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Zwei Jahre Flüchtlingshilfe in Kückhoven: Aus Fremden werden gute Bekannte

Zwei Jahre Flüchtlingshilfe in Kückhoven : Aus Fremden werden gute Bekannte

Sie kamen als Fremde, sie wurden zu guten Bekannten, um die man sich sorgt und für die man sich mitverantwortlich fühlt. So umschreiben Andrea Ludwigs-Spalink und Jürgen Simon von der Dorfgemeinschaft Kückhoven (DG), wie sie die vergangenen zwei Jahre mit den im Dorf angesiedelten Flüchtlingen aus 15 Nationen erlebt haben.

„Wir lernen seit September 2016, als wir die ersten sieben Bewohner aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak im Containercamp begrüßt haben, täglich dazu: über die Weltpolitik, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Menschen, über die deutschen Behörden und über uns selbst“, sagt Ludwigs-Spalink.

Ausdrücklich bedanken sich die beiden bei allen Kückhovener Bürgern, die die Menschen im „Weißen Haus“ – so nennen die Flüchtlinge scherzhaft ihr Zuhause auf Zeit – mit Kleidung, Haushaltswaren, aktiver Mithilfe bei geselligen Veranstaltungen und mit gebrauchten Rädern unterstützen. Dass der mobile Untersatz stets fahrbereit ist, dafür sorgt Jürgen Trautwein mit der Fahrradwerkstatt. Zurzeit leben etwa 40 Menschen in der Unterkunft.

Die anfängliche Skepsis im Dorf sei – sicher auch durch regelmäßige Infos auf der Homepage und beim Seniorennachmittag – bei den meisten Bürgern einer Akzeptanz gewichen. „Man weiß, dass sich jemand kümmert“, so Simon. Mittlerweile sprechen viele Flüchtlinge Deutsch, fast alle jungen Männer haben mit Hilfe der DG eine Arbeit gefunden, einige auch eine Wohnung.

Und so freute es die Dorfgemeinschaft besonders, dass zum Grillfest im Pfarrheim auch ehemalige Bewohner aus Köln und der näheren Umgebung der Einladung zum Wiedersehen gefolgt waren.

Denn Geld sei nicht das Problem bei der Integration, sondern die fehlenden Kontakte zu Deutschen, hat Andrea Ludwigs-Spalink erfahren: „Würde jeder Bürger nur einen Flüchtling ein wenig näher kennenlernen, wären viele Vorurteile hinfällig. Man sähe nicht mehr den Flüchtling, sondern den einzelnen Menschen mit seiner individuellen Geschichte. So ist es uns ja auch gegangen.“ Dabei solle nicht verschwiegen werden, dass es auch unter den Flüchtlingen einige wenige gebe, die sich nicht integrieren könnten oder wollten. So bleibe z.B. das Sauberkeitsverhalten im und um das Camp herum ein Dauerthema.

In Kückhoven singt mittlerweile eine Kamerunerin im Kirchenchor mit, zwei Nigerianer spielen beim TuS Germania Fußball. „Besonders freut uns, dass ein junger Afrikaner jetzt eine Ausbildung zum Maurer macht und dadurch erst einmal eine dreijährige Ausbildungsduldung erhält.“ Denn natürlich falle es menschlich schwer, wenn ein Flüchtling, mit dem man beim BAMF und bei Gericht auf ein Bleiberecht gehofft habe, dann doch kein Asyl erhalte und von Abschiebung bedroht sei. Ein großes Problem sei auch, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung abgenommen habe, Zimmer oder Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten - abgesehen von dem Mangel, der sowieso an Ein-Personen-Appartements in Erkelenz herrsche.

Jürgen Simon und Andrea Ludwigs-Spalink von der Dorfgemeinschaft aber sind sich einig, dass ihr Engagement Früchte trägt: „Wir machen weiter. Denn nur zusammen schaffen wir das.“