Azubiprojekt der Kreissparkasse ermöglicht Behinderten eigenes Konto

Neues Modell : Fünf Banker entwickeln Sorglos-Konto

Ein neues Konto-Modell ermöglicht nun auch Menschen mit Behinderung eine eigene Bankkarte. In Kooperation mit der Lebenshilfe bietet ein Azubiprojekt der Kreissparkasse einen echten Mehrwert.

Zu den dreimonatigen Projekten, in denen sich die Auszubildenden der Kreissparkasse Heinsberg in ihrem letzten Ausbildungsjahr besonderen Themen widmen, gehörte dieses Mal auch eine Kooperation mit der Lebenshilfe Heinsberg. Beleuchtet und möglichst beseitigt werden sollten dabei Barrieren, die es für behinderte Menschen im Umgang mit Bargeld, vor allem aber bei bargeldlosen Bankgeschäften heute noch gibt.

Initiiert hatte das Projekt bei der Kreissparkasse Ausbildungsreferentin Melanie Liedtke. Daran beteiligt waren die Auszubildenden Fabienne Arndt, Ina Friebe, Niklas Klandt, Nadja Pietsch und Julia Zumfeld. Im Rahmen eines Abschlussgesprächs, an dem sich vom Vorstand der Kreissparkasse Thomas Giessing und Marie-Theres Jakobs-Bolten beteiligten, übergaben sie die Ergebnisse ihres Projekts an Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Die Arbeit in Projekten sei für die Auszubildenden ganz wichtig, da sie dabei viele Kompetenzen erlernen und gruppendynamische Prozesse erleben würden, erklärte Giessing in seiner Begrüßung. Johnen würdigte die Thematik, derer sich die Auszubildenden angenommen hatten. „Barrierefreiheit wird heute noch sehr eng gesehen“, erklärt er. Dabei gehe es jedoch um eine sehr umfassende Teilhabe. „Am Ziel werden wir nie sein“, erklärte er. Besonders begrüßte er, dass sich Nachwuchskräfte der Kreissparkasse der Thematik angenommen hätten. Sie würden ihre Erfahrungen immer in ihre weitere Arbeit einfließen lassen. „Das ist besonders wertvoll“, betonte Johnen.

In mehreren Übungseinheiten hatten sich die Auszubildenden gemeinsam mit Mitarbeitern der Lebenshilfe in den Räumen der Lebenshilfe und auch in der Filiale in Oberbruch getroffen. Drei von ihnen, Jan-Niklas Glowa, Mitarbeiter in der Schreinerei, sowie Julie Bauer und Ines Svec, Mitarbeiterinnen im Café Lesbar, beteiligten sich auch am Abschlussgespräch. Problemstellungen waren bei diesen Treffen gemeinsam thematisiert und Lösungen erarbeitet worden. Grundlegend ging es dabei schließlich auch um die Thematik der Geschäftsfähigkeit behinderter Menschen bei Geldgeschäften und um die Vertrauensbasis, die Angehörige oder andere gesetzliche Vertreter in diesem Zusammenhang benötigen.

So haben die fünf jungen Banker ein neues Kontomodell geschaffen, das jetzt den Namen „Sorglos-Konto“ trägt. Als Kontoinhaber haben auch behinderte Menschen damit die Möglichkeit über eine eigene Bankkarte zu verfügen und damit ihre Geldgeschäfte zu erledigen.

Ähnlich wie bei einem sogenannten Schülerkonto kann ein solches „Sorglos-Konto“ nicht überzogen werden, und das Limit für Abhebungen oder Zahlungen mit der Karte kann begrenzt werden. Weiterhin soll zunächst für die Filiale in Oberbruch ein Mitarbeiter der Kreissparkasse geschult werden, um behinderte Menschen individuell beraten zu können. Johnen lobte diese Initiative ausdrücklich und hob vor allem hervor, dass diesem neuen Kontomodell „kein Etikett“ gegeben worden sei. Könne es so doch auch für andere Kunden, etwa für ältere Menschen mit Demenz, ebenso gut genutzt werden.

Darüber hinaus hatten die Auszubildenden eine Art Bilderbuch mit kurzen Schritt-für-Schritt-Erklärungen in einfacher Sprache erstellt, die behinderten Menschen den Umgang mit einem Geldautomaten künftig erleichtern soll.

Mitgebracht hatten sie zudem weiteres Lernmaterial ihres Instituts zum Umgang mit Geld. „Das ist ein Projekt mit Substanz, dass ganz konkrete Ergebnisse zeigt und Anstöße gibt“, lobte Johnen das gemeinsame Engagement von Auszubildenden der Kreissparkasse mit Mitarbeitern der Lebenshilfe. Jetzt gelte es Eltern und gesetzliche Vertreter für die Ergebnisse zu gewinnen.

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