Hückelhoven: Auftakt der Interkulturellen Woche: „Für Toleranz eintreten“

Hückelhoven: Auftakt der Interkulturellen Woche: „Für Toleranz eintreten“

Das Motto ist Programm: „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“. Hückelhovens Bürgermeister fügte dem noch etwas hinzu, als er die zum vierten Mal durchgeführte „Interkulturelle Woche“ im Kreis Heinsberg in Hückelhoven eröffnete: „Wir sind bunt“, sagte Bernd Jansen und erinnerte daran, dass in der Stadt Menschen aus 100 Nationen beheimatet sind.

„Eine schönere Überschrift für Hückelhoven könnte man gar nicht finden“, sagte Jansen. Natürlich, räumte er ein, natürlich gebe es auch hin und wieder mal die ein oder andere Reiberei — das sei ganz normal: „Aber wir schultern die Aufgabe der Integration hier gemeinsam“.

Ein Aufgabe ist das, die nicht leichter wird: 400 Flüchtlinge beherbergt die Stadt derzeit in ihren Ortschaften, jeder 460. Flüchtling, der Nordrhein-Westfalen zugewiesen wird, kommt in die Stadt an der Rur. „Wir wollen diesen Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern ein würdiges Zuhause bieten“, sagte Jansen. Aus diesem Grund werden die Menschen, die vor Krieg und anderen Grausamkeiten alles hinter sich gelassen haben, in Hückelhoven nicht zentral in einem Sammellager wie zum Beispiel in einer Turnhalle, sondern dezentral in Häuser und Wohnungen im Stadtgebiet verteilt.

„Das ist nicht einfach, aber es ist uns bisher gelungen. Das ist aber nur mit dem herausragenden Engagement unserer Bürger möglich“, betonte der Bürgermeister. 80 Flüchtlingspaten (Jansen: „Ein Aushängeschild unserer Stadt“) helfen den Menschen, die eine andere Sprache sprechen und einen anderen kulturellen Hintergrund haben, die Dinge des alltäglichen Lebens in ihrem ganz neuen Lebensmittelpunkt einfacher werden zu lassen.

Bundesweit zum 40. Mal

Birgit Fluhr-Leithoff, engagierte Pädagogin am Gymnasium und taktgebende Organisatorin der Interkulturellen Woche, erinnerte daran, dass diese Veranstaltung in der Bundesrepublik in diesem Jahr zum 40. Mal stattfindet. Und sie wies mit Stolz darauf hin, dass diesmal auch Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) des Gymnasiums aktiv an der Gestaltung der Veranstaltung mitgewirkt haben.

Arnold Krekelberg, als Direktor des Hückelhovener Gymnasiums ihr Chef, verwies darauf, dass es an der Schule keine „aber auch gar keine Probleme mit ausländischen Schülern“ gebe. Im Gegenteil: Die IVK betrachte er wie alle Mitglieder des Kollegiums, als „eine Bereicherung“.

Zu Tode gequälte Kinder

Das weitgehend von Schülern des Gymnasiums, der „Schule ohne Rassismus“, gestaltete Programm stand auf einem hohen Niveau und war dem Auftakt einer Woche, die im Zeichen der Begegnung von Menschen mit verschiedener kultureller Identität stehen soll, in jeder Hinsicht angemessen. Besonders eindrucksvoll, bedrückend gar, als Schüler der Oberstufe sich als Kinder vorstellten („Ich stehe für...“), die im KZ Neuendamme und in der Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg (das sie im Rahmen einer Fahrt mit der Schule besucht hatten) von den nationalsozialistischen SS-Schergen zu Tode gequält wurden.

„Wir haben die Kinder aufgehängt wie Bilder an der Wand“, wurde der SS-Mann Johannes Frahm zitiert. Dass so etwas in unserem Land nie mehr passiert und alle Ansätze dazu im Keim erstickt werden, so das Fazit eines Schülers, auch dafür sei die Interkulturelle Woche eingerichtet worden.

Um noch einmal auf den Bürgermeister der Stadt zurückzukommen: „Warum“, fragte Bernd Jansen, „müssen wir überhaupt noch eine Interkulturelle Woche veranstalten?“ Und er beantwortete die Frage selbst postwendend: „Weil wir Flagge zeigen, weil wir im Bewusstsein leben, für Toleranz einzutreten und weil wir deutliche Zeichen setzen gegen die, die noch immer rechtsradikales Gedankengut in sich tragen.“ Und Jansen stellte gleich noch eine Frage in den Raum, die er ebenfalls nicht trotzig, sondern mit dem Brustton der Überzeugung beantwortete: „Schaffen wir das? Ja, wir schaffen das!“

Der Bürgermeister betont unbeirrt — wie seine Parteivorsitzende — die Chancen der Flüchtlingswelle mehr als deren Risiken. Wir schaffen das — das ist auch der Slogan eines optimistischen Animateurs einer Willkommenskultur, mit der man in Hückelhoven noch nie gefremdelt hat. „Wenn wir die Dinge, die auf uns zukommen, gemeinsam angehen, dann schaffen wir das!“, betonte Bernd Jansen.

Das wird auch Norbert Spinrath, der europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin, als Gast der Veranstaltung im C-Gebäude des Gymnasiums gehört haben. Gut möglich, dass der Sozi aus dem Wahlkreis Heinsberg dem ein oder anderen Kollegen in Brüssel mal die Handynummer des Christdemokraten aus Hückelhoven zusteckt...

(kalauz)