwissenschaftler als Trainersohn, der schreibend schnell schieße und immer treffe — und zwar voll auf die Elf! Der mittdreißiger Oliver Uschmann ist bekannt durch seine Romanreihe „Hartmut und ich“, die er zusammen mit seiner Frau Sylvia Witt entworfen hat.

In seinem neuen Buch widmet er sich der zweitwichtigsten Nebensache der Welt - dem Fußballspiel. „Das wichtigste beim Fußball ist das Reden darüber“, lautet eine seiner Analysen. Und das lebt Uschmann während der neunzig Minuten dauernden Lesung vor. Immer wieder unterbricht er sein Vorlesen und gerät ins Erzählen. „Viele echte Anekdoten sind in dem Buch eingestreut“, macht er die Zuhörer neugierig auf manche Geschichte.

So verrät er, dass er nie in einer Vereinsmannschaft gespielte habe und eher der Bolzplatztyp mit Eigenerfahrung sei. Und den Spielertypen und Zuschauertypen widmet er als den Akteuren ein ganzes Kapitel. In frisch-frecher Sprache führt er den Leser in sein eigenes Weltbild vom Fußball und bemüht Friedrich Nietzsche ebenso wie Heinrich von Kleist für seine Vergleiche. Spielertypen wie „der 6er“, der Mädchen für alles sei, oder der „Bollwerk-Typus“ á la Jürgen Kohler als Vorstopper, „einem Begriff, den die heutige Fußballjugend gar nicht mehr kennt“, beschreibt Uschmann in seinem Buch.

Kohler, der aus dem Verein SV Waldhof stamme, dem Sinnbild für Arbeiterfußballspiel. „Ein Club wie eine Kampfsportart, ein Verein wie ein Ascheplatz. Vorstopper, ein ausgestorbenes Wort wie das Wort Schnurtelefon“, lässt Uschmann beim Vorlesen seine Lust am kreativen Formulieren erkennen.

„Wenn er rannte, drehte er die Erdkugel unter sich hindurch“, zitiert er und bekennt sofort, dass er hier Witze über den rauhbeinigen Schauspieler Chuck Noris bemüht habe. Dass Phrasen über das Fußballspiel Bestandteile der Stammtische wie der Expertenrunden in den Medien seien, belegt Uschmann spielend in einem weiteren Kapitel.

„Räume eng machen“ und „Spiel gegen den Ball“ werden in dem Buch anschaulich und überraschend anders beschrieben. „Auf dem Papier die bessere Mannschaft zu sein“, bedeute eben nur, dass bekannte Namen noch nichts über die wirkliche Leistung aussagen würden. Insofern sei sein Buch ein Buch über das Leben.

Überraschende Wendungen bieten oft die hintergründigen Analysen des Fußballspiels durch Uschmann. Fußballspielen sei in Wirklichkeit langweilig, da der größte Teil des Spiels nur das Warten auf eine richtige Aktion sei. Vor allem, wenn ein Spiel mit dem Kampf in einer Arena des antiken Roms verglichen werde.

Der Anspruch der Zuschauer an die Leistungen sei wesentlich existenzieller für die Spieler gewesen, wie der gesenkte Daumen belege. Den verschiedenen Zuschauertypen räumt der Autor ein weiteres Kapitel ein. Was ein VIP sei, wird humorvoll beschrieben.

Für die kleine Schar der Anwesenden bei der Lesung dürfte das VIP-Gefühl, besondere Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen, ebenfalls zutreffend gewesen sein: exklusiv waren sie dem Autor nah und mittendrin bei Lesung zur zweitschönsten Nebensache und nicht nur dabei.