Heinsberg-Oberbruch: Brennstoffzellen-Hersteller ist insolvent

Heinsberg-Oberbruch: Brennstoffzellen-Hersteller ist insolvent

Die Träume wuchsen geradezu in den Himmel, doch jetzt wurde die Ceramic Fuel Cells GmbH (CFCL) am Industriestandort Oberbruch schmerzlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Noch im Mai 2013, anlässlich der Installation eines Brennstoffzellen-Mikro-Kraftwerks im Eingangsbereich des Heinsberger Rathauses, war für Geschäftsführer Frank Obernitz durchaus denkbar, dass Heinsberg in absehbarer Zeit zur „Brennstoff-Zellen-Hauptstadt Deutschlands“ werden könne. Am Mittwoch letzter Woche, so erklärte er nun betrübt gegenüber unserer Zeitung, musste er für das von ihm geleitete Unternehmen mit 36 Mitarbeitern beim Amtsgericht in Aachen einen Antrag zur Insolvenzeröffnung stellen. Noch am selben Tag erfuhren dies auch die Kollegen.

CFCL-Geschäftsführer Frank Obernitz (links) und Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum hoffen auf eine Zukunft in Oberbruch.

Das Start-up-Unternehmen hatte es in den letzten Jahren leider nicht geschafft, genügend Stückzahlen der BlueGen getauften Brennstoffzelle in den Markt zu bringen. Ende 2006 war die Tochter einer Australischen Mutterfirma in Oberbruch gegründet worden. Bis 2009 hatte es gedauert, bis die Produktionsstätte im Industriepark fertiggestellt war. Zwischen 2009 und 2012 erfolgte laut Obernitz dann die Feldtest-Phase mit den Energieversorgern und ab 2012 die Markteinführung von BlueGen. Entschied sich ein Haushalt für die neue Technologie, so wurde BlueGen mit dem Gasanschluss verbunden und erzeugte fortan aus Erdgas oder Biogas Strom und Wärme, wobei der Schwerpunkt auf der Stromerzeugung liegt. 570 Geräte sind seitdem vertrieben worden zu einem Listenpreis von 25.000 Euro zuzüglich weiterer 5000 Euro an Kosten, die unter anderem durch die Installation entstanden. Eine einmalige finanzielle Stütze von bis zu 13.000 Euro durch das Förderprogramm „progres.NRW“ des Landes Nordrhein-Westfalen reduzierte die Kosten für den Endverbraucher auf 17.000 Euro. Hinzu addierten sich jedoch noch die Kosten für einen Wartungsvertrag, der mit jährlich 600 Euro zu Buche schlug. Unter Berücksichtigung dieser Wartungskosten entstand nach den Berechnungen von CFCL pro Jahr eine Energiekosteneinsparung von 2165 Euro. Angesichts einer Lebenserwartung der Brennstoffzelle von sieben bis zehn Jahren erschien dies potenziellen Kunden wohl nicht besonders lohnenswert.

So sieht das Innenleben der Brennstoffzelle aus. Ob sie in Heinsberg schon „verbrannt“ ist?

„Die Verkaufszahlen müssten sich verzehnfachen, damit sich die Produktion rechnet“, sagt Jörg Zumbaum, der vorläufig als Insolvenzverwalter die Geschicke des Unternehmens leitet. Statt 200 Geräte im Jahr müssten es 200 im Monat sein. Grundsätzlich auszuschließen sei dies nicht, meint Zumbaum, denn bei einer neuen Technologie stelle dies eine „übliche Steigerungsrate“ dar. „Wir wären dann in der Lage“, ergänzt Obernitz, „die Kosten erheblich zu reduzieren. Mittelfristig wären wir dann auch ohne Förderung konkurrenzfähig.“

Seit der Gründung wurde die Oberbrucher GmbH von ihrer australischen, börsennotierten Mutter-Gesellschaft finanziell gestützt. Bis Anfang letzter Woche. „Zu diesem Zeitpunkt hat die Mutter-Gesellschaft ein Schutzschirmverfahren, nach angloamerikanischen Regelungen eine Vorstufe der Insolvenz, beantragt“, erläutert Zumbaum. Damit versiegten die Zahlungen an die Oberbrucher. „Die Eigenkapitalerhöhung der Mutter über die Börse wurde im Laufe der Zeit immer problematischer. Darum war man in den vergangenen Monaten auf der Suche nach einem strategischen Partner. Leider bislang ohne das erwünschte Ergebnis“, sagt Obernitz.

Das Unternehmen könne nicht aus eigener Kraft fortgeführt werden, so Zumbaum. Doch die Löhne der Mitarbeiter für den Monat Fe-bruar wurden noch gezahlt. Bis zu drei Monate kann nun ein durch das Arbeitsamt gezahltes Insolvenzgeld folgen, das identisch mit dem bislang bezogenen Nettogehalt sei. Bei 6000 Euro monatlichem Nettogehalt erfolge jedoch eine Deckelung.

„Ich glaube, das Kunststück wird sein, ein Produkt, das im Hinblick auf Know-how, Entwicklung und Patente in Australien angesiedelt ist und hinsichtlich der Produktion und Vermarktung in Europa sitzt, an einen strategischen Investor zu übertragen“, sieht Zumbaum einen Knackpunkt. Es gebe zum Beispiel Probleme rechtlicher Art. Außerdem sei Deutschland ja nicht gerade als Billigproduzent bekannt. Obwohl es den Australiern in der Vergangenheit ja nicht gelungen sei, einen solchen Investor auszumachen, könne es in der Insolvenz durchaus zu einem Umdenken bei potenziellen Interessenten kommen, weil das Unternehmen frei von allen Verpflichtungen übernommen werden könnte. Der Schuldenstand sei ohnehin „mehr als überblickbar. Das ist bei anderen Produktionsunternehmen oft ganz anders“. Grundsätzlich glaubt Zumbaum aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Insolvenzverwalter: „Sie finden für jedes Produkt einen Investor, wenn es ihnen gelingt, dass die Produktion sich trägt. Der Kunde verlangt auch bei einem Start-up Garantien, ob und wie es weitergeht.“

Dass es am Standort in Oberbruch weitergeht, hofft auch Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder. „Ich bedauere diese Entwicklung insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Mitarbeiter und hoffe, dass eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird.“ Auch für die Brennstoffzellen-Technologie sieht er eine Chance. „Ich glaube schon, dass das System nach wie vor zukunftsfähig ist.“