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Knapp bei Kasse: Banken im Kreis Heinsberg spüren Zurückhaltung beim Sparen

Knapp bei Kasse : Banken im Kreis Heinsberg spüren Zurückhaltung beim Sparen

Höhere Lebensmittelpreise, steigende Kosten für Strom und Gas sowie drückende Spritpreise reißen den Menschen große Löcher in ihren Haushaltsetat. An Vorsorgesparen ist da oft kaum noch zu denken.

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht sich nur noch jeder Zweite in der Lage, regelmäßig Geld zurückzulegen. Im Corona-Krisenjahr 2020 waren es noch 70 Prozent. Höhere Lebensmitttelpreise, steigende Kosten für Strom und Gas sowie drückende Spritpreise reißen den Menschen große Löcher in ihren Haushaltsetat. Auch die Banken spüren offensichtlich diese Entwicklung.

„Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband veröffentlicht jedes Jahr zum Weltspartag das Vermögensbarometer, in dem aktuelle Entwicklungen rund um das Thema Sparen veröffentlicht werden. Im letzten Jahr hat das Vermögensbarometer noch einen Wert von 15 Prozent der Befragten ermittelt, die nicht sparen. Auch wenn dieser Wert konkret in diesem Jahr nicht erhoben wurde, sind auch wir der Meinung, dass unter anderem wegen der deutlichen Preissteigerungen perspektivisch immer mehr Haushalte ihre gesamten verfügbaren Einkünfte – oder mehr – monatlich für die reine Lebenshaltung werden einsetzen müssen und folglich nicht mehr sparfähig sind“, sagt Thomas Aymans, Sprecher der Kreissparkasse Heinsberg.

Sein Kollege Thomas Back von der Volksbank Heinsberg ist da noch etwas optimistischer: „Viele Menschen in unserer Region behalten im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten derzeit noch ihre Sparmoral bei, machen sich aber schon Gedanken darum, wie sie auf die aktuelle Situation im kommenden Jahr reagieren können.“ Dies gelte sowohl für das Zwecksparen für gezielte Anschaffungswünsche, als auch für die Bildung von Reserven für unvorhergesehene finanzielle Engpässe. Die Sparbereitschaft nehme dennoch weiterhin zu, aber nicht mehr so dynamisch wie in der Vergangenheit.

Angeblich, so hatte eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft ergeben, werde es in puncto sparen unter einem Monatseinkommen von 1500 Euro deutlich prekärer. 66 Prozent der Befragten über 60 Jahren mit einem Einkommen unter 1000 Euro spare nicht oder könne schlicht nicht sparen, erklärt Aymans. Bei einem Einkommen bis 2000 Euro seien es noch 21 Prozent. „Auch wenn hier vor dem Hintergrund der Altersvorsorge die spezielle Altersgruppe 60 plus befragt wurde, ist die grundsätzliche Aussage, dass Haushalte mit geringerem Einkommen nicht mehr sparen können, durchaus auch auf die gesamte Bevölkerung zu übertragen. Wir denken aber auch, dass das Thema Sparen weiterhin eine hohe Bedeutung hat. Gerade in unsicheren Zeiten wollen viele Leute mehr sparen. Bei den mittleren Einkommen kommt es dann eher zu Konsumverzicht, um auch weiterhin Geld zur Zukunftssicherung auf die Seite legen zu können.“

Das kann Back nur bestätigen. „Aus unseren vielen Gesprächen wissen wir, dass unsere Kunden zunächst an den kleinen Freuden des Alltags sparen, zum Beispiel auf den Kino- oder Konzertbesuch oder ein Abendessen im Restaurant verzichten. Je nach Einkommenssituation beobachten wir vereinzelt auch, dass gebildete Reserven zum Ausgleich der Mehrbelastungen genutzt oder auch vorübergehend laufende Sparverträge ruhend gestellt werden.“ In extremen Fällen habe es sogar Vertragsauflösungen gegeben. „Dies sollte man sich aber immer zweimal überlegen, da gerade bei niedrigen Einkommen Sparverträge oftmals staatlich gefördert werden, Stichwort Vermögenswirksame Leistungen. Löst man solche Verträge vorzeitig auf, wirkt sich das prämienschädlich aus und man verliert rückwirkend die finanzielle staatliche Förderung.“

