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Buch von Autor Walter Bienen über die Geschichte des Marienhauses

Wassenberger Marienhaus : Blick in eine bewegte Geschichte

Mehr als drei Jahre Recherche investierte der Autor Walter Bienen in die Fertigstellung seines Buches „Die Geschichte des Wassenberger Marienhauses“. Herausgekommen ist ein Füllhorn an Fakten und Anekdoten zur lebendigen Darstellung von einigen Jahrzehnten der Geschichte Wassenbergs. Mit einer Lesung im Naturparktor wurde das Buch der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Dass so viele gekommen sind, zeigt, dass das Interesse an dem Buch groß ist“, eröffnete Bürgermeister Manfred Winkens die Lesung. Die wurde zu einer zweistündigen Reise zu einem Lebensort, von dem zahlreiche Anwesende noch von eigenen Erlebnissen berichten konnten. So wurde der Autor Bienen nicht nur auf der Geburtsstation im Marienhaus 1949 geboren, sondern arbeitete später auch als Tischler am Erweiterungsbau in den 1960er Jahren mit.

Die Geschichte des Marienhauses in einem Buch festzuhalten, plane er schon seit Anfang der 1980er Jahre, erläuterte Walter Bienen die Entstehung seines Buches. Mit einem persönlichen Brief vom 9. Februar 1984 an die „Liebe Schwester Theopista“ habe er um Zugang gebeten zum Archiv im Mutterhaus der Vinzentinerinnen, die das Marienhaus betrieben hatten. Erst Ende des Jahres 2015 habe er den Plan realisieren können. „In den letzten dreieinhalb Jahren habe ich für meine Recherchen sechs Archive aufgesucht und mit zahlreichen Personen über ihre Erfahrungen mit dem Marienhaus gesprochen“, erfuhr das Publikum von den umfangreichen Vorbereitungen.

70 Jahre umfasste der Zeitraum des Marienhauses mit seinen wechselnden Aufgaben und Tätigkeiten, vom Schenkungsvertrag des Grundstückes im Jahr 1907 und den darin enthaltenen Bedingungen für die Vinzentinerinnen bis zum Abriss 1977. Im Schenkungsvertrag der Maria von Forckenbeck lauteten die Bedingungen unter anderem, dass in der zu errichtenden Anstalt neben der Krankenpflege und Fürsorge für Arme und Kinder insbesondere weibliche, katholische Alkoholkranke untergebracht werden sollten. Zudem sollten zwei von den Vinzentinerinnen sich der Hauskrankenpflege in Wassenberg widmen. Eine Auswertung ergab, dass im Zeitraum von 1908 bis 1911 jährlich 35 bis 40 Alkoholikerinnen betreut wurden, um sie „vor dem zeitlichen und ewigen Untergang zu bewahren“. Die Betreuung der Alkoholkranken wurde bis 1953 durchgeführt.

Von 1945 bis 1950 diente das Marienhaus als Hilfskrankenhaus mit angeschlossener Geburtsstation. In diesem Zeitraum seien 367 Geburten registriert worden. Zu den Aufgaben im Kranken- und Pflegebereich gehörte auch die Ausbildung für die Hilfskräfte im Haushalt. Mit Leny Houben, geb. Rütten, war eine Frau unter den Zuhörern, die schon in den 1930er Jahren dort gelernt hatte. Ab dem Jahr 1955 bis 1977 konnte eine zweijährige Ausbildung zur geprüften Hauswirtschaftsgehilfin absolviert werden. Und Gisela Benetreu, geb. Seegers, aus Kirchhoven bezeugte aus dem Publikum heraus ihre im Buch zitierten Bemerkungen auf die Frage, wie ihr die Ausbildung ab April 1960 gefallen habe: „Gesamteindruck: schrecklich!“ Ursachen seien die Dissonanzen unter den Schwestern gewesen, die auf dem Rücken der Auszubildenden ausgetragen worden seien.

Auch mit den neuen An- und Ausbauten aus Mitte der 1960er Jahre blieben die Finanzprobleme des Marienhauses wie seit dem Beginn immer akut. Mit den sichtbaren Bergbauschäden an den Gebäuden, die nicht mehr aufgefangen werden konnten, war das Schicksal des Marienhauses besiegelt.