Vom Tischler zum Bierbrauer : Verpatztes Geschenk wird zum Glücksfall

Vom Tischlermeister zum Bierbrauer ist manchmal nur ein kleiner Schritt. Bei Sebastian Anders löste diesen ein eher missglücktes Geburtstagsgeschenk aus, das für seinen Vater gedacht war.

Seit 15 Jahren ist Sebastian Anders’ Metier nun schon der Ladenbau. Mittlerweile hat er sich zum Abteilungsleiter in einem Unternehmen hochgearbeitet und sich dadurch schon ein gutes Stück von dem entfernt, was ihn ursprünglich so fasziniert hatte: Mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. „Ich bin nie wieder ins Handwerk zurückgekommen. Das versuche ich jetzt auf einem anderen Gebiet wieder zu schaffen“, sagt er.

Seinen Ursprung nahm die Idee bereits vor rund acht Jahren. „Damals ist mein Vater 60 geworden und wir wollten ihm was Gutes tun. Da haben wir ihm einen Gutschein geschenkt zu einem Bierbraukurs. Den hat er aber nie eingelöst. Der Gutschein liegt noch immer irgendwo herum, aber es war irgendwie die Initialzündung, mich damit auseinanderzusetzen.“

Auf die Idee, selbst den Kurs zu besuchen, sei er aber nicht gekommen, meint Sebastian Anders. Fast ausschließlich übers Internet habe er sich damals schlau gemacht, quasi komplett autodidaktisch. „Ich habe mich zwar mal mit einem Brauer aus Detmold unterhalten, aber das hat mir auch nicht wirklich was gebracht.“ Der erste Erfolg stellte sich dennoch ein. Ein halbes Jahr später hielt er sein erstes selbstgebrautes Bier in der Hand.

„Der Brauvorgang ist grundsätzlich bei allen Bieren, die wir so kennen, gleich“, erklärt Sebastian Anders, der mittlerweile sein Hobby liebend gerne zum Hauptbroterwerb machen würde. Die ersten 20 Liter hat er in der Waschküche seines alten Gehöftes zusammengebraut, in dem er vor Jahren ein neues Zuhause gefunden hat, das er mittlerweile mit einem weißgrau gescheckten Kätzchen und einem nimmermüden Specht teilt, der schon seit geraumer Zeit unüberhörbar versucht, das Loch in einem Vogelhäuschen hoch oben an einem Holzstamm im Garten zu vergrößern.

„Im Juni 2011 habe ich dann zu meinem eigenen Geburtstag das erste Bier an meine Gäste ausgeschänkt.“ Ein helles, obergäriges sei es gewesen, mit einer Pils-Note, das auch heute noch in seinem kleinen Programm zu finden ist. Unter dem Markennamen „El Capitano“ vertreibt der 42-Jährige mittlerweile vier Sorten. Neben dem hellen vor allen ein dunkles, malziges Bier mit einer leichten Süße, das ein wenig wie ein Alt schmecke.

Diese beiden bestimmen den Großteil seiner kleinen Produktion von etwa 600 Litern im Monat. „Das Hepp ist mit dem Hopfen aus eigener Ernte gebraut. Hier im Westen gibt es keine Brauerei, die ihren eigenen Hopfen verwendet. Als viertes Bier im Bunde stellt Sebastian Anders dann noch ein Pale Ale her.

„Mein Ziel wäre, dass ich davon leben kann, aber der Weg ist steinig.“ Allein für das Equipement hat er schon rund 30.000 Euro ausgegeben. Seit Juni besteht nun auch seine kleine Firma mit dem Namen „brauwerk.aanders“. Das doppelte „aa“ hatte er sich als kleinen Gag überlegt, sagt er. Ein Rätsel gibt ihm allerdings immer noch einer der größten Marktbeherrscher der Republik auf. „Vom Brautag bis zum fertigen Bier brauche ich sieben bis acht Wochen. Die schaffen das in zwei Wochen. Ich weiß nicht, wie die das machen.“ Tja, der Weg ist halt steinig.