Selfkant-Wehr: Aufregung in Selfkant-Wehr: Ein Ort bangt um seine Traditionskirmes

Selfkant-Wehr : Aufregung in Selfkant-Wehr: Ein Ort bangt um seine Traditionskirmes

Aufregung in Selfkant-Wehr: Ein Ort bangt um seine Traditionskirmes und sein Dorffest. Wie nun bei einer Versammlung deutlich wurde, fühlt sich eine Anwohnerin von der Geräuschkulisse der Kirmes auf dem Dorfplatz an der Severinusstraße belästigt und geht auf die Barrikaden.

Sie habe eine dementsprechende Petition an den Landtag zur Einschränkung beziehungsweise Verlagerung der Kirmesaktivitäten am ersten Septemberwochenende — der einzigen Kirmesveranstaltung im Ort — eingereicht, hieß es.

Tradition ist Trumpf: Die Wehrer Kirmes (oben, der Festzug 2011) mobilisiert alljährlich die Dorfbevölkerung. Der Spielmannszug (unten) ist der Schützenbruderschaft angeschlossen und ebenfalls fester Bestandteil des örtlichen Kulturlebens. Archivfotos (3): Heinz Eschweiler.

Hohe Wellen, große Entrüstung

Nicht nur in Selfkant-Wehr wird das Brauchtum in Ehren gehalten. Die Schützenfahne ist auf jeder Kirmesveranstaltung dabei.

Das Schreiben schlug im Schützenverein hohe Wellen. Der Kreis Heinsberg sei vom Landtag über dieses Schreiben informiert worden und habe dieses wiederum an die Gemeinde weitergeleitet.

Bürgermeister Herbert Corsten war jetzt bei der Versammlung in Wehr vor Ort und beschrieb den aktuellen Sachstand. „Der Kreis hat uns angeschrieben“, so Corsten zur Situation. Der Bürgermeister hatte Informationen über Freizeitlärmrichtlinien sowie einen Leitfaden zur umweltgerechten Durchführung von Volksfesten und ähnlichen Traditionsveranstaltungen vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW dabei.

Corsten versuchte, die besorgten Wehrer zu beruhigen. Er bat die Schützenbruderschaft, Ruhe zu bewahren und keine unüberlegten Schritte zu machen. „Wir als Gemeinde stehen auch weiterhin zur Genehmigung dieser Traditionskirmes“, versicherte der Bürgermeister.

Natürlich gebe es Auflagen, die eingehalten werden müssten, jedoch: „Nur einmal jährlich für wenige Tage stattfindende traditionelle Feste von kommunaler Bedeutung können ausnahmsweise zulässig sein, selbst wenn sie die Richtwerte deutlich überschreiten. Hiervon ist auch die Nachtruhe nicht generell ausgenommen“, zitierte Bürgermeister Corsten einen Passus aus dem Leitfaden des Ministeriums. Allerdings, so der Erste Bürger, gelte es dennoch, die Lärmschutzrichtlinien zu beachten.

Schallschutzgutachten

Die Schützenbruderschaft ist bereits selbst aktiv geworden und möchte mit Messungen ein Schallschutzgutachten erstellen lassen. Herbert Jetten als Vereinsvorsitzender bezeichnete bei der Versammlung die Severius-Schützenbruderschaft als Kulturerbe des Ortes. Zudem werde bei der Jahreskirmes der finanzielle Grundstein zur Aufrechterhaltung dieses Kulturerbes für Wehr gelegt. „Diese Traditionskirmes ist für uns eine Existenzfrage“, sprach Jetten klare Worte.

Es wurde eine lebhafte Diskussion entfacht, bei der ein Mitglied sogar befürchtete: „Eines Tages darf auch ein Spielmannszug dann nicht mehr auf der Straße spielen.“ Aber alle waren sich trotz dieser brisanten Lage einig: Der Frieden im Ort soll aufrechterhalten werden. Dazu soll möglicherweise auch ein Runder Tisch eingerichtet werden, hieß es.

Die Wehrer Schützenbruderschaft ist schon seit 1750 geschichtsmäßig erfasst, eine Silberplakette aus diesem Jahr war in den Wirren des zweiten Weltkrieges abhanden gekommen. Auf einer Vereinsfahne ist die Jahreszahl 1820 vermerkt, hieraus lässt sich eine Neugründung nach der französischen Revolution deuten.

Die Jahreskirmes wird seit vielen Jahrzehnten Anfang September gefeiert.