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Aktion im Kreis Heinsberg: Bessere Bedingungen für Saisonarbeitskräfte gefordert

Aktion im Kreis Heinsberg : Bessere Bedingungen für Saisonarbeitskräfte gefordert

Der Verein Amos und der DGB haben versucht, Saisonarbeitskräfte, die das Erdbeerpflücken oder Spargelstechen vornehmen, zu ihrer Arbeits- und Lebenssituation zu befragen. Kein leichtes Unterfangen.

„Wie können wir den Saisonkräften, die auf den Feldern den Spargel stechen und die Erdbeeren pflücken, helfen und ihnen Informationen zu ihren Arbeitsrechten in ihrer Muttersprache an die Hand geben?“ Diese Frage stellten sich zehn Vertreter des Vereins Amos eG gemeinsam mit der DGB-Region NRW Süd-West (Deutscher Gewerkschaftsbund) und Arbeit und Leben DGB/VHS Nordrhein-Westfalen e.V. sowie dem DGB-Projekt „Faire Mobilität“. Sie führten deshalb im Juni eine Aktion durch, indem sie rund 150 Menschen, die als Kräfte das Spargelstechen und Erdbeerpflücken vornehmen, auf Feldern im Kreis Heinsberg aufsuchten, um sie aufzuklären.

Gleichzeitig ging es auch darum, zu sehen, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Saisonkräfte sind. „Viele der Erntehelfer, die zum größten Teil aus Rumänien, aber auch aus der Ukraine, Polen und Bulgarien kommen, haben keine Möglichkeit, aufgrund ihrer Isolation auf abgelegenen Feldern und längeren Arbeitszeiten, eine Beratung selber aufzusuchen“, verdeutlichen Johannes Eschweiler, Betriebsseelsorger für den Kreis Heinsberg und Pastoralreferent im Bistum Aachen, und Achim Kück, Geistlicher Leiter KAB Aachen. Deshalb müsse man den umgekehrten Weg gehen und das Gespräch mit den Wanderarbeitern auf den Feldern suchen. Genau das habe man im Juni gemacht.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass viele der Saisonkräfte in prekären Verhältnissen sind“, so Eschweiler. Die Frage nach den Unterkünften sei ungeklärt, ebenso welche Regelungen es gibt bezüglich Arbeitszeit und Entlohnung. Zudem hätten viele Saisonkräfte keinerlei Kenntnisse vom gesetzlichen Mindestlohn und über eine Krankenversicherung. Es sei äußerst schwierig gewesen, an die Leute heranzukommen, bekräftigt Achim Kück. Die Felder und Unterkünfte, die überwiegend aus Containern bestehen, befänden sich auf Privatgelände und seien somit unzugänglich. Und wenn man mal jemanden habe ansprechen können, so habe es mitunter folgende Antwort gegeben: „Wir dürfen nicht mit Ihnen sprechen.

 Bei der Aufklärungsaktion wurden auch Informationsflyer verteilt. Foto: Amos
Bei der Aufklärungsaktion wurden auch Informationsflyer verteilt. Foto: Amos Foto: Vertreter der Aufklärungsaktion

Einige Landwirte hätten regelrecht das Gespräch verhindert, erklärte Johannes Eschweiler. Bei der ersten Tour auf einem Feldweg sei man von einem Fahrzeug blockiert worden und es habe Drohungen gegeben. „Indem man kaum Einblicke bekommt, ist jeglicher Willkür Tür und Tor geöffnet“, meint er. Dennoch habe man sich hier und da ein Bild machen können davon, woher die Saisonkräfte kommen, über die Dauer ihrer Beschäftigung und wie ihre Arbeitszeiten – oftmals mehr als zehn Stunden am Tag – sind. Überstunden würden oftmals nicht bezahlt, es werde nach Stückzahl – also Akkord – entlohnt, um den Mindestlohn zu umgehen. Zudem habe sich gezeigt, dass viele aus Unwissen heraus Dokumente wie Kündigungen unterschreiben würden.

Achim Kück und Johannes Eschweiler betonen aber, dass es auch andere Landwirte gebe, wo die Arbeits- und Lebensbedingung der Wanderarbeiter stimmen würden. „Leider haben wir bei unseren Stichproben oft das Gegenteil gesehen.“ Daher müsse dringend gehandelt werden: „Wir alle – nicht nur wir als Kirche und Gewerkschaften – müssen deshalb aktiv werden“, forderten sie. Jeder einzelne Verbraucher müsse sein Konsumverhalten überdenken und schauen, von wo er die Erdbeeren und den Spargel bezieht. Und die Frage stellen: „Ist es so, wie es suggeriert wird? Ist das Lebensmittel, das ich kaufen möchte, unter guten Arbeits- und Lebensbedingungen der Saisonkräfte geerntet?“

(red)