Auf Haus Hohenbusch wird der Alltagsgegenstand zum Kunstwerk

Kunstlabor : Künstler experimentieren mit der Gießkanne

Auch bei der 14. Auflage von „Kunstlabor.de live“ präsentierte sich die regionale Kunstszene als überaus vielseitig, vital und vor allem vernetzt. Die Gruppe ist aus einem Internetportal hervorgegangen und lädt jedes Jahr zum Kunstwochenende ein.

Seit einigen Jahren ist sie mit ihrem Event auf dem ehemaligen Kreuzherrenkloster Hohenbusch beheimatet. Nicht nur bei Kunstfreunden ist das Wochenende beliebt. Denn neben Malerei, Fotokunst, Skulpturen und Installationen erwartet die Besucher auch ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm aus Literatur und Musik. Diese Mischung hob auch Richard Nouvertné von der Sparkassen-Kunststiftung hervor. Diese unterstützt das Kunstlabor, seit es vor 14 erstmals aus dem digitalen Internet in die analoge Welt trat. Auch wenn er als Vorsitzender der Stiftung und Mitglied des Vorstandes der Kreissparkasse am Jahresende ausscheide, werde die Unterstützung weitergehen.

Die Entscheidung für Hohenbusch als Austragungsstätte des Kunstmarathons sei richtig. „Hier können sich die Künstler besser entfalten“, betonte er am Samstag bei der Eröffnung des Events. Darüber hinaus stärke es den Ruf des ehemaligen Klosters als Kunststandort in der Region. Auch Georg Blank vom Gremium des Kunstlabors sprach vom Potenzial des Standortes. Neben der Barrierefreiheit sei auch die Vernetzung mit anderen Kunstschaffenden sinnvoll.

Da wäre zum Beispiel Elke Bürger, die mit ihrem mehrwöchigen Seminarangebot des Sommerkunsttreffs zeitgleich auf Hohenbusch zugange ist. So hat das Kunstlabor auch nach über einem Jahrzehnt der Arbeit noch Entwicklungspotenzial. Leitthema des diesjährigen Events war das Thema Wasser. Es fand sich in der einen oder anderen Form in den Arbeiten der Künstler wieder, in seinen rostigen Spuren oder in Form eines schützenden Regenschirms. Auch die alljährliche Gruppenarbeit nahm das Thema auf. Alle teilnehmenden Künstler und Gruppen sind aufgerufen, zu einem bestimmten Thema ein Kunstwerk zu erstellen. In diesem Jahr drehte sich alles um die Gießkanne. Sie wurde in verschiedenen Installationen in Szene gesetzt und gab auch Anlass zu durchaus kritischen Betrachtungen des Weltgeschehens.

Merkwürdige Gestalten tummelten sich bei der 14. Auflage des Kunstlabors auf dem Gelände. Foto: Helmut Wichlatz

Kritisch waren auch die Beiträge der Erkelenzerin Christa Hammermeister. Aus ihrem „Bayer“-Sarg, der für die Einäscherung bereitsteht, sprießt ein Apfelbaum als Zeichen der Hoffnung. Brigitte Böckels hatte ihre Gießkanne zur Kritik an der Umweltzerstörung durch den Braunkohletagebau genutzt, andere Künstler bauten sie in Stillleben ein oder setzten sich mit der Funktion im weiteren Sinne auseinander. So gab es für die Besucher ständig etwas zu entdecken oder gleich bei den anwesenden Künstlern selbst zu hinterfragen. Denn der Austausch und Dialog sind wichtige Elemente des Events. Neben der bildenden Kunst kamen auch Vortragskünstler nicht zu kurz.

Am Samstag zog vor allem das Ensemble „merkwürdig.e gestalten“ aus Mönchengladbach um die Tänzerin Anja Abels mit seiner Tanzperformance das Interesse auf sich. Auch Lesungen verschiedener Autoren und ausstellender Künstler lockten immer wieder ihr Publikum an. Viel Anklang fand die Stellvertreter-Lesung, bei der der Musiker Oliver Wessel Passagen aus dem letzten Buch des erkrankten Jörg Nießen vorlas. Am Sonntag war auch die Nachwuchsautorin Valerie Schippers aus Doveren zu hören.

Die Schülerin überzeugte mit ihren Gedichten im Stile des Poetry Slam. Musikalisch sorgten die Hardrocker von Heiermann Hunters mit einem Akustikset. Erstmals dabei waren die Alternative Rocker von Blackonda. Den musikalischen Schlusspunkt setzten auch in diesem Jahr wieder die Djembefreunde mit ihren Percussions.

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