Bonsai-Arbeitskreis Hückelhoven wird 30 Jahre alt

Bonsai-Arbeitskreis : „Irgendwann geht man eine Symbiose ein“

Der Bonsai-Arbeitskreis e.V. hat sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Für seine Mitglieder ist die fernöstliche Gartenkunst mehr als ein Hobby – sie ist eine Philosophie.

Frank Teckenbrock und Thomas Brinker sind ausgeglichene Zeitgenossen. Gleiches gilt für ihre Vereinskameraden. Sehr wahrscheinlich liegt das an dem Hobby, das sie vereint. Teckenbrock und Brinker sind die beiden Vorsitzenden des Bonsai-Arbeitskreises Hückelhoven. Jetzt organisierten sie ihre turnusmäßige Ausstellung im Gymnasium Hückelhoven. Alle zwei Jahre stellen die Vereinsmitglieder ihre Miniaturbäume dort aus, in diesem Jahr erstmals außerhalb des gewohnten Rhythmus.

„Wir feiern 2019 unser 30-jähriges Vereinsbestehen, daher haben wir unsere Ausstellung um ein Jahr nach hinten verschoben, um dieses Jubiläum gebührend zu feiern“, sagt Frank Teckenbrock. 21 Mitglieder zählt der Verein aktuell, der Jüngste ist Mitte 20, der Älteste über 80 Jahre alt. Was fasziniert sie an dieser Gartenkunst, die in China ihren Ursprung hat und auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken kann? „Man holt sich ein Stück echte Natur nach Hause“, versucht sich Thomas Brinker an einer Erklärung, aber man merkt ihm an, dass für Bonsai-Fans solche Sätze zu kurz greifen. Es ist eine Philosophie, und sie hat viel mit den fernöstlichen Ursprüngen dieser Kunst, einen kleinen Baum in einer Schale zu hegen und zu pflegen, zu tun.

„Wenn sich jemand für die Bonsai-Zucht interessiert, stelle ich ihm immer zwei Fragen: Hast du Geduld? Und: Kannst du warten?“, lächelt der 59-jährige Brinker. „Die Pflege eines Bonsais ist eine Aufgabe für Jahre“, ergänzt Teckenbrock. Wenn es einer wissen muss, dann er: Der Vereinsvorsitzende ist anerkannter Bonsai-Lehrer.

Die Ausbildung zog sich über acht Jahre, seine Lehrer waren sowohl Japaner als auch Deutsche. Seine Kollege Brinker ist aktuell im sechsten Jahr derselben Ausbildung, beide zusammen waren sie schon bei Bonsai-Ausstellungen in Japan, dem Land, wo Bonsais denselben hohen Stellenwert genießen wie im „Mutterland“ China. „In Japan werden Bonsais über Jahrzehnte weitergegeben, oft innerhalb der Familie. Es gibt Bonsais, die einen Wert von über einer Million Euro haben“, weiß Teckenbrock.

Bonsai-Bäume werden durch verschiedene Kultivierungsmaßnahmen - Form-, Blatt- und Wurzelschnitt sowie spezielle Drahtgeflechte – klein gehalten und so in die gewünschte Wuchsform gebracht. In Japan werden Bonsais im Garten oder in der sogenannten „Tokonoma“, einer kunstvoll gestalteten Nische im Zimmer, aufgestellt; in Deutschland findet man sie fast ausschließlich in Gärten oder, wenn es sich um die einfachsten Formen eines Bonsais handelt, auf heimischen Fensterbänken.

Und was ist das Wichtigste, wenn man einen Bonsai richtig pflegen will? „Das Gießen“, antwortet Thomas Brinker trocken, „das ist das A und O“. Wann dies geschehen und wie viel man wässern muss, lerne man mit der Zeit, so Brinker. „Jeder Bonsai ist anders. Irgendwann geht man eine Symbiose ein und spricht mit ihm ohne Worte.“

Womit wir wieder beim philosophischen Ansatz dieses besonderen Garten-Hobbys wären. Wer mehr über die Kunst der Bonsai-Pflege wissen will, ist bei den monatlichen Treffen des Bonsai-Arbeitskreis Hückelhoven stets willkommen. Infos im Netz unter www.bonsaiarbeitskreis.de.

(jf)