Wassenberg: Bei der Sommerakademie schreiben Hobbyautoren einen Liebesroman

Wassenberg : Bei der Sommerakademie schreiben Hobbyautoren einen Liebesroman

Sommerzeit ist in Wassenberg auch Zeit des kreativen Schreibens. Zum vierten Mal fand die Sommerakademie unter Leitung des Roman- und Hörspielautors Ulrich Land statt. Acht Schreibbegeisterte hatten sich eine Woche zusammengefunden. Herausgekommen ist ein gemeinsam geschriebener Liebesroman. Diesen präsentierten die Teilnehmer bei einer Matinee in der Galerie Noack.

Das 64 Seiten umfassende Werk spiegelt die Lebenserfahrung, die Fantasie, die Kreativität und die Lust am Schreiben des Autorenteams aus Josef Füßer, Verena Jeschke, Gabriele Klein, Ursula Kurzweg, Sabine Mobers, Conny Roßkamp, Irmgard Stieding und Ulrich Land wider.

Vierundzwanzig Kapitel sind so zusammengekommen. Die Entwicklung der Geschichte und der handelnden Figuren, hier die von der Reisejournalistin Svenja und dem Altenpfleger Joshua, sowie die Vorstellung ihrer Charaktere sind im Text schulbuchmäßig nachvollziehbar.

Die Beschreibung der Handlungsorte und der situativen Begegnungen lassen Bilder im Kopf der Zuhörer entstehen. Von der zufälligen Begegnung, über das erste Dinner im Restaurant und der folgenden Einladung zum Abendessen in Joshuas Wohnung, bei der er als moderner Mann seine Kochkünste demonstriert, bis zum ersten Bettgeflüster folgt die Dramaturgie den bekannten Stationen der Annäherung der heutigen Singles.

Und dann folgt, ebenso schulbuchmäßig, der erste Konflikt: Joshua bekennt, dass er, trotz der wundervollen gemeinsamen Nacht, die Finger nicht von anderen Frauen lassen könne.

Das Autorenteam lässt Joshua argumentieren, er habe eben den Hang zum Fremdgehen. Bekräftigend zitiert er den Lyriker und Dramatiker Bertolt Brecht: „Oh du weißt nicht, was ich leide, seh‘ ich eine schöne Frau, die den Steiß in gelber Seide, schwenkt im Abendhimmelblau.“ Als sei Brecht die Absolution für seine männliche Begierde.

Als Liebesbeweis macht Joshua den Vorschlag, dass Svenja die Frauen fürs Fremdgehen aussuchen dürfe. Sie lässt sich auf diese Spielregel ein, erkennt das Potenzial für die Bandbreite manipulativer Möglichkeiten und sorgt für Irrungen und Wirrungen bei Joshua. Dem Zeitgeist folgend baut das Autorenteam die Chat- und Vermittlungsportale für sexuelle Abenteuer in die Handlung ein.

Humorvoll ist auch ein Chat zwischen „Tarzan66“ und „Lieschen50“. Was sich für Joshua anfänglich wie ein Sechser im Lotto der freien Liebe darstellt, entwickelt sich mehr und mehr zu einem lehrreichen „Erziehungsmarathon“, gesteuert von der weiblichen List der Svenja, die gekonnt für Misserfolge bei Joshuas Treffen und Blind-Dates sorgt. Jedoch kann sie nicht immer verhindern, dass er fremdgeht.

Zum Schluss schlüpft sie in die Rolle einer Chatpartnerin, die zum Tête-à-Tête in eine Berghütte lädt. Das Happy End ist geschaffen. Und wie ein Spiegel im Spiegel lautet der Titel des Skriptes „Kerbholz“, in welches Svenja alle Schritte ihres Verwirrspiels festgehalten hat und ihrem Joshua nach der Versöhnung offenlegt.

Ausgerichtet wurde der Workshop von der Bücherkiste in Kooperation mit der Volkshochschule des Kreises Heinsberg. Für das musikalisch begleitende Jazzintermezzo am Piano sorgte Eckart Krause von der Wassenjazz-Band.