Erkelenz: Auschwitz-Befreiung: Aktion auf dem Erkelenzer Markt

Erkelenz: Auschwitz-Befreiung: Aktion auf dem Erkelenzer Markt

In Erkelenz wurden am Gedenktag an die NS-Opfer wieder die Namen der Erkelenzer verlesen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens den Nazis zum Opfer fielen. Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde 1996 auf Vorschlag des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog als Gedenktag eingeführt. Er ist den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Völkermordes gewidmet.

Der Arbeitskreis „Route gegen das Vergessen“ des Erkelenzer Heimatvereins setzt sich für die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger ein. Die Route durch das Stadtgebiet besucht Plätze und Gebäude, die für das jüdische Leben in Erkelenz eine Rolle gespielt haben. Eine gleichnamige Broschüre informiert und lädt zur Erkundung der Route ein.

Am Tag des Gedenkens spielt der Arbeitskreis die Namen aller jüdischen Erkelenzer in einer Endlosschleife ab, die Rassewahn der Nazis zum Opfer fielen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erschallen ihre Namen, Geburts- und Lebensdaten sowie der Ort ihrer Ermordung vom Alten Rathaus aus über den Markt.

Hubert Rütten vom Arbeitskreis stand wieder den Fragen der Passanten ebenso Rede und Antwort wie Christoph Stolzenberger. Zudem informierten zwei Stellwände und ein Transparent am Rathaus über die Aktion. Immer wieder kamen Passanten und sprachen die beiden an. Nicht immer seien es positive Reaktionen, betonte Rütten. Einige fühlten sich belästigt oder sprächen sich dafür aus, „die Sache endlich zu vergessen“. Andere zeigten sich erstaunt, weil sie wenig wüssten über die jüdische Geschichte in Erkelenz.

Die akustische Erinnerung an die Opfer des Holocaust kann durchaus als ein weiterer Stolperstein bezeichnet werden, von denen es schon einige gibt. Die Stolpersteine in der Stadt weisen auf die ehemaligen Wohnhäuser jüdischer Familien hin. Die Steine des Kölner Künstlers Gunter Demnig heben sich durch Material und Farbe vom umgebenden Pflaster auf den Bürgersteigen ab und nennen die Namen der einstigen Bewohner. In Erkelenz sind sie in der Innenstadt an vielen Stellen zu finden.

Mit dem Sonnenuntergang kurz nach 17 Uhr endete die Gedenk-Aktion auf dem Markt.

Weitere Informationen über das einstige jüdische Leben im Erkelenzer Land findet man auch in Hubert Rüttens Buch „Lebensspuren — Spurensuche“, das als Band 22 in der Schriftenreihe des Heimatvereins erschienen ist.

(hewi)
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