Heinsberg: An den Rand gedrängt: Marktbeschicker beklagen hohe Verluste

Heinsberg : An den Rand gedrängt: Marktbeschicker beklagen hohe Verluste

Zwei Obst- und Gemüsehändler sind sauer, der Blumenhändler ist es auch. Die Marktbeschicker für den Heinsberger Wochenmarkt sehen sich derzeit von einer steigenden Zahl von sogenannten Events in der Heinsberger Innenstadt von ihrem angestammten Platz auf dem Marktplatz vertrieben und regelrecht an den Rand gedrängt.

Wie in der vergangenen Woche sind die Markthändler zum Beispiel auch in dieser und in der kommenden Woche noch auf dem großen Parkplatz an der Ostpromenade zu finden.

Dem Wochenmarkt einen dauerhaften Platz auf dem Rathausvorplatz zu geben, lautete vor drei Jahren der Plan der Stadt. Aber dort wollten die Marktbeschicker wegen fehlender Parkplätze und ebenso fehlender Laufkundschaft nicht bleiben. Fotos (2): Anna Petra Thomas. Foto: Anna Petra Thomas

„Und hier sollten wir auch in die hinterste Ecke“, erklärt Guido Krings, einer der Obst- und Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt. Nach Gesprächen mit der Stadt könne man die Stände nun zumindest direkt an der fußläufigen Verbindung zur Innenstadt aufbauen. Doch wie schon vor drei Jahren bei der Verlegung auf den Rathausplatz beklagen die Händler auch hier fehlende Umsätze. Die Laufkundschaft, die bei ihrem Besuch in der Innenstadt automatisch auf den Marktplatz und damit auf den Wochenmarkt finde, gehe am Ausweichplatz verloren. Krings und sein Kollege Johannes Bähr sprechen von 20 Prozent, Blumenhändler Thomas Alves gar von 30 Prozent.

Thomas Alves, Guido Krings und Johannes Bähr (von links) sind überhaupt nicht begeistert davon, dass der Heinsberger Wochenmarkt in diesem Jahr gleich 18 Mal verlegt wird. Foto: Anna Petra Thomas

Eigentlich sei sogar geplant worden, den Markt in dieser Woche wieder auf den Marktplatz zurückkehren zu lassen und eine Woche später wieder auf denselben Parkplatz zu verlegen. „Aber da haben wir nicht mitgemacht“, sagt Krings. Dann wisse ja kein Kunde mehr, wo der Wochenmarkt nun gerade zu finden sei.

18 Mal würden sie in diesem Jahr insgesamt vom Marktplatz vertrieben, hat Krings ausgerechnet. So oft passiere das in keiner anderen Stadt, wo er seinen Stand aufbaue, erklärt er und berichtet zum Beispiel von nur sieben Verlegungen in Hückelhoven. „Warum kann denn ein Event nicht auch woanders stattfinden?“, fragt er und denkt dabei etwa laut über das Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer nach. „Was bringt das der Stadt?“, so die nächste Frage. Krings meint, dass diese Veranstaltung genauso gut auf dem Burgberg hätte stattfinden können. „Uns hat das fünf Mal unseren angestammten Platz gekostet. Wir sprechen hier auch im Namen unserer Kunden“, so Krings weiter.

Im Vergleich mit dem Rathausplatz habe der neue Platz zwar den Vorteil besserer Parkmöglichkeiten für die Kunden. „Mehr noch wäre aber Kontinuität für unsere Kunden wichtig. Ein verärgerter Kunde ist kein guter Kunde.“ Bähr hat dazu einen ganz konkreten Wunsch noch für dieses Jahr. Er regt die Überlegung an, den Wochenmarkt direkt an den Weihnachtsmarkt anzubinden, etwa über eine Sperrung in der Poststraße.

Die Stadt setze die Wünsche des Gewerbe- und Verkehrsvereins quasi immer automatisch um, beklagen die Marktbeschicker unisono. Dabei bräuchten doch auch sie an einem Freitag zwischen 500 und 800 Kunden in die Stadtn, die ja dann nicht nur bei ihnen einkaufen würden. Wenn sich die Entwicklung jedoch insgesamt gesehen so weiter fortsetze, würden die Wochenmärkte sterben, befürchtet Krings. „Und dabei haben sie eine so lange Tradition!“

Gerti Buchkremer, die gerade am Blumenstand eingekauft hat, verteidigt die Position der Marktbeschicker. „Wenn immer dieselben Händler am selben Ort stehen, dann fühlt man sich schon mehr zu Hause“, sagt sie. „Ich weiß Bescheid“, gibt sich Friedhelm Busch dagegen immer informiert über den aktuellen Standort des Wochenmarktes. „Aber viel Laufkundschaft geht verloren“, räumt auch er ein.

Jakob Gerards, Erster Beigeordneter der Stadt, will die Klagen der Markthändler so nicht stehen lassen. Vor drei Jahren, bei der Verlegung der Eisbahn vom Rathaus- auf den Marktplatz und der umgekehrten Verlegung des Wochenmarktes auf den Rathausplatz habe man versucht, den Wochenmarkt auf dem Rathausplatz dauerhaft zu installieren, sogar mit einer eigenen Plakatwerbung. Aber dieser Platz sei von den Marktbeschickern nicht angenommen worden. Es gehe ganz sicher nicht darum, den Wochenmarkt aus der Innenstadt zu vertreiben. „Wer aber auf dem Marktplatz bleiben will, der muss ausweichen, wenn hier was los ist“, bringt es Gerards