Hückelhoven: Bergbau: Millionen für Maschinenhalle und Förderturm

Hückelhoven: Bergbau: Millionen für Maschinenhalle und Förderturm

Ein Minister kommt nie aus der Landeshauptstadt in die Provinz, ohne ein „Geschenk“, in den allermeisten Fällen handelt es sich um Geld, im Gepäck zu tragen. Michael Groschek hatte die 3,1 Millionen, die er in seinem schwarzen BMW mit Oberhausener Kennzeichen mit nach Hückelhoven brachte, natürlich nicht cash dabei, als er die Stadt, die noch immer 89 Jahre Bergbaugeschichte mit sich rumschleppt, besuchte.

Mit den Millionen wird die Sanierung des Förderturms, der lange schon Industriedenkmal ist, und der Maschinenhalle in die Wege geleitet.

Große Pläne und Projekte: Das Areal am Förderturm (großes Bild) soll zum Eventbereich inklusive Freiluftarena für 2500 Besucher zwischen Turm und Millicher Halde umgestaltet werden. Landesminister Michael Groschek (kleines Bild, Mitte) schaute sich beim Besuch in Hückelhoven zusammen mit Detlef Stab (l.) vom Förderverein Schacht 3 vor Ort den Kohlehobel im Barbarastollen an und brachte Geld für die Sanierung des Förderturms und der Maschinenhalle mit — beobachtet von Bürgermeister Bernd Jansen (r.) und CDU-MdL Bernd Krückel (2.v.l.). Foto: Stefan Klassen, Norbert Koenigs

„Der Förderturm hier ist das einzige Bergbaudenkmal, das aus dem Aachener Revier geblieben ist“, betonte der NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr. Auch vor diesem Hintergrund habe man eine „praktische Lösung für konkrete Probleme gefunden“, um den Förderturm wieder auf Vordermann zu bringen und als sichtbares Erbe der Sophia-Jacoba-Vergangenheit auch für künftige Generationen zu erhalten.

2,5 Millionen Euro wird das wohl kosten, der Rest wird in die Gebäudestruktur der Maschinenhalle gesteckt. „Praktische Lösung“ heißt: Man greift in einen Topf des Bundes ebenso wie in den der Stiftung Industrie- und Denkmalpflege.

Detlef Stab, der als Vorsitzender des 1200 Mitglieder zählenden Fördervereins Schacht 3 sich eigens für den hohen Besuch aus Düsseldorf in seine feinste Knappenuniform gewandet hatte, freute sich darüber natürlich sehr. Unter dem Fördergerüst erinnerte er den Minister daran, wie viel die ehemaligen Kumpel und Freunde für die bleibende Erinnerung an die Bergbauzeit bereits geleistet haben: „Wir haben das sogar ganz ohne Fördermittel hingekriegt.“

Stolz führte Stab ihn und die übrigen Gäste zusammen mit Ludwig Gurniak durch das Bergbaumuseum und in den Barbarastollen, wo Stab selbstverständlich auch den Kohlehobel vibrierend rasseln ließ.

Der Minister hatte den Weg vom Rathaus auf das Gelände an Schacht 3 zuvor in Begleitung der Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Bernd Jansen, Landrat Stephan Pusch sowie den Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Heinsberg zu Fuß zurück gelegt.

„Hückelhoven hat den Strukturwandel besser hingekriegt als manch eine Stadt im Ruhrpott“, beschrieb Groschek, der seine Herkunft aus dem Pott auch sprachlich nicht verbergen will, seine Eindrücke. Bürgermeister Jansen machte ihn darauf aufmerksam, dass die Stadt noch einiges vorhabe, um neben den wirtschaftlichen Aspekten auch den Freizeitwert der Stadt weiter auszubauen.

So soll das komplette Zechengelände mit dem Förderturm als Mittelpunkt und mit der Freiluftarena als kulturellem Anziehungspunkt neu gestaltet werden.

Dabei soll auch der Friedrichsplatz mit den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden der ehemaligen Zechensiedlung und der Platz, auf dem jetzt noch viermal im Jahr der Flohmarkt stattfindet, mit einbezogen werden.

Auch für dieses Stadtentwicklungskonzept stellte Michael Groschek Mittel aus dem schon erwähnten „integrierten Handlungskonzept“ in Aussicht: „Wir nutzen dabei Fördermöglichkeiten, unkompliziert an Geld vom Bund zu kommen und die Stadtkasse zu schonen.“

Geschaffen werden soll damit, so Minister Groschek, „ein Brückenschlag vom ehemaligen Zechengelände zu einem Gartenstadtensemble“. Das Ganze könnte dann nach der Fertigstellung das Etikett „Bergbauerbe“ erhalten.

Kurz vor dem Abschied legte der Minister noch einmal zehn Euro auf die 3,1 Millionen, die er in Hückelhoven schon „abgeliefert“ hatte, drauf: So viel war ihm eine Flasche 30-prozentiger „Bergmannsschweiß“, die Detlef Stab ihm präsentierte, wert. Diesmal blätterte Michael Groschek das Geld bar auf den Tisch. Aus seiner privaten Geldbörse übrigens.