Hückelhoven: Autor Nils Oskamp begegnet Populismus mit Aufklärung

Hückelhoven: Autor Nils Oskamp begegnet Populismus mit Aufklärung

Natürlich soll die Frage provozieren: Kann man sich vorstellen, dass heute jemand die Bundeskanzlerin, also Angela Merkel, öffentlich ohrfeigt? Der Dortmunder Autor Nils Oskamp stellt diese Frage gleich an den Anfang der Lesung aus seiner autobiografisch geprägten Graphic Novel „Drei Steine“, zu der ihn die Teilkonferenz „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ des Hückelhovener Gymnasiums in die Aula eingeladen hatte und die von der Stadt Hückelhoven und dem Kreis Heinsberg finanziert wurde.

Keiner seiner jugendlichen Zuhörer wird sich daran erinnern, dass genau so etwas Beate Klarsfeld im November 1968 auf dem Bundesparteitag der CDU in Berlin getan hat: Sie hat dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf der Bühne eine Ohrfeige verpasst. Klarsfeld wollte damit auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Regierungschefs des Bundesrepublik Deutschland aufmerksam machen.

Was Nils Oskamp seinen jungen Zuhörern sagen will: Es gab in der Bundesrepublik nach dem Krieg viele Menschen, die nahtlos den Übergang aus führenden Positionen in der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus hinein in leitende Funktionen der damals noch jungen bundesdeutschen Demokratie geschafft hatten.

Nils Oskamp versucht im Verlauf seiner Lesung und anschließend in der ebenso lebhaften wie auch kritischen Diskussion mit den Schülern des Gymnasiums in Hückelhoven am Beispiel seines Heimatortes Dortmund-Dorstfeld zu vermitteln, dass seine Geschichte nur auf den ersten Blick wie ein Einzelfall wirkt. Seine Erlebnisse sind eingebettet in eine jahrzehntelange Entwicklung, die bis heute andauere. Nicht nur die Dortmunder Naziszene habe sich in den vergangenen 30 Jahren als hervorragend vernetzt und äußerst gewalttätig bewiesen, die etablierten Seilschaften seien weiterhin aktiv und machten mit dem rechtsextremen Terror, den sie verbreiten, noch heute Schlagzeilen.

„Ihr habt das ja hier im Ort mit den Aktivitäten von Syndikat 52 und den Aachener freien Kameradschaften selbst erlebt“, so Oskamp. Wichtig sei, so der Autor, die inhaltliche Auseinandersetzung mit den populistischen Parolen, die derzeit vor allem „Die Rechte“ verbreitet. Stete Aufklärung — etwa zur Flüchtlingsdiskussion — sei dabei genauso nötig wie eine möglichst frühe Sensibilisierung für die Anwerbeversuche der Neonazi-Szene, die mittlerweile speziell im Internet versucht, junge Menschen zu ködern.

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