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Erkelenz-Hetzerath: Archäologen erkunden Haus Hohenbusch

Erkelenz-Hetzerath : Archäologen erkunden Haus Hohenbusch

Der Geschichte Hohenbuschs wird seit Montag professionell auf den Grund gegangen. Bis Freitag untersucht ein Team des Archäologischen Instituts der Uni Köln den Boden rund um das alte Herrenhaus, das vermutlich einmal mittels eines Kreuzganges mit der Kapelle verbunden war, die nachweislich im heutigen Park stand und an die ein Metallkreuz erinnert.

Das Metall vor dem Herrenhaus macht den Archäologen das Untersuchen genauso schwer wie die Hinterlassenschaften der Festivalbesucher hinter dem Haus. Denn hinterlassene Heringe auf dem Zelt- oder Festivalgelände erschweren die magnetische Untersuchungsmethode des Bodens. Sie ist eine der drei Vorgehensweisen, mit denen Manuela Broisch und ihr Team aus Studenten und Mitarbeitern der Uni den Geheimnissen im Boden unter Hohenbusch nachspüren.

Manuela Broisch (Uni Köln) im Gespräch mit Frank Körfer (Förderverein), Hochbauamtsleiter Martin Fauck und Gerd Helfer. Foto: Helmut Wichlatz

Bei der Geo-Elektrik werden zweidimensionale Daten mittels Sonden an einem Balken gesammelt. Sie geben Auskunft über Mauerreste im Boden. Schweißtreibend ist das sogenannte Prospektieren mit dem Geo-Radar. Dafür wird eine kleine Karre mit dem Radarmessgerät über ein abgestecktes Feld gezogen. So werden dreidimensionale Schichtbilder angefertigt, die bis zu drei Meter tief in das Erdreich schauen und am Computer eine exakte dreidimensionale Darstellung ermöglichen.

Bisheriger Fund: ein Eisenrohr. Vor dem Herrenhaus werden mehr brauchbare Bodenfunde vermutet, betont Frank Körfer vom Förderverein Hohenbusch. Er steht für eine Neuausrichtung in der Vereinsarbeit und wird heute Abend auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung voraussichtlich zum Nachfolger von Vereinsgründer Heinz Küppers gewählt. Bislang habe der Fokus der Arbeit auf dem Erhalt und dem Aufbau Hohenbuschs gelegen, betont er. Nun sei es an der Zeit, die Geschichte zu erforschen und Erkenntnisse zu sammeln.

Körfer erhofft sich natürlich neue Erkenntnisse über die Baugeschichte Hohenbuschs. „Bislang haben wir nur von den Vorgängern abgeschrieben“, erklärt er. „Nun wollen wir Fakten schaffen.“ In den Überlieferungen sei auch die Rede von einer „Gruft unter alten Bäumen“, deren Position jedoch nicht genauer beschrieben ist. „Das macht die Sache noch ein bisschen spannender“, erklärt er.

Eine Meldung aus dem vorderen Bereich vor dem Herrenhaus macht neugierig. „Wir haben Hinweise auf eine Kammer oder ein Gebäudefundament“, erläutert Broisch und zeigt die entsprechenden Bilder auf ihrem Laptop. Für den ungeübten Betrachter erschließt sich die Freude nicht. Zu sehen sind dunklere und hellere Flächen und zwei rechtwinklige Flächen. „Die Natur kennt keine rechten Winkel“, betont Broisch und gibt Körfer damit Recht: Es wird spannend.

Ergebnispräsentation am Freitag

Ermöglicht wird die Untersuchung durch Vermittlung von Dr. Dorothee Heinzelmann vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), deren Gatte Michael Heinzelmann an der Kölner Uni als Professor lehrt. Die Kosten für die einwöchige Intensivuntersuchung teilen sich der Förderverein und die Stadt. Denn dort war Hochbauamtsleiter Martin Fauck sofort begeistert, als Körfer mit der Idee zu ihm kam. „Die Arbeiten werden uns neue Erkenntnisse bringen“, sagte Fauck. Der Fund der Reste eines gotischen Spitzbogens unter dem Putz im Flur des Herrenhauses brachte weiteren Schwung in die Sache.

Die bislang einzige halbwegs glaubwürdige Darstellung stammt aus dem Jahr 1803 von den französischen Geograf Jean Joseph Tranchot. Demnach habe hinter dem Herrenhaus ein Gebäude gestanden, betonte Körfer mit Verweis auf Gerd Helfer, der sich eingehend mit den Kartenwerken befasst hat. „Über das, was hier vor 1803 stand, konnten wir bisher nur Vermutungen anstellen“, so Helfer. Umso gespannter sei man nun auf die erste öffentliche Präsentation der Untersuchungsergebnisse am Freitag. Von 12 bis 14 Uhr ist jeder eingeladen, sich über die Ergebnisse zu informieren.