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„Menschenrecht vor Bergrecht“: Baum der Zuversicht zwischen Dorf und Tagebau

„Menschenrecht vor Bergrecht“ : Baum der Zuversicht zwischen Dorf und Tagebau

Auf dem Gemeinschaftsgrundstück der Initiative „Menschenrecht vor Bergrecht“ in Keyenberg fand im Rahmen des monatlichen Dorfspaziergangs eine solidarische Pflanzaktion statt.

Gepflanzt wurde der veredelte Setzling eines wild wachsenden Apfelbaums mit einer besonderen Geschichte: Der widerständige Ursprungsbaum stand bis vor wenigen Jahren inmitten eines Gleisdreiecks eines Containerhafens auf der Fläche eines alten Polderdorfes. Nun wächst dieser hoffnungsvoll aufkeimende Baum auf dem Gemeinschaftsgrundstück in Keyenberg, das die Initiative gegen den Braunkohletagebau Garzweiler II verteidigen wird.

Die heutige Pflanzaktion ist Teil des Kunstprojektes „Wildwuchs / Apfelbaum #1“ des Kölner Künstlers Frank Breuer. „Wie ein kleiner Paradiesgarten liegt die Obstwiese zwischen dem Dorf und dem Tagebau – wo, wenn nicht hier, kann dieser widerständige Baum seine Kraft entfalten, wo, wenn nicht hier, die Zuversicht schenken, dass die Menschen der Region statt Braunkohle dort noch viele Jahre köstliche Äpfel ernten werden?“, sagte der Künstler Frank Breuer.

Der Energiekonzern RWE will das Grundstück und fünf dahinter gelegene Dörfer mit ihren Kirchen und Baudenkmälern für den Braunkohlentagebau Garzweiler II abbaggern.

Faszinierende Geschichte

Der dort gepflanzte Setzling hat eine faszinierende Geschichte: Der Ursprungsbaum wuchs seit den 1970er Jahren in einem Überseehafen, für den in den 1960er Jahren ein Polderdorf weichen musste. Damals wurden dort alle Gebäude bis auf den Kirchturm zerstört. „Doch südöstlich des Kirchturms, in seiner Nische in einem Gleisdreieck, wuchs der widerständige Apfelbaum über vierzig Jahre lang – umströmt vom Güterverkehr auf Schiene und Straße und bedrängt von parkenden LKW. Jahrein, jahraus blühte er und brachte prächtige Äpfel hervor, bis er vor zwei Jahren für eine Bauerweiterung aus dem Boden gerissen wurde“, so Breuer. Im Jahr 2014 wurde das Projekt des Fotografen Frank Breuer erstmals im Essener Museum Folkwang gezeigt.

Widerstand

Seitdem wächst eine Veredelung des Apfelbaums in einem Innenhof des Museums, umgeben von Bildern Renoirs, Van Goghs, Corinths und anderen. Sein Widerstand ist ungebrochen, denn weitere Pflanzungen folgten in Heidelberg, Düsseldorf, Rickelrath, Köln und nun in Keyenberg.