Anna Soßdorf referiert zum richtigen Umgang mit Medien

Leselernhelfer : Medien als „das Fenster zur Welt“

Moderne Medien gehören auch für Kinder heute schon zum Alltag dazu. Aber auf das richtige Maß und den richtigen Umgang damit kommt es an. Das machte die Medienwissenschaftlerin Dr. Anna Soßdorf den Besuchern klar, die auf Einladung des Vereins Mentor – Die Leselernhelfer Kreis Heinsberg ins Haus Lennartz nach Heinsberg gekommen waren.

„Als dem Bücherwurm das Papier ausging“ hatte die Medienwissenschaftlerin ihren Vortrag überschrieben, zu dem sie der Vereinsvorsitzende Peter Kaiser begrüßte. „Kinder wollen Medien nutzen“, erklärte Soßdorf. Sie seien für sie das „Fenster zur Welt“. Junge Menschen würden darin ihren Medienhelden folgen und spielend lernen. Zugleich seien sie aber auch eine passive Freizeitbeschäftigung mit künstlichen Mediendarstellungen, die ein verzerrtes Bild der Realität bieten würden. Hinzu kämen verlockende Werbeverheißungen. „Wir müssen uns beider Seiten bewusst sein“, betonte die Referentin. Wichtig sei daher für Erwachsene, auch selbst ganz bewusst damit umzugehen und die Kinder in ihrer Nutzung von Medien zu begleiten.

Nach einem interessanten Blick in unterschiedliche Statistiken zur Mediennutzung ging Soßdorf darauf ein, wie Kinder in ihrem jeweiligen Alter mediale Inhalte verarbeiten können. So seien für Kinder im Alter bis 2 Jahre allein Hör- oder Bilderbücher geeignet. Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren müssten durch elterliche Begleitung erst lernen, die Wirklichkeit von der Fernsehwelt zu unterscheiden. Wichtig für sie seien gradlinige, einfache Geschichten mit positiver Botschaft.

Eigene Geräte erst ab 10 Jahren

Für Grundschulkinder (6 bis 9 Jahre) seien Wissenssendungen und Abenteuer im Fernsehen geeignet. Eigene Geräte wie Fernseher, Smartphone und PC empfahl sie erst für Kinder im Alter ab 10 Jahren.

„Kinder verknüpfen Medieninhalte mit ihrem Alltag“, betonte Soßdorf. Daher sei es für Eltern und Pädagogen wichtig, sich in die Kinder hineinzuversetzen. „Bleiben Sie da am Ball, bleiben Sie im Gespräch!“, lautete Ihr Appell. Wichtig sei, dass alles Medienhandeln, das im Alltag dazu gehöre, ausgewogen bleibe. Eltern sollten daher für Kinder Alternativen zur Mediennutzung schaffen, etwa durch gemeinsame spannende Unternehmungen. Als Beispiel nannte sie Geocaching.

Wie viel Medienkonsum bei Kindern ist in Ordnung - und wann wird es zuviel. Tipps dazu lieferte Anna Soßdorf bei ihrem Vortrag beim Verein Mentor. Foto: Nicola Gottfroh

Wichtig sei, bei der Nutzung von Medien immer auf die Altersangaben zu achten, so ihr Rat. Was Werbung in Medien betreffe, gehöre auch sie zum Leben dazu. Wichtig sei hier, Vorbild zu sein, sich selbst nicht von Werbung leiten zu lassen und den Kindern dabei zu helfen, zwischen Werbung und Programm trennen zu können.

Zeitlich beschränken

Zeitlich sollten Kinder Medien mit Bildschirm bis zum Alter von 2 Jahren gar nicht oder nur wenig nutzen, Kinder bis 5 Jahre bis zu einer halben Stunde pro Tag, Kinder von 6-9 Jahren bis zu einer Stunde pro Tag und Kinder ab 10 Jahren rund 9 Stunden pro Woche. Dies sei dann aber auch abhängig von den Inhalten und Gründen für die Nutzung.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, gemeinsam Regeln zu vereinbaren. Sehr nützlich seien dabei Medienkarten, etwa ausgestellt für je 30 Minuten Nutzung von Medien oder konkret für Fernsehen und Internet, die an die Kinder ausgegeben und von ihnen dann individuell genutzt werden könnten. Generell riet Soßdorf dazu, auf Medien im Kinderzimmer grundsätzlich zu verzichten. Besser sollten Eltern „gemeinsame Familien-Medienzeiten“ schaffen.

Weiterhin ging Soßdorf in ihrem Vortrag auf Kinderbuch-Apps fürs Smartphone ein. Sie könnten das Vorlesen aus dem Buch nicht ersetzen, es aber ergänzen, erklärte sie. Gut geeignet seien Apps für unterwegs und würden auch Väter verstärkt fürs Vorlesen gewinnen. Apps böten vielfältige Möglichkeiten, etwa auch die eigene Stimme aufzunehmen. Sie enthielten für unterschiedliche Altersgruppen Quiz- und Lernteile oder spielerische Elemente.

Sie präsentierte ihren Zuhörern zahlreiche Beispiele, die diese mit ihr zusammen auf ihren eigenen Smartphones auch gleich ausprobieren konnten.