Wegberg-Beeck: Ausstellung im Flachsmuseum: Handwerkskunst mit Kopf und Herz

Wegberg-Beeck: Ausstellung im Flachsmuseum: Handwerkskunst mit Kopf und Herz

„Schatztruhe“, treffender könnte der Titel der Ausstellung nicht sein. Feinste Textilarbeiten und kunstvolle Reliefstickereien aus dem Lebenswerk von Erdmute Dock zeigt die Sonderausstellung im Flachsmuseum Wegberg-Beeck. Die Kostbarkeiten sind wie die 85-jährige Künstlerin selbst:

Zart und filigran und doch von kraftvoller Ausstrahlung. Wobei sie das Wort „Kunst“ unpassend findet, sondern ihre Werke „als Handwerk“ versteht. Die Besucher, die sich bei der Eröffnung der Ausstellung staunend, fast ehrfürchtig, um die Vitrinen scharten, waren da ganz anderer Auffassung: „Kunst in Vollendung“.

Erdmute Dock war zur Ausstellungseröffnung aus Braunschweig angereist. Sie beschäftigt sich mit historischen Stickerei- und Spitzentechniken, die sie gerne verfremdet, indem sie sich meist auf weiße Seide beschränkt. Die verschiedenen Stickstiche, die sie einsetzt, sind von ganz besonderer Art und kommen aus verschiedenen Ecken der Welt.

Der Mountmellickstich aus Irland, der orientalische Knotenstich, die Zaanländische Stickerei aus Flandern und mitunter verbindet sie auch mehrere Stickarten miteinander. Wichtig ist ihr, Kopf, Herz und Hand an ihren Arbeiten zu beteiligen und ihr Thema sind Tiere. „Willkommen im Zoo“, eröffnete ihre Tochter, Wilke Horn, die Erklärungen zur Ausstellung. Sie lud ein, diesen der Fantasie entsprungenen Tiergarten mit eigenen Vorstellungen zu füllen.

Als naturliebenden Menschen, der mit Sorge den Rückzug der Natur beobachtet, beschreibt sich Erdmunte Dock. Stier und Rhinozeros, der Greif und das Einhorn — sie alle „haben eine Vita, ein Schicksal, eine Vergangenheit“, erläuterte Wilke Horn.

Erdmute Dock stammt aus Hinterpommern, dem heutigen Polen. Ihrer Mutter sah sie beim Handarbeiten zu, bald schon griff sie zu Stoff und Garn. Eine Ausbildung zur Gewerbelehrerin für Textilgewerbe gab ihr das Rüstzeug, Lehrerin zu sein, aber nicht die Gelegenheit in diesen Fächern zu unterrichten. Das Schrumpfen des Textilgewerbes bestimmte ihren schulischen Einsatz in fremden Fächern.

In ihrer Freizeit hat sie die Textilarbeit weiter gepflegt, und seit ihrer Pensionierung konnte sie sich wieder intensiv den verschiedenen textilen Techniken mit unterschiedlichem Material widmen. Um Versuche handele es sich, ihre Arbeiten bezeichne sie gerne mit dem holländischen Wort „Merklappen“ (Mustertuch), berichtete ihre Tochter.

Die häufigste Frage der Betrachter — „Wie lange braucht man für so ein Werk?“ — beantwortet Erdmute Dock lächelnd: „Eine Arbeit dauert so lange, bis man drei bis fünf gute Träume gehabt hat.“

Die Sonderausstellung ist bis zum 8. November zu den Öffnungszeiten im Flachsmuseum Wegberg-Beeck zu sehen.