Heinsberg: Bischof wünscht: „Bleibt online mit Gott“

Heinsberg: Bischof wünscht: „Bleibt online mit Gott“

Drei Gefangene hat Weihbischof Karl Borsch in diesem Jahr in der Gefängniskirche der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Heinsberg gefirmt. Eigentlich wären es fünf gewesen, erzählte Pfarrer Rüdiger Hagens vor Beginn der heiligen Messe. Ein Gefangener sei jedoch verlegt worden, und ein zweiter habe sich dann in der Vorbereitungsphase doch anders entschieden.

Hagens dankte Borsch besonders für sein Kommen, wo er doch derzeit zusätzlich die Aufgabe des Diözesanadministrators habe, bis ein neuer Bischof im Amt sei. Ebenfalls „Danke schön“ sagte er dem Chor Cantiamo, der die Messe für die Firmlinge seit Jahren musikalisch gestaltet, und den Messdienern aus Dremmen und aus Eschweiler.

Den Weihbischof begrüßte Justin Hanke (18) aus Duisburg, einer der Firmlinge. „Bis dahin haben wir lange hingearbeitet“, sagte er. Borsch erinnerte an die Gespräche, die er vor der Messe mit jedem einzelnen Firmling geführt hat. „Firmung ist nicht mehr normal“, betonte er. „Wer sich firmen lässt, muss sich entscheiden.“ Man müsse nicht glauben, man dürfe es. Der Glaube sei eine Lebenshilfe. „Wir stellen uns innerlich ehrlich vor Gott“, fuhr der Weihbischof fort, „wir schauen auf das, was nicht gut gewesen ist, womit wir der Gemeinschaft geschadet haben und bitten um sein Erbarmen.“

Die katholische Kirche sei eine Gemeinschaft von Menschen, weltweit, erklärte Borsch den Gefangenen in seiner Predigt, und doch sei sie etwas anderes als beispielsweise ein Verein oder eine Gewerkschaft. „Sie ist auch eine Gemeinschaft mit Gott“, betonte er. „Sie ist eine Erfindung von Gott, denn Gott will die Gemeinschaft mit uns. Damit das klappt, ist er Mensch geworden.“

Der Glaube gebe Halt im Leben und im Tod. „Er hält bis ins ewige Leben und ist Garantie für das Leben nach dem Tod.“ Die Gemeinschaft untereinander und mit Gott werde begründet in der Taufe. „Sie wird immer wieder vertieft, wenn wir Eucharistie feiern. Sie wird bestärkt und besiegelt im Sakrament der Firmung.“ Dann sage Gott: „Ich hab‘ Dich gerne, ich steh zu Dir, auch wenn Du große Fehler gemacht hast oder noch machen wirst. Du bist mein geliebtes Kind.“

Borsch erläuterte den Firmlingen danach den genauen Ablauf der Firmung, bevor er den dreien das Sakrament spendete.

Die anschließenden Fürbitten hatten die drei Gefangenen selbst vorbereitet. „Gib uns die Chance, alles besser zu machen“, wünschte sich Patrick Klein (22) aus Düren. Angelino Hahn (18) aus Duisburg bat darum, dass kein Mensch mehr straffällig werden müsse, nur um überleben zu können. „Den Menschen, die an das Gute in mir geglaubt haben“, dankte schließlich Justin Hanke. „Dass wir all das, was wir uns vorgenommen haben, auch umsetzen können“, lautete seine große Bitte.

„Vergesst das Beten nicht! Bleibt online mit Gott!“, waren die eindringlichen Schlussworte, die der Weihbischof den frisch gefirmten Gefangenen in der JVA mit auf den Weg gab.

Justin Hanke hatte seine Firmung sogar in der Gefängniskleidung empfangen. „So isses im Moment. Und so belass ich es auch“, erklärte er. Seit sieben Monaten ist er in der JVA. Bis zum 26. Oktober muss er noch bleiben. Dann will er eine Ausbildung im Tiefbau machen.

„Es ist schon nicht einfach, hier klarzukommen“, erzählte er nach der heiligen Messe. Es gebe da immer wieder Tiefpunkte.

„Da hat mir der Glaube schon sehr geholfen“, ihm den Weg aus scheinbar ausweglosen Situationen gezeigt. Viel gebetet habe er dann und in der Bibel gelesen, sagt er.

Mehr von Aachener Zeitung