Heinsberg: Aus für Freibäder: Dieder ist sauer auf SPD und Grüne

Heinsberg: Aus für Freibäder: Dieder ist sauer auf SPD und Grüne

Sauer ist der erste Bürger der Stadt Heinsberg, Wolfgang Dieder. Um genau zu sein „stinkesauer“, wie er es gegenüber unserer Zeitung formuliert. Nach der wenig überraschenden Entscheidung der Stadtwerke-Gesellschafterversammlung vom Donnerstag, die beiden Freibäder in Kirchhoven und Oberbruch nicht mehr weiterführen zu wollen, hat er noch ein Hühnchen zu rupfen mit SPD und Grünen.

Die hatten sich in den letzten Tagen vor dem Beschluss besonders „volksnah“ mit öffentlichen Bekenntnissen und der Feststellung, eine Stadt wie Heinsberg müsse in der Lage sein, sich wenigstens ein Freibad zu leisten, aus dem Fenster gelehnt hatten. „Nach der Bürgerversammlung in Oberbruch haben SPD und Grüne ihr Fähnchen in den Wind gehängt“, sagt Dieder.

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder macht seinem Unmut gegenüber SPD und Grünen Luft. Foto: Rainer Herwartz

„Unseres Erachtens hat der Arbeitskreis Freibäder bislang nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, hatte SPD-Fraktionschef Ralf Herberg erklärt. Und Willi Mispelbaum von den Grünen ließ verlauten: „Nach unserer Einschätzung hat sich der Arbeitskreis nicht mit Alternativen befasst und sich scheinbar vorschnell auf eine Schließung beider Freibäder festgelegt. Nach unserer Auffassung ist der Arbeitskreis noch nicht mal im Ansatz der Aufgabe gerecht geworden, für die er seinerzeit gebildet wurde.“

Bei derlei „populistischen Äußerungen“ platzt Dieder der Kragen. Wir hatten im November letzten Jahres eine Sitzung der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke, in der die SPD den Vorschlag zur Gründung eines Arbeitskreises machte, der sich mit der Bäderproblematik befassen sollte“, sagt Dieder. Insgesamt sollte er sich aus zehn Personen zusammensetzen — aus Politik, Fachleuten und interessierten Bürgern. „Ich erwarte jetzt von den Fraktionen die Benennung von zehn Personen und eine Regelung zur Arbeitsweise und Aufgabenstellung“, habe er damals erklärt.

Aus der CDU seien dann auch kurzfristig Helmut Frenken und er selbst in den Arbeitskreis entsandt worden. Rund vier Monate später, am 4. März dieses Jahres, habe er dann nach einer öffentlichen Sitzung des Rates außerhalb des Protokolls bemängeln müssen, dass bis zu diesem Zeitpunkt keine andere Fraktion weitere Mitglieder benannt habe. Mehr als sechs weitere Arbeitskreismitglieder kamen dennoch nicht zusammen.

„In der Gesellschafterversammlung vom 19. März habe ich dann darauf hingewiesen, dass immer noch zwei Mitglieder fehlten, ebenso wie die Regelung zur Aufgabenstellung und Arbeitsweise.“ Kurioserweise, so Dieder, habe er dann am 5. April einen Brief von SPD-Fraktionschef Ralf Herberg erhalten mit der Aufforderung, den Arbeitskreis umgehend einzuberufen. Man sei offenbar davon ausgegangen, so Dieder, dass der Arbeitskreis unter seiner Führung stünde. Was mitnichten der Fall gewesen sei.

Durch die damaligen Schäden im Freibad Oberbruch nach der Winterpause habe sich die Einladung verschoben. „Bis zur Behebung wären sämtliche Überlegungen ohnehin nur Spekulation gewesen“, sagt Dieder zur Begründung. „Am 8. Juni wurde der Arbeitskreis schließlich einberufen, allerdings keineswegs unter meiner Federführung, denn ein Arbeitskreis sucht sich seinen Vorsitzenden selbst. Ich habe dann nochmals erläutert, dass das Bädergutachten durchaus Grundlage für eine Schließung ist.

Im Hinblick auf den Arbeitskreis habe ich unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass hier nicht nur ein Gesprächskreis, sondern ein tatsächlicher Arbeitskreis entstehen soll, in dem Arbeitsbeiträge geleistet werden sollen.“ In Richtung Ralf Herberg sei es dann noch zu der Äußerung gekommen: „Daher sehe ich ihre Fraktion als Antragsteller in der Pflicht, die Themenbereiche zu benennen und auch zu bearbeiten, die aus ihrer Sicht noch nicht beleuchtet wurden.“

Schließlich tagte der Arbeitskreis sein erstes und einziges Mal mit nur sieben statt zehn Personen, darunter drei von der SPD, am 16. Juni. „Doch geschehen ist nichts! Auf Arbeitsbeiträge von denjenigen, die ich insbesondere in der Pflicht sehe, warte ich bis heute.“ Besonders spannend ist das Gedächtnisprotokoll, das Dieder von der Arbeitskreis-Sitzung anfertigte und jetzt in der Gesellschafterversammlung verlas — ohne Widerspruch.

Danach reichten die gemachten Vorschläge vom Bau eines interkommunalen Schwimmbades auf der Stadtgrenze zu Geilenkirchen bis hin zur Einführung eines FKK-Tages im Hallenbad. Alle Gesprächsteilnehmer seien übrigens der Meinung gewesen, dass ein Bürgerbad nicht zu realisieren sei. Nur die Bürger können nun die Politiker eines Besseren belehren.

Mehr von Aachener Zeitung