Selfkant-Schalbruch: Biogasanlage: Schon vor dem Bau dicke Luft

Selfkant-Schalbruch: Biogasanlage: Schon vor dem Bau dicke Luft

In Schalbruch herrscht dicke Luft. Und das längst, bevor die geplante Biogasanlage am Ortseingang aus Richtung Havert überhaupt ihren Betrieb aufgenommen hat. Denn das ist für das erste Quartal des nächsten Jahres vorgesehen. Rund ein Dutzend Schalbrucher haben sich bislang zur „Interessengemeinschaft gegen den Bau der Biogasanlage“ zusammengefunden, um ihren Unmut im Hinblick auf das Vorhaben öffentlich zu machen.

Der ortsansässige Landwirt Franz Schlösser als Mehrheitseigner und die EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH haben eigens hierzu die Green Bioenergie Cereshof GmbH aus der Taufe gehoben. Schlösser selbst und der EWV-Ingenieur Franz-Josef Türck-Hövener teilen sich die Geschäftsführung.

„Wir sind verärgert, dass die schöne Landschaft hinter unseren Häusern immer weiter von Herrn Schlösser zugebaut wird“, ist da in einer Bürgerinfo zu lesen, die im Ort verteilt wurde. „Auch was in Bezug auf Geruchs- und Lärmbelästigungen oder bezüglich des Verkehrs von außerhalb und innerhalb des Dorfes auf uns zukommt, wissen wir im Augenblick nicht.“

Die Befürchtungen der Interessengemeinschaft reichen von erhöhten Nitratwerten im Grundwasser bis hin zur möglichen Verschandelung des Bildes, das sich dem Besucher von Schalbruch durch die neue Biogasanlage schon am Ortseingang biete. In Schreiben an die Gemeinde und den Kreis wurden die Sorgen detailliert aufgeführt.

Da habe ihnen eine schriftliche Antwort des Kreises „zunächst einmal die Sprache verschlagen“, sagt Willi Deckers, der als Sprecher der Bürgerinitiative fungiert. Dort stand nämlich klipp und klar, dass die Anlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zwar genehmigungspflichtig sei, allerdings „im vereinfachten Verfahren genehmigt“ werde und eine Bürgerbeteiligung daher nicht stattfinde.

„Politiker reden stets davon, dass der Bürgerwille in Entscheidungen einfließen soll. Hier hat man aber wieder ein passendes Beispiel dafür, wie die Realität tatsächlich aussieht“, macht sich Deckers Luft.

Gar so einfach, wie es vielleicht aufgrund der juristischen Formulierung den Anschein hat, macht es sich der Kreis bei seiner Entscheidung jedoch nicht. Immerhin sind zwölf Behörden daran beteiligt — vom Amt für Planen und Bauen der Gemeinde Selfkant über diverse Behörden des Kreises bis hin zur Landwirtschaftskammer NRW, dem Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz oder der Bezirksregierung Köln. „Die Genehmigung erfolgt nie ohne Auflagen“, erläutert Türck-Hövener. Aber die kennen wir noch nicht. Wir werden den Genehmigungsbescheid der Bürgerinitiative zukommen lassen.“

Mangelnde Information

Meist, so glauben Türck-Hövener und Schlösser, resultierten Verunsicherung und Ablehnung der Biogasanlagen aus mangelnder Information. Der soll nun entgegengewirkt werden. „Wir haben kein Problem damit, eine Bürgerversammlung zu veranstalten“, erklärt Yvonne Rollesbroich, zuständig für die EWV-Öffentlichkeitsarbeit. „Dort können wir sicher alle Bedenken ausräumen.“

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte Schlösser, dass die geplante Anlage aus zwei Gärbehältern von etwa sechs Metern Höhe mit einem Durchmesser von je 24 Metern bestehe. Hinzu kämen ein 30-mal 48 Meter großer Silo für Silage, ein 200 Kubikmeter fassender Gülletank, der unterirdisch eingebracht werde und zwei dreimal sieben Meter große Container für die Technik. Die Anlage, die 1,4 Millionen Kubikmeter Biogas im Jahr erzeugen und bis zu 1000 Haushalte mit Strom versorgen kann, werde zu 60 Prozent mit tierischen und zu 40 Prozent mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben.

„Bislang“, so Schlösser, „mussten durch die Kälberaufzucht pro Jahr etwa 200 Güllefässer à zehn Kubikmeter durch das Dorf transportiert werden. Zukünftig wird dies durch einen Lkw erfolgen, der die dreifache Menge aufnimmt, was die Zahl der Fahrten entsprechend auf rund 70 im Jahr verringert.“ Eine Zunahme im Straßenverkehr durch den Ort sieht er daher nicht. Im Gegenteil.

Auch was die Geruchsbelästigung angehe, bräuchten sich die Anwohner keine Gedanken zu machen. „Denn wenn die Anlage stinkt, dann haben wir etwas falsch gemacht.“ Wenn das Methangas und der Schwefel aus der Gülle verarbeitet seien, bliebe am Ende nur noch ein Gärrest, der erdig rieche und keinen durchdringend unangenehmen Geruch verbreite, unterstreicht Türck-Hövener. Und was geschieht damit?

„Ich habe mit Landwirten auf der Basis von Berechnungen der Landwirtschaftskammer Verträge über die Abnahme aller Gärreste geschlossen, so dass niemand fürchten muss, dass dies alles hier auf unseren Feldern ausgebracht wird“, verspricht Schlösser. „Die Anlage arbeitet außerdem für die Bevölkerung nahe zu geräuschlos.“

Ob dies die Anwohner besänftigt, bleibt abzuwarten. „Hätte Herr Schlösser nicht die moralische Verpflichtung gehabt, auf die Bürger zuzugehen. Schließlich sitzt er ja auch für uns im Rat der Gemeinde?“, fragt Willi Deckers. Vielleicht könnte eine Bürgerversammlung, zu der auch Bürgermeister Herbert Corsten rät, die Wogen glätten.

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