Heinsberg: Begas-Haus: Moderne Architektur atmet Geschichte

Heinsberg: Begas-Haus: Moderne Architektur atmet Geschichte

Beim Tag der Architektur standen im Heinsberger Museum einmal nicht die Werke der Künstlerdynastie Begas im Mittelpunkt des Interesses erfreulich vieler Besucher, sondern die Mauern, die den Kunstwerken eine Heimat bieten.

Die Architekten Inge und Alexander Schmitz aus Randerath stellten am Samstag das nach Umbau und Sanierung von Haus Lennartz und Torbogenhaus entstandene neue alte „Schmuckkästchen“ der Kreisstadt bei Führungen zusammen mit Bauassessor Andreas van Fliet vor.

Das Begas-Haus war Ziel vieler Besucher, die sich zum Tag der Architektur das Museum einmal von einer anderen Seite zeigen ließen. Foto: defi

Unterm Dach ging es los. Für die einen mit einem Treppenaufstieg, für die anderen im neu angebautem Aufzug; der komplette Museumsrundgang ist selbstverständlich barrierefrei. Unter 500 Jahre altem Eichengebälk bekamen die Besucher im „Trauzimmer“ direkt unter dem Dach einen Eindruck von der Geschichte des Hauses. Wahrscheinlich, so Inge Schmitz, habe ihr Vorgänger, der Aachener Architekt Johann Josef Couven, unter Kurfürst Karl Theodor im 18. Jahrhundert das Ensemble umgestaltet. Ein Gewölbekeller unter dem heutigen Museumscafé Samocca, der erst bei den Umbaumaßnahmen in diesem Jahrtausend entdeckt worden sei, so Alexander Schmitz, stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Beim Tag der Architektur wurde auch der Blick durch die gläserne Hülle des Museums auf den Selfkantdom genossen. Foto: defi

Vor Umbau und Sanierung fanden die Architekten, wie sie ihren aufmerksam lauschenden Zuhörern kund taten, einiges an maroder Bausubstanz im Haus Lennartz vor. Die 500 Jahre alten Dachbalken sind ein gutes Beispiel für die Art der Sanierung, die das heutige Erscheinungsbild des Museums prägen. Altes habe man, so Inge Schmitz, wo möglich erhalten, neue Teile puristisch hinzugefügt. So ist eine moderne Architektur entstanden, die den Atem der Geschichte, der diesem Gebäudekomplex innewohnt, nicht verdrängt. Inge Schmitz: „Geschichte wird hier erlebbar.“

Schön wäre natürlich mitzuerleben, was die Architekten, die nach dem Ehepaar Schmitz den nächsten Umbau in Angriff nehmen werden, in wie vielen Jahren auch immer, für Augen machen werden, wenn sie die Wände im Begas-Haus aufreißen. Sicherlich werden sie sich nicht über marodes Gebälk wundern, aber sie werden staunen, wie viele Kabel man hinter einer Wand verbergen kann. Schließlich galt es die denkmalgeschützte Fassade zu erhalten und trotzdem — für den Besucher unsichtbar — die erforderliche Elektronik in die Museumsräume zu führen.

Neben der Präsentation von Kunstwerken ist die mediale Aufarbeitung von Leben und Werk der Künstlerleben wesentlicher Bestandteil des Museumskonzeptes. Viel Beachtung fanden auch die neuen Anbauten mit Treppenhaus, Fahrstuhl und Eingangsbereich des Museums, die wie eine gläserne Außenhaut das alte Gebäude umschließen, aber nicht verbergen.

(defi)
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