Heinsberg-Unterbruch: Bischof zu Besuch in Unterbruch

Heinsberg-Unterbruch: Bischof zu Besuch in Unterbruch

Mit einem Bischof gemeinsam die Messe zu feiern und im Anschluss daran im Gespräch aus seinem Leben Erzählungen zu hören — das ist keine Alltäglichkeit. Gelegenheit dazu hatten die Interessierten in der Kirche St. Maria in Heinsberg-Unterbruch.

Auf Einladung des Hilfswerks Adveniat war Bischof Omar Alberto Sánchez Cubillos aus Tibú zu Gast im Bistum Aachen. Er lebt als Bischof in Nordostkolumbien an der Grenze zu Venezuela, wo die Menschen weiterhin unter den Folgen eines Bürgerkrieges leiden. Sein Leben widmet er der Aufgabe, den Menschen eine Perspektive für ein friedliches und drogenfreies Leben zu geben.

Bemerkenswerte Gesprächsrunde: (v.l.) Bischof Omar Alberto Sánchez Cubillos, Thomas Jung und René Mertens. Foto: Johannes Bindels

„Padre nuestro que estás en los cielos, santificado sea tu nombre“, hörten die Gläubigen während der Messe das Vaterunser auf Spanisch. Bischof Omar Alberto Sánchez Cubillos zelebrierte die Messe in seiner Heimatsprache. Begleitet wurde der Bischof von Propst Markus Bruns, Pfarrer René Mertens und Monsignore Dr. Stefan Dückers als Ansprechpartner für das Partnerland Kolumbien im Bistum Aachen.

Was ungewöhnlich begann, erlebte seine Fortsetzung im gemeinsamen Gespräch. Der Bischof berichtete über die Lebensumstände in seinem Land und seinem Bistum. „Wenn ich Deutscher wäre, ich hätte mich gefragt, ob ich heute hierhergekommen wäre“, begann Bischof Omar Alberto Sánchez Cubillos mit feinem Gespür und Dankbarkeit für die wenigen Teilnehmer in der Runde seine Gesprächsbeiträge. Thomas Jung, Referent bei Adveniat, übersetzte simultan.

Sein Land verglich der Bischof mit einem wunderschönen Vogel, der jedoch in einem Käfig leben müsse. Ein Käfig, der Gewalt heiße. In seinem Bistum, dem Catatumbo, einer dicht bewaldeten Grenzregion, die gleichzeitig auch Rückzugsgebiet der Guerillagruppen sei, würden die Menschen seit mehr als 30 Jahren unter dem Krieg zwischen den Guerillero und den staatlichen und paramilitärischen Gegnern leiden. Um den Krieg zu finanzieren, seien die kulturellen und bäuerlichen Strukturen zerstört und durch den Anbau der Kokapflanze ersetzt worden. In illegalen Labors würden diese zu Kokain verarbeitet. Zur Zerstörung der Anbauflächen würde der Staat aus der Luft Glyphosat, ein Pestizid, einsetzen, das aber auch die anderen Nutzpflanzen zerstöre.

„Die Menschen aus dieser Illegalität zu befreien und Alternativen zu bieten“, sei sein Ziel. Die finanzielle Unterstützung durch Adveniat mit der Aktion unter dem Motto „Frieden jetzt!“ helfe ihm dabei. Seit drei Jahren werde an einem Friedensvertrag gearbeitet. Wichtige Kriterien dafür seien schon vereinbart worden. So müsse der Koka-Anbau verschwinden, der Landbevölkerung werde Land zum Anbau nützlicher Pflanzen zur Verfügung gestellt werden, der Staat müsse und werde Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen und vor allem müssten die Waffen abgegeben werden.

Um an der Versöhnung und Wiedergutmachung zwischen den Menschen arbeiten zu können, sei er dankbar für sein Netzwerk. Die Mittel von Adveniat würden eingesetzt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, um zu zeigen, dass Frieden möglich sei. Er sei zuversichtlich, dass in zehn Jahren der Vogel wieder frei fliegen könne. Mit einem gemeinsamen Gebet endete ein ungewöhnlicher Abend für die Teilnehmer.