Bis zu 3500 Urnen haben Platz in der Schaufenberger Kirche St. Bonifatius

Schaufenberger Kirche St. Bonifatius : „Die erste Grabeskirche in unserer Region"

Die Grabeskirche St. Bonifatius in Hückelhoven Schaufenberg kann bis zu 3500 Urnen beherbergen. Architektonische Besonderheit: das Kolumbarium in der Mitte.

Nicht der Tod, sondern vielmehr die Aussicht auf ein ewiges Leben mit viel Licht und in bunten Farben standen im Mittelpunkt der heiligen Messe zur Eröffnung der ersten Grabeskirche der Region in Hückelhoven-Schaufenberg. Regionalvikar Markus Bruns segnete in diesem Rahmen das Gotteshaus ein, das 2016 zum Zwecke des Umbaus in eine Grabeskirche bis auf Chorraum und Sakramentskapelle entwidmet worden war. Ein Kolumbarium für rund 2500 Urnen beherbergt die Kirche St. Bonifatius derzeit. Ausbaufähig ist es bis auf rund 3500 Urnenkammern.

So viele Menschen waren gekommen, um diesem besonderen Ereignis beizuwohnen, dass die Stühle im neuen Obergeschoss der Kirche bei Weitem nicht ausreichten und sich viele mit einem Stehplatz vor der Urnenwand zufriedengeben mussten. Erstaunt waren alle gleichermaßen von dem, was in der mehrjährigen Bauphase in dem von außen unveränderten, in seinem Inneren jedoch völlig umgestalteten Gebäude geschaffen worden war.

Von außen unverändert, von innen neu gestaltet: Die ökumenische Grabeskirche in Hückelhoven-Schaufenberg St. Bonifatius. Eingesegnet im Januar 2019. Foto: Anna Petra Thomas

„Das ist die erste Grabeskirche in unserer Region“, erklärte der Regionalvikar in seiner Begrüßung. Wie das Licht durch die farbigen Glasfenster der Kirche scheine, so sollten die Menschen auch offen sein für das göttliche Licht und die Liebe Gottes, wünschte er sich und mehr noch, „dass wir transparent werden, und dieses Licht auch durch uns hindurch in die Welt scheint“.

In seiner Predigt vertiefte Bruns diese Symbolik in Anlehnung an das Eingangslied zur Messe und an den Leitgedanken, mit dem die Eröffnung überschrieben war: „Gott in allen Farben des Lichts durchscheinen lassen!“, lautete es. Das Licht in der Dunkelheit und die Hoffnung auf ein neues Leben seien die „Urhoffnungen“ des Menschen, erklärte der Regionalvikar. Nicht weniger als 211-mal komme das Wort Licht in der Bibel vor. Die bunten Farben der Glasfenster in der Grabeskirche erinnerten ihn an das berühmte Richter-Fenster im Kölner Dom. Er sprach mit Dompropst Georg Bachner, der erklärt habe, das Farbspektrum des Fensters stehe für die Glaubensfreude, und die vielen Farbnuancen symbolisierten, dass kein Individuum vom Volk Gottes auszugrenzen sei.

Mit Kölner Dom und Dreikönigsschrein fand Bruns den Übergang zum gestrigen Dreikönigstag. Dass die Weisen dem Kind all ihre Gaben gebracht hätten, könne für die Menschen heute bedeuten, Christus all das zu bringen, was das Leben ausmache, „in der Hoffnung darauf, dass er sein Heil, sein Licht über mein und unser Leben ausbreitet“. Schließlich betete der Regionalvikar mit den Worten eines unbekannten Autors: „Herr, gib mir ein wenig von allen Farben, denn buntes Leben lebt sich leichter. Herr, zeige mir ab und zu einen Regenbogen, damit ich weiß: Ich stehe immer inmitten der Welt, die deine Mitte ist.“

Zum Abschluss der Messe ließ Architekt Axel Maria Schlimm die Bauphase noch einmal Revue passieren. Die Grabeskirche in Schaufenberg sei eine, wie es sie bisher in Deutschland noch nicht gebe, betonte er. Hier sei erstmals ein Kolumbarium als eine komplette, große Form hineingebaut worden. Zudem sei es kreisrund angelegt, so wie man auch die Taubenschläge im Mittelalter gebaut habe. Und mit einem Blick durch die neu geschaffene, runde Öffnung im Kirchendach fügte er hinzu: „Von hier können die Seelen aufsteigen hoch zu Gott ins Licht!“

Wie schon zuvor Gemeindereferentin Birgitta Schelthoff bedankte auch er sich ausdrücklich bei Gertrud Pacilli vom Kirchenvorstand, die das Projekt immer eng begleitet hatte. Weitere Dankesworte gingen unter anderem an Ideengeber Bernd Wolters, an Küsterin Angelika Feldberg, an die Kirchenchöre Schaufenberg-Millich und Ratheim unter der Leitung von Georg Pusch und an Trompeter Klaus Luft.

Anschließend blieben alle noch lange zu einer ausgiebigen Besichtigung in der neuen Grabeskirche. „Das hätte man vor ein paar Jahren noch nicht gedacht“, hieß es da, oder auch: „Wir können froh sein, dass so etwas hier entstanden ist.“ Das Staunen über das neue Aussehen der Kirche wich im Laufe des Abends wachsender Begeisterung bei allen Besuchern.

Weitere Informationen: www.gdg-hueckelhoven.de

Mehr von Aachener Zeitung