Hückelhoven: Bahn soll 2025 wieder bis Ratheim fahren

Hückelhoven: Bahn soll 2025 wieder bis Ratheim fahren

Die Kreise Heinsberg und Düren fordern das Land Nordrhein-Westfalen auf, zügig für die Wiederherstellung des schienengebundenen Personennahverkehrs (SPNV) zwischen den beiden Gebietskörperschaften zu sorgen. Im Klartext: Die Schienenverbindung zwischen Linnich und Baal und von dort weiter bis Hückelhoven-Ratheim soll in das so genannte „Zielnetz 2025“ des SPNV-Nahverkehrsplans aufgenommen werden.

Diesen Beschluss fassten die Mitglieder des Ausschusses für Kreis- und Regionalentwicklung des Kreises Düren und die des Ausschusses für Umwelt und Verkehr des Kreises Heinsberg bei ihrer gemeinsamen Sitzung in Hückelhoven einstimmig.

Um ihre Forderung zu untermauern, haben die beiden Kreise Heinsberg und Düren zusammen mit dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) eine aufwändige und detailliert ausgearbeitete Machbarkeitsstudie zum Lückenschluss der Schienenverbindung von Linnich im Kreis Düren an die Haupteisenbahnstrecke Aachen-Mönchengladbach bei Baal im Kreis Heinsberg erarbeitet lassen. Gutachter Kai Pachan, dessen Büro für Verkehrs- und Stadtplanung Rödel & Pachan in Kooperation mit der KCW-Berlin mit der Machbarkeitsstudie beauftragt war, stellte deren Ergebnisse den Abgeordneten vor.

Beim Vergleich eines möglichen Anschlusses von Linnich nach Brachelen/Lindern oder von Linnich nach Baal an die Hauptbahnstrecke Aachen-Mönchengladbach kommt die Studie „zu dem eindeutigen Ergebnis, die Variante Linnich-Baal zu bevorzugen“. Diese Streckenverbindung von Linnich aus in Richtung Baal wirke sich „auf Grund der guten Anschlusssituation sowohl in Richtung Mönchengladbach-Düsseldorf als auch in Richtung Aachen grundsätzlich positiv auf das Fahrgastpotenzial aus“, sagte Pachan. Die Kosten für die Anbindung von Linnich nach Baal („Wir rechnen hier mit 1800 Fahrgästen täglich“) bezifferte der Gutachter auf „rund 15 Millionen Euro“. Für den Kreis Düren ist die Anbindung von Linnich an die Hauptstrecke Richtung Aachen und Mönchengladbach/Düsseldorf nicht zuletzt mit Blick auf die Berufspendler interessant.

Aus Sicht des Kreises Heinsberg ist natürlich die Reaktivierung der Bahnstrecke von Baal nach Ratheim auf der Tresse der ehemaligen Zechenbahn von großem Interesse. Die Verkehrsplaner sind bei ihren Untersuchungen im Zuge der Erweiterung der Machbarkeitsstudie für die Strecke Linnich-Baal zu dem Schluss gekommen, dass die Anbindung von Hückelhoven-Zentrum oder in der Weiterführung Hückelhoven-Ratheim über eine Verlängerung der Regionalbahn (RB) Wesel-Mönchengladbach vom Bahnhof Baal aus sinnvoll ist. „Bei der Verlängerung von Linnich bis Hückelhoven-Zentrum rechnen wir mit 2630 Fahrgästen pro Werktag, bei der Weiterführung von Linnich über Baal bis Ratheim mit 3150 Fahrgästen pro Werktag“, sagte Kai Pachan. Die Kosten der Wiederaufnahme der Strecke von Baal bis Ratheim bewertete er mit 25 Millionen Euro, die gesamte Strecke von Linnich bis Ratheim mithin mit rund 41 Millionen Euro. Aus Sicht der Verkehrsplaner sei es sinnvoll, „beide Linien gleichzeitig zu realisieren“.

Ulrich Horst, Kreistagsabgeordneter und Stadtverordneter der Grünen in Hückelhoven, zeigte sich über die eindeutige Aussage der Machbarkeitsstudie „positiv überrascht“. Gleichwohl sah er in den langen Wegen am Bahnhof Baal bei der Anbindung der Strecke nach Ratheim über die Regionalbahn Wesel-Mönchengladbach einen Pferdefuß: „Die Fahrgäste von Linnich nach Hückelhoven müssen dann am Bahnhof Baal fast 400 Meter laufen“. Ausschussvorsitzender Karl Schavier holte Horst auf den Boden der Realpolitik zurück, als er ihm die rhetorische Frage stellte: „Wollen wir das Projekt so, wie es vorgestellt wurde — oder wollen wir es gefährden?“

„Die von uns geprüften Varianten sind vom Kosten-Nutzen-Faktor sinnvoll. Die Steuergelder sind gut angelegt“, zog Verkehrsplaner Kai Pachan das Fazit der umfassenden Untersuchungen seines und des Berliner Büros. Das Land Nordrhein-Westfalen bereitet derzeit die Aufstellung des ÖPNV-Bedarfsplans für den Neu- und Ausbau der Infrastruktur des ÖPNV vor. Als dringlich sollen solche Vorhaben gelten, die aus Aufgabenträgersicht unter Angabe des Bedarfs im Zeitraum bis 2025 in Betrieb gehen können. Das sei, so Pachan, bei der Strecke Linnich-Baal und weiter von Baal bis Ratheim der Fall.

Wie aus Kreisen Dürener Kreistagsabgeordneter zu hören war, ist der Zeitplan für das „Zielnetz 2025“ inzwischen bereits um mindestens fünf Jahre nach hinten verschoben worden. Dies gehe aus internen Papieren aus Düsseldorf hervor. Das „Zielnetz 2025“ müsste also eigentlich schon heute „Zielnetz 2030 plus...“ heißen.

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