Wassenberg/Berlin: Brockhage-Skulptur wird erst getränkt und kehrt dann zurück

Wassenberg/Berlin: Brockhage-Skulptur wird erst getränkt und kehrt dann zurück

Für gut fünf Monate war sie Mitte Mai vergangenen Jahres geplant, die Ausstellung mit Werken des bekannten ostdeutschen Künstlers Hans Brockhage im Deutschen Bundestag in Berlin. Dazu gehörte auch ein Werk, das seinen Platz eigentlich in Wassenberg hat.

Aufgrund vieler begeisterter Besucher ging die Ausstellung jedoch im Oktober nicht zu Ende, sondern wurde gleich zweimal verlängert, zunächst bis zum Ende des Jahres 2015, dann bis zu den Osterferien in diesem Jahr. „Es waren die begeisterten Kommentare im Besucherbuch, die uns hierzu veranlassten“, erklärte Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, dazu in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Zugleich war das Wassenberger Mahnmal für ihn der Mittelpunkt der gesamten Ausstellung für den 2009 verstorbenen Künstler, der 2015 genau 90 Jahre alt geworden wäre. So liest es sich auch in Kaernbachs Würdigung im Katalog zur Ausstellung. „Trotzig erhebt sich dieses monumentale Werk zur Erinnerung an ein junges Mädchen aus der jüdischen Gemeinde in Wassenberg.“ Betty Reis wurde 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet.

Vor allem unter ästhetischen Gesichtspunkten sei die Präsentation der Werke Brockhages eine besondere Ausstellung gewesen, so Kaernbach weiter. Normalerweise könne das gewaltige Raumvolumen des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses gar nicht genutzt werden. „Die stets monumentalen oder monumental wirkenden Skulpturen Brockhages hingegen haben hier ihren Freiraum gefunden, in dem sie sich entfalten und zur Wirkung bringen konnten“.

Bedeutsam zugleich und nicht zuletzt Aufgabenstellung der Kunst im Bundestag sei es jedoch auch, einen Beitrag zu politisch oder gesellschaftlich relevanten Fragen zu leisten, „und das war in diesem Falle die Chance, dem Mahnmal Betty Reis' den angemessenen Platz zu sichern, an dem es auch und insbesondere für die junge Generation wirken kann.“

Auch sie sei davon überzeugt gewesen, dass diese späte Arbeit ihres Vaters die „Hauptskulptur“ in diesem geschichtsträchtigen Ambiente werden sollte, so Franziska Schwarzbach in ihrem Resümee der Ausstellung. „Dass es wirklich so gekommen ist, darüber bin ich hoch erfreut.“ Immerhin hatte sie ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen, sich um sein Werk zu kümmern, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung verriet.

Jetzt geht die Reise für das Denkmal weiter, zunächst nicht zurück nach Wassenberg, sondern ins Erzgebirge zu den Brockhages. Hier sollen die Eichenstelen in einem langwierigen Prozess über die nächsten Monate getränkt werden, um sie so widerstandsfähiger zu machen. Die Kosten der Restaurierung hat die Stadt übernommen, mit Unterstützung der Kreissparkasse Heinsberg.

Danach solle das Mahnmal auf Wunsch der Schule wieder an seinem ehemaligen Platz aufgestellt werden, erklärte Bürgermeister Manfred Winkens nach einem Gespräch mit der Schulleitung. Franziska Schwarzbach hingegen hat in einem Schreiben an Winkens betont, dass das Denkmal nicht mehr im Außenbereich aufgestellt werden könne.

Einen so großen Raum, wie ihn das Kunstwerk benötige, gebe es jedoch in Wassenberg gar nicht, so Winkens. „Es wird jedoch sicherlich eine Lösung geben“, betonte er. Denkbar wäre zum Beispiel ein transparenter Wetterschutz um das Denkmal herum an seinem angestammten Platz.

Nicht mehr in der Diskussion ist derzeit die Fertigung einer hohlen Bronzereplik von dem Denkmal. Sie würde rund 90.000 Euro kosten.

(anna)