Hückelhoven: Bahntrasse Baal-Ratheim: Chance für Straße und Schiene offenhalten

Hückelhoven: Bahntrasse Baal-Ratheim: Chance für Straße und Schiene offenhalten

Es kommt offenbar Bewegung in die vor dem Verwaltungsgericht parkende Diskussion um die weitere Nutzung der Bahnstrecke Baal-Hückelhoven-Ratheim: Der Bauausschuss hat dem Rat jetzt empfohlen, ein sogenanntes „Zielabweichungsverfahren“ für den Streckenabschnitt Bahnhof Ratheim bis Hückelhoven in der Darstellung der „Schienenwege für den überregionalen und regionalen Verkehr“ in die Wege zu leiten.

Das klingt sehr bürokratisch — und ist es auch. Was die Stadt damit erreichen will, ist, um es unbürokratisch auszudrücken: die schnellstmögliche Realisierung der L 117n als Ortsumgehung Ratheim auf der alten Bahntrasse, ohne die Option einer späteren Wiederbelebung der Bahnstrecke von Baal nach Ratheim damit unmöglich zu machen.

Im Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln ist die Bahntrasse von Baal nach Ratheim als Schienenweg für den regionalen und überregionalen Verkehr dargestellt. Deshalb hat das Eisenbahnbundesamt (EBA) dem Antrag der Stadt Hückelhoven auf Freistellung von Bahnbetriebszwecken nicht entsprochen. Da auch die Planungen der Stadt für die als Ortsumgehung von Ratheim dringend benötigte L 117n auf dem Bahntrassenkörper schon weit gediehen sind, hat die Stadt vor dem Verwaltungsgericht Aachen Klage gegen die Nichtfreistellung von Bahnbetriebszwecken für das Teilstück von Hückelhoven bis Ratheim erhoben.

Mit dem „Zielabweichungsverfahren“ scheint es nun möglich, zu einer außergerichtlichen, also raschen Einigung zu kommen. Denn die „Träger öffentlicher Belange“, in diesem Fall die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen und der Nahverkehr Rheinland (NVR), haben bereits ihre Zustimmung zu der beabsichtigten Änderung des Regionalplans signalisiert.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil durch dieses Verfahren eine zukünftige mögliche Realisierung der Bahntrasse im Teilabschnitt von Hückelhoven nach Ratheim planerisch gesichert bleibt. Bürgermeister Bernd Jansen sieht dem jetzt im Ausschuss einstimmig abgesegneten Verfahren optimistisch entgegen: „Nach erfolgreich durchgeführtem Zielabweichungsverfahren und der dann vom EBA in Aussicht gestellten Freistellung von Bahnzwecken des Teilabschnitts von Hückelhoven bis Ratheim könnte die anhängige Klage vor dem Verwaltungsgericht Aachen zurückgezogen werden.“

Kritische Töne

Michael Bienick, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Ratheimer Bahn und Bürgermeisterkandidat der Grünen bei den anstehenden Kommunalwahlen, ist naturgemäß etwas anderer Meinung: „Wenn der Regionalplan geändert wird, entfällt die Begründung des EBA gegen eine Entwidmung und alle Mühen zur Reaktivierung der Bahn wären vergebens“. Thomas Schnelle (CDU) dagegen betrachtet das jetzt ins Spiel gebrachte Verfahren als Möglichkeit, beide Projekte, den Bau der Ortsumgehung Ratheim wie auch eine mögliche Nutzung als Bahntrasse in mittlerer Zukunft, realisieren zu können: „Wir können so schnellstmögliche Planungssicherheit für die L 117n bekommen, ohne eine spätere Nutzung auch als Bahnstrecke aus den Augen zu verlieren.“

(kalauz)
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