Die aktuelle Lage führe auch bei der Kreissparkasse zu einem Rückgang der Anzahl von Neuverträgen im Vergleich zum Vorjahr, sagt Aymans. „Wir können allerdings immer noch einen Nettozuwachs bei den Sparplänen verzeichnen.“ Auch die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim sei eine Form des Sparens. Laut Vermögensbarometer planten immerhin 30 Prozent der Menschen zwischen 20 und 50 Jahren den Erwerb von Wohneigentum. „Dieser Wunsch rückt im gegenwärtigen Marktumfeld in immer weitere Ferne, so dass wir im Bereich der Baufinanzierungen im Moment eine steigende Zurückhaltung feststellen.“

Aus Rückmeldungen der Beraterinnen und Berater wisse man, so Back, dass sich einige Kunden im Bereich der Fondssparverträge aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen neu ausrichteten. „Ob dies dann mit geringeren Sparraten erfolgt, wissen wir noch nicht. Insgesamt ist das Wachstum der Fondsanlagen in unserem Haus aber auch in diesem Jahr weiter gestiegen.“

Das momentane Weltgeschehen mit seinen spürbaren Auswirkungen führe bei vielen Kunden zu Unsicherheit, erklärt Aymans. „Diese Sorgen kommunizieren sie auch gegenüber unseren Beratern. Während 18 Prozent laut Vermögensbarometer das Sparen reduzieren wollen, wollen 36 Prozent mehr oder anders sparen. Bei Kunden mit mittleren Einkommen bleibt der Sparwille groß, um das finanzielle Polster für die Zukunft aufzustocken.“

Gerade in der aktuellen Phase überlegten sich die Kunden zweimal, ob und wie lange sie sich bei der Geld- und Vermögensanlage binden, hat Back festgestellt. Besonders wichtig sei bei vielen Beratungen aktuell die Möglichkeit, flexibel auf Entwicklungen im persönlichen Umfeld reagieren zu können. „Das heißt, es sollte immer die Möglichkeit bestehen, an das Ersparte oder die Anlage kurzfristig heranzukommen oder Sparraten nach oben oder unten anpassen zu können.“ Ob es denn für einen Kunden unangenehme Konsequenzen haben könne, wenn er in guten Zeiten einen Sparvertrag abgeschlossen habe, den er jetzt nicht mehr bedienen könne? „Nehmen wir hier einen klassischen Wertpapiersparvertrag. Dieser kann grundsätzlich jederzeit pausiert oder beendet werden“, sagt Aymans. „Eine Verpflichtung, ausgesetzte Sparraten nachzuzahlen, gibt es nicht. Je nach Sparvertrag lohnt es sich, genauer hinzuschauen, zum Beispiel, wenn es Prämien für eine bestimmte Haltedauer gibt.“ Letztlich gelte aber, ergänzt Back: „Was der Kunde hat, das hat er! In der Vergangenheit wurde bei einer vorzeitigen Verfügung je nach Sparform zwar schon einmal Vorschusszins fällig. Aufgrund der Niedrig- und Nullzinsjahre in den vergangenen 15 Jahren war dies zuletzt aber zu vernachlässigen. Und letztlich ist ja auch immer das Timing entscheidend, wenn man eine Sparrate verringert oder einstellt. Gehen danach die Märkte – und damit die Kurse hoch – verpasst man im Zweifel Renditezuwächse.“

Ideal erscheint in dem Zusammenhang doch, wenn es flexible Modelle gebe, bei denen ein Kunde eben nur das einzahlt, was er gerade zur Verfügung hat. „Da gibt es tatsächlich Möglichkeiten, auch im langfristigen Wertpapiersparen, das weiterhin attraktiv bleibt“, erläutert Aymans. „Mit dem Deka-Abräumsparen zum Beispiel kann zu einem wählbaren Termin und in einem wählbaren Rhythmus das Restguthaben automatisch gespart werden. So können die Kunden auch mit unregelmäßigen und kleinen Beträgen in das weiterhin attraktive Wertpapiergeschäft investieren und Schritt für Schritt Geld auf die Seite legen. Und ist mal kein Guthaben übrig oder der Kunde möchte diese Form des Sparens aussetzen oder modifizieren, ist auch dies jederzeit möglich.“ Flexible Vertragsformen mit der Möglichkeit, jederzeit Anpassungen vorzunehmen, seien heute eigentlich bei allen Anlageformen möglich, meint Back. „Da fast alle Vertragsformen zudem digital verwaltet werden, haben unsere Kunden über ihr Onlinebanking jederzeit die Möglichkeit, von zu Hause aus Ratenanpassungen vorzunehmen und dies auch mehrmals unterjährig.“

Grundsätzlich gelte, und da sind sich Aymans und Back einig: „Es ist weiterhin sinnvoll, Rücklagen und finanzielle Puffer für unvorhergesehene Ereignisse zu bilden. Die Kunden sollten vor allem keine staatliche Förderung verschenken!“