Begnadete Solisten brillieren als Quartett

Heinsberger Gitarrenfestival : Begnadete Solisten brillieren als Quartett

Vielseitiger lässt sich wohl kaum verdeutlichen, was sich aus einer Gitarre musikalisch so alles herausholen lässt, als es das European Guitar Quartet zum Auftakt des achten internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals in der Heinsberger Stadthalle getan hat.

Paganini oder Piazzolla, zwischendrin Jimi Hendrix und in der Zugabe eine ganze Serie bekannter Rocktöne hinterließen ein vollends begeistertes Publikum in einer leider nicht ganz ausverkauften Halle.

Dies tat der guten Stimmung auf und vor der Bühne jedoch keinen Abbruch, als Festivaldirektor Theo Krings die neue Kernwoche des Festivals mit Wettbewerb und allabendlichen Konzerten eröffnete. „An diesem Punkt stehen wir am Ende von mehr als einem Jahr Vorbereitung“, erklärte er. Bürgermeister Wolfgang Dieder würdigte den Stellenwert, den das Festival inzwischen gewonnen hat. Dieser wäre ohne die Teilnehmer aus vielen Ländern nicht möglich, begrüßte er Wettbewerbsteilnehmer, Juroren und Musiker aus insgesamt 27 Nationen.

Roman Viazovskiy (rechts) und Theo Krings eröffneten die Kernwoche mit Wettbewerb und Konzerten des achten internationalen Gitarrenfestivals. Foto: Anna Petra Thomas

Sein Dank ging aber auch an die Gastfamilien und an die Unterstützer, allen voran das Land Nordrhein-Westfalen und die Kreissparkasse, darüber hinaus an die vielen Helfer im „staff“ des Festivals. Sein letztes Dankeswort ging an die beiden „Macher“, an Krings und an den künstlerischen Leiter, Roman Viazovskiy. Dieder und auch Krings, der als Übersetzer fungierte, vergaßen dabei nicht den Ersten Beigeordneten Jakob Gerards. „Ohne ihn wäre hier nichts so, wie es jetzt ist“, würdigte ihn Krings.

Viazovskiy erinnerte wie Krings zuvor noch einmal an die Anfänge des Festivals im Jahre 2005 und vermeldete einen ersten Rekord für dieses Jahr. 15 Juroren werden das Gitarrenspiel der Wettbewerbsteilnehmer dieses Mal bewerten. „Das ist die größte Jury aller Zeiten!“, erklärte er nicht ohne Stolz, dass inzwischen so viele hochkarätige Musiker und Professoren ihres Fachs sich auch aus fernen Ländern auf den Weg nach Heinsberg machen. Schon die Liste der sieben Juroren, die er bereits zum Eröffnungskonzert begrüßen konnte, las sich wie das Who´s who der internationalen Gitarrenszene.

Was dann folgte, hatte auch Heinsberg als eine der Hauptstädte in der weltweiten Gitarrenszene noch nicht gesehen. Zoran Dukic, Pavel Steidl, Reentko Dirks und Thomas Fellow waren alle schon einmal als Künstler bei einem Heinsberger Festival gewesen und kamen jetzt als starkes Quartett zurück, mit einzigartigen Bearbeitungen bekannter Komponisten oder eigenen Stücken, die nicht weniger überzeugten. Schon „Verano Porteño“ von Astor Piazzolla (1921-1992) riss das Publikum begeistert mit. Das „Concerto para quinteto“ sollte vor der Pause noch folgen, zu dem Thomas Fellow erklärte: „Wir wollen klingen wie eine Band, bei der jeder seinen Spot hat.“ Überhaupt machte er das Konzert zu einem sehr unterhaltsamen Abend. Mit sehr viel Humor ließ er die Besucher an den Biographien und Erlebnissen der einzelnen Musiker und des gesamten Quartetts teilhaben.

Mit Raffa von Reentko Dirks (1979) machten die vier Musiker besonders deutlich, was eine Gitarre an Tönen so hergibt, und mit geschlossenen Augen hätte man dabei sogar glauben könne, Steidl spiele auf einer Mandoline. Das galt nicht minder für Recuerdo, das Komponist Dirks solo darbot. Tanzrhythmen des Balkans erklangen im 9/8-Takt bei „Introduction and Dance“ von Dusan Bogdanovic (1955). Einen Vorgeschmack auf rockigere Töne, die noch folgen sollten, gab Dirks schließlich vor der Pause noch mit einer wunderbaren Interpretation des „Purple Haze“ von Jimi Hendrix (1942-1970).

Kontrast dazu war der Auftakt nach der Pause, als Steindl überzeugend die „Pieces from 43 Ghriribizzi“ von Niccolò Paganini (1782-1840) darbot. Drei berühmten Frauen aus Geschichte und Mythologie, Agrippina, Penelope und Medusa, hatte Thomas Fellow (1966) drei Stücke gewidmet. Bei Medusa wurde Dirks’ Gitarre sogar zum Cajon. Mit „Fuga y misterio“ von Piazzolla und „Danza non Danza“ von Dirks wollte sich das Quartett eigentlich verabschieden, was das Publikum jedoch gleich zwei Mal nicht zuließ.

Und welch ein Musikgenuss dann noch folgte! „Wenn wir zuhören, Zeit teilen, denen, die wir nicht kennen, mit Offenheit begegnen, können wir die Welt ein Stück drehen“, erklärte Dirks zur ersten Zugabe, einer Hommage an Harry Belafontes „Turn the World Around“.

Gleich mehrere bekannte Rocksongs hatten die vier in „Farewell“ verarbeitet. Noch einmal brillierten sie darin auch als Solisten, ehe sie sich endgültig und Gitarre spielend von der Bühne verabschiedeten, wobei Dirks dem Publikum noch zurief: „Hier gibt´s ein Highlight nach dem anderen! Wir sehen uns morgen!“