Ausstellung in Heinsberg: So etwas wie Bildhauerei mit Papier

„Raumfalte“ beim Kunstverein Region Heinsberg : So etwas wie Bildhauerei mit Papier

Simon Schubert stellt seine Arbeiten im Horster Hof beim Kunstverein Region Heinsberg aus. In der Schau „Raumfalte“ zeigt er das Geheimnisvolle, ohne es zu verraten.

Mit der Ausstellung „Raumfalte“ des Künstlers Simon Schubert im Horster Hof des Kunstvereins Region Heinsberg erfolgt die Fortsetzung des Jahresthemas „Das ist mein Material und Medium“ in besonderer Weise und Ausstrahlungskraft. Schon im Titel wird die Vielschichtigkeit der künstlerischen Umsetzung von Material, Technik, Inhalt und Bedeutung angedeutet.

Simon Schubert studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei der Bildhauerin Prof. Irmin Kamp mit Abschluss als Meisterschüler. Die Laudatio zur Ausstellungseröffnung hielt der Kunsthistoriker Dr. Christian Krausch, er öffnete den Kunstinteressierten den Zugang zu geheimnisvollen Faltungen der Papier-Raum-Welt Schuberts.

Seit seinen Studien der Freien Kunst und Bildhauerei bei Irmin Kamp an der Kunstakademie kreise das Werk des Künstlers Schubert um die zentrale Frage, wie sich das Rätselhafte darstellen lasse, ohne ihm die Rätselhaftigkeit zu nehmen, beschrieb Dr. Christian Krausch die Essenz der Arbeit des Künstlers. „Wie kann dem Geheimnisvollen eine Plattform gegeben werden, ohne es zu verraten?“, vertiefte er das Kernthema, mit dem Schubert sich befasse.

Kunsthistoriker Christian Krausch (r.) interpretiert die Werke von Simon Schubert, die in Heinsberg zu sehen sind. Foto: Johannes Bindels

Auf ein reliefartiges Werk verweisend, betonte Krausch die Arbeitsweise des Künstlers. Eine faszinierende Ansicht und Einsicht in verschiedene Raumsituationen habe der Künstler allein durch die Kunst der Faltung und durch das Spiel mit Licht und Schatten entfaltet, in dem er die Fähigkeit des Betrachters nutze, Räumlichkeiten vor dem inneren Auge zu simulieren. „Tatsächlich befinden sich alle Bilder auf einer schmalen Grenze zwischen der deutlichen Wahrnehmbarkeit des Motivs und seiner Auflösung ins Nichts.“ Nicht zufällig ähnele das Leistenprofil der eigenwilligen Rahmung demjenigen, welches sich als Türzarge in den durch Faltung entstandenen Bildern wiederfinde.

Simon Schubert habe für die Ausstellung in Heinsberg zudem eine Rauminstallation geschaffen, in der sich seine Gabe, dem Papier aus bildhauerischer Sicht sich zuzuwenden und gestalterisch den Schritt zur Dreidimensionalität zu gehen, ihren Beleg finde. Ein begehbarer Raum sei so entstanden, in dem vom Boden bis zu den Wänden alle Flächen mit weißem Papier ausgekleidet seien. Alles Flächige bestehe aus gefaltetem und gestaltetem Papier, wobei auf einer Seite des Raums eine bewegte Wasseroberfläche angedeutet sei und auf der anderen Seite ein geometrisches Spiel polygonaler Flächen wahrnehmbar würde.

Dort spiegele sich die im Raum zentral platzierte Skulptur wider,  welche zugleich die Nachformung eines Körpers aus dem Kupferstich „Melancholia I“ von Albrecht Dürer sei. Hier offenbare sich exemplarisch das Geheimnisvolle in Schuberts Werk, ohne sich vollständig zu verraten. „Die Skulptur des Polyeders wird zum Kristallisationskern von Schuberts Arbeit, in der die Gleichzeitigkeit von Zwei- und Dreidimensionalität verhandelt wird“, formuliert der Laudator seine Interpretation.

In einem weiteren Werkblock zeige die Ausstellung frühere Graphitarbeiten und farbige Pigmentarbeiten, mit denen Schubert Raumillusionen schaffe und thematisch an die Papierverschachtelungen anknüpfe. Die Ausstellung sei ein Angebot, sich als Betrachter einzulassen auf einen eigenwilligen Weg der Wahrnehmung, schloss Krausch seine Rede.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 5. Mai, auch während der Kunsttour geöffnet.

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