Sinfonisches Blasorchester: Auf der Suche nach dem, was nicht in der Partitur steht

Sinfonisches Blasorchester : Auf der Suche nach dem, was nicht in der Partitur steht

„Noah's Ark“ ist ein Werk für Blasorchester des belgischen, zeitgenössischen Komponisten Bert Appermont. Das sinfonische Blasorchester des Orchestervereins Kreis Heinsberg, West-Harmony, wird das Stück zur Geschichte der Arche Noah am Sonntag, 19. Mai, ab 17 Uhr in der Realschule Heinsberg im Rahmen des Konzertprogramms „Sinfonische Metamorphosen“ aufführen.

Am Programm werden neben der West-Harmony mit dem Klarinettenensemble und dem Flötenensemble Seitenwind zwei weitere Ensembles des noch jungen Orchestervereins Kreis Heinsberg beteiligt sein.

Die letzte Probe der West-Harmony fand am vergangen Sonntag in der Mensa der Gesamtschule in Gangelt statt. Der Bonner Dirigent Martin Kirchharz leitete diese Probe. Er hatte die West-Harmony im Herbst 2009 mit aus der Taufe gehoben und dieses außergewöhnliche Orchester in zehn Jahren zu dem gemacht, was es heute ist. Von Beginn an hatten sich in der West-Harmony Musiker zusammen gefunden, die über die Arbeit in ihren Vereinen hinaus mehr wollten.

Dieses „Mehr“ zu umschreiben, ist gar nicht so einfach. Bei der Orchesterprobe wird aber schnell hör- und fühlbar, worum es geht. Im zweiten Teil von Noahs Arche hat der Komponist Bert Appermont, nachdem Noah die Botschaft von der bevorstehenden Sintflut erhalten hatte, die Parade der Tiere auf die Arche musikalisch gestaltet. Seine Vorstellung, wie die Parade der Tiere auf die Arche in Musik zu fassen sei, hatte Bert Appermont, wie Komponisten zu tun pflegen, in seinem 2004 verfassten Notenwerk formuliert.

Die Partitur dürfte bei der letzten Probe vor dem Konzert allen Musikern geläufig gewesen sein. Ihr Instrument beherrschen sie. Nun ging es um das, was nicht in der Partitur steht. Martin Kirchharz meint, bei diesem Konzertprogramm habe man den Schwierigkeitsgrad ein wenig zurückgeschraubt, zugunsten der Tiefe. Martin Kirchharz: „Was in den Noten steht ist das Eine.“ Die Tiefe entstehe, wenn es gelinge, aus der Partitur das herauszuholen, was nicht in den Noten steht.

Die Atmosphäre bei der letzten Orchesterprobe in der Mensa ist entspannt und konzentriert zugleich. Kirchharz führt mit leichter Hand hinauf zur Tiefe und weiß genau, wo er diese findet. Eines der Saxophone gefällt ihm noch nicht so recht. Die Phrasierung beim Einzug der Tiere stellt er sich etwas anders vor als seine Musiker. „Von jedem Tier nur zwei, da haben wir keine Eile, “ meint Kirchharz und hebt zwei Finger in die Höhe.

In der Probenpause erklärt der Dirigent: „Würde ich weniger fordern, würden die gar nicht mehr kommen.“ Da den Dirigenten auch Humor auszeichnet, darf man ihm auch mal etwas zu nahe treten mit der Frage: „Ist die West-Harmony das beste Orchester in der Region?“ „Darauf würde ich niemals antworten“, sagt Kirchhartz und setzt sein Pokerface auf. Dass die West-Harmony aber Orchestermusiker im Spitzensegment fördert, gibt er gerne zu. Rund 60 Musiker spielen im Orchester. Sie kommen aus den Kreisen Heinsberg, Düren und Viersen, der Städteregion Aachen, der Eifel, aus den Niederlanden und Belgien. Neben der West-Harmony sind die meisten Musiker auch in örtlichen Musikvereinen aktiv. Seit Herbst 2018 spielt die West-Harmony unter dem Dach des neu gegründeten Orchestervereins Kreis Heinsberg.

Rebecca van Koert aus Heinsberg hatte die West-Harmony im Sommer 2009 mit gegründet und ist heute die erste Vorsitzende des Orchestervereins. Da der damalige Volksmusikerbund 2009 kein eigenes Orchester hatte und der West-Harmony ein institutionelles Dach fehlte, hatte man sich zusammengeschlossen. Im Herbst 2018 entschied sich das Orchester dann dafür, eine eigene Organisationsstruktur aufzubauen, um die Pläne der Musiker für die Zukunft gezielter umsetzen zu können, als es unter dem Dach des Kreismusikverbands (ehemals Volksmusikerbund) möglich schien.

Neben Rebecca van Koert als Vorsitzender des neuen Orchestervereins Kreis Heinsberg gehören dem Vorstand Marita Pastwa als Geschäftsführerin und Anja Weidner als Kassiererin an. Darüber hinaus gibt es Ressorts zur Bewältigung der Vereinsaufgaben. Ziel des Orchestervereins ist es die musikalische Kultur im Kreis Heinsberg durch eine Vielzahl von Ensembles zu fördern.

Beim Konzert am kommenden Sonntag werden neben der West-Harmony, die sich nach wie vor originalen Kompositionen für sinfonische Blasorchester widmet, das Flötenensemble Seitenwind und das neu entstandene Klarinettenensemble auftreten. Das Thema „Helden“ durchzieht die von den Musikern der West-Harmony ihrem Dirigenten vorgeschlagene Stückeauswahl. Der „Superman March" von John Williams und ein Medley der „Helden der Pop-Musik“ Earth Wind and Fire wird gespielt. Seitenwind führt unter anderem den Einzug der Königin von Saba von Georg Friedrich Händel auf und das Klarinettenensemble Harold Arlens „Somewhere over the Rainbow“.

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