Heinsberg-Unterbruch: Ausstellung: „Über den Tod (hinaus)“

Heinsberg-Unterbruch: Ausstellung: „Über den Tod (hinaus)“

Es nannte sich Ausstellung und war doch viel mehr. Mit einer Mischung aus Andacht und Vernissage wurde bei „SUNDayTE“ in der Unterbrucher Kirche die Ausstellung „Über den Tod (hinaus) — eine Mitmachausstellung“ eröffnet.

Mit dem Stück „Tears in Heaven“, gespielt von Lea Botterweck auf der Querflöte, startete die kleine Feier in eine bemerkenswert andere Ausstellung. Ingrid Beiten, Verantwortliche im pastoralen Projekt „SUNDayTE“, warf den Blick zurück auf die Idee zu dieser Mitmachausstellung. Die sei vom Trägerwerk für kirchliche Jugendarbeit in Krefeld um Lukasz Ratajczak erstmals konzipiert und gezeigt worden. Das Organisationsteam sei erfreut, dass es mit dieser Ausstellung gelungen sei, gerade passend für den November das Thema Sterben, Tod und Trauer in anderer Form zu präsentieren.

Angeregt ins Gespräch vertieft: (Bild oben, v.l.) Propst Markus Bruns und Pfarrer René Mertens sowie Ana von den Stück am Sarg (Bild links). Die Besucher beteiligen sich aktiv an der Mitmachausstellung in der Unterbrucher Kirche. Foto: Johannes Bindels

Bewusste Auseinandersetzung

Angeregt ins Gespräch vertieft: (Bild oben, v.l.) Propst Markus Bruns und Pfarrer René Mertens sowie Ana von den Stück am Sarg (Bild links). Die Besucher beteiligen sich aktiv an der Mitmachausstellung in der Unterbrucher Kirche. Foto: Johannes Bindels

Im Mittelpunkt der vielen Ausstellungsstationen steht das Mitmachen in Form von Dialogen, selber Schreiben, Bilder zuordnen und Filme anschauen. Jede Station regt zur bewussten Auseinandersetzung mit dem Tod an. Wie das Leben einen Kreislauf darstellt und was einen Weg zu gehen bedeutet, so ist diese Ausstellung aufgebaut.

Auf der einen Seite finden sich Anregungen zum Nachdenken über die Art und Weise, wie das Leben gelebt wird. Der großformatige Druck des Bildes „Jungbrunnen“ von Lucas Cranach dem Älteren zeigt, dass das Thema jung zu bleiben schon immer Wunsch der Menschen war. Der auf einer Leinwand angezeigte Spruch „Nicht dem Leben mehr Jahre, den Jahren mehr Leben“ gibt den Kontrapunkt dazu und die Anregung zum Nachdenken über den Fokus auf Äußerlichkeiten.

Auf der anderen Seite des Rundgangs sind Stationen, an denen mit modernen Medien die Veränderungen des Alters simuliert und nachvollzogen werden können. Der Tod in der Tierwelt ist ein ethisch interessantes Feld und vertieft die Kenntnisse, dass Elefanten als Lebewesen zum Sterben einen „Elefanten-Friedhof“ aufsuchen — und, nachdem sie gestorben sind, von den Gruppenmitgliedern mit Blättern bedeckt und „beerdigt“ werden.

Eine empathische Fähigkeit, die angesichts des mörderischen Abschlachtens in den Kriegsgebieten der Welt den Menschen anscheinend verloren gegangen ist. Dass über einen sterbenden Menschen am Eingang einer Bank die anderen Kunden hinwegschreiten und sich nicht kümmern, passt wohl auch ins Bild.

Viele Menschen hätten noch nie einen Sarg aus der Nähe gesehen, so Ana von den Stück, die diese Station betreute. Darauf ausgebreitet: Fotos der Gesichter von Menschen, die gerade gestorben sind. Das Auswählen eines Fotos führt dann zum nächsten Schritt: Ana von den Stück hatte das dazugehörende Foto des Menschen, als er noch lebte. Im Dialog erfuhr der Besucher dann mehr über das Leben des Verstorbenen. Mit einer symbolischen Geste der Verabschiedung werde der Sarg geöffnet und die Fotos könnten hineingelegt werden, ließ Ana von den Stück die Interessenten wissen.

Propst Markus Bruns hatte zuvor in seiner kurzen Ansprache Bezug genommen auf den Song „Always look on the bright Side of Life“ aus der Komödie „Das Leben des Brian“. Er wünschte den Besuchern der Ausstellung einen unbekümmerten Umgang mit dem Thema und bereichernde Gespräche.

Diesen Wunsch nahm das Publikum wörtlich, denn an vielen Stellen waren Gruppen im Dialog wahrzunehmen.

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