Erkelenz: Braunkohlegegner informieren im Klimacamp Rheinland

Erkelenz: Braunkohlegegner informieren im Klimacamp Rheinland

Zum neunten Mal ist das Klimacamp Rheinland vor den Türen der Stadt zu Gast und damit nach Erkelenzer Lesart längst eine „Traditionsveranstaltung“. Mittlerweile wird das Camp auf dem Gelände des Laheyparks bei Kückhoven nicht nur toleriert. Vor allem die Bewohner der nächsten vom Tagebau betroffenen Ortschaften besuchen das Camp und werden dort auch gerne empfangen.

Denn nach den teilweise turbulenten letzten Jahren bemühen sich die Organisatoren auch um ein offenes und positives Image. Die Anwohner der umliegenden Ortschaften haben ihre anfängliche Zurückhaltung abgelegt und nutzen Besuche, um sich zu informieren.

Auf der Freifläche üben junge Camper akrobatische Kunststücke und Jonglagen. Foto: Wichlatz

Workshops und Informationen

Mit rund 600 Teilnehmern wird das Klimacamp in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen als in den Vorjahren. Dies sei so auch geplant gewesen, betonte Johanna Winter vom Presseteam. Viele der normalen Teilnehmer seien in diesem Jahr bei einem ähnlichen Camp in Pödelwitz bei Leipzig aktiv gewesen, das vor rund einer Woche zu Ende ging.

Die Organisatoren setzen auch in diesem Jahr wieder auf Workshops und Informationen für die Teilnehmer und Besucher. So wollen die Camper unter dem Oberbegriff „Structures of Change“ realistische Ausstiegsszenarien entwerfen und diskutieren. Dem Widerstand vor Ort ist die Ausstellung im „Zelt des lokalen Widerstands“ gewidmet.

Neben Fotos und Fakten können auch die Interviews mit der Kohleaktivistin Gisela Irving sowie den Umsiedlern Hans Stenzel und Oliver Kanneberg angehört werden. Die Fotos und Interviews entstanden im Rahmen des Klimacamps 2017. Umsiedler und Anwohner aus den umliegenden Ortschaften sind zum gemeinsamen und kostenlosen Abendessen eingeladen.

„Die Klimabewegung ist stark gewachsen, auch durch die Kämpfe hier im Rheinland“, betont Winter. Ein Ergebnis sei die Kommission Strukturwandel und Beschäftigung, auch bekannt als „Kohlekommission“. Dort seien jedoch auch die Interessen der Konzerne weitaus stärker vertreten als die der Betroffenen. Daher wolle das Klimacamp die Menschen einladen, eigene Strategien zu entwickeln und in die Diskussion einzubringen.

Den Besucher erinnert das Klimacamp an ein Pfadfinderlager mit gemeinsamer Küche und viel Freizeit. Auf der Freifläche üben junge Camper akrobatische Kunststücke und Jonglagen, die beim Erstürmen eines Baggers sicher nicht hilfreich wären. Dafür macht es Spaß. Überall werden Hinweisschilder und Plakate aufgestellt — Organisation ist alles. Das obligatorische Anarchiezeichen oder der rotschwarze Stern an dem einen oder anderen Zelt haben schon etwas Folkloristisches und gehören einfach dazu.

Sensibel mit dem Fotoapparat

Sensibel solle der Besucher im Umgang mit seinem Fotoapparat sein, wird er am Eingang gebeten. Einige der Klimacamper seien eher zurückhaltend, wenn es um die Ablichtung ihrer Konterfeis gehe. Neben dem Küchen- und Essbereich ist das rote Zirkuszelt ein wichtiger Anlaufpunkt beim Klimacamp. Dort finden Konzerte, Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen statt.

Das Zelt hat natürlich Strom — und der wurde unabhängig gewonnen, wie Christopher Laumanns betont. Ausrangierte Akkus von E-Bikes und alte Solarpanelen sorgen auf alternative Weise für Erhellung. Ansonsten ist das Camp basisdemokratisch organisiert und setzt auf Eigenverantwortung und Engagement der Teilnehmer. Und das funktioniert, von der Satellitenschüssel bis zur Abfallentsorgung. Chaoten sehen anders aus.

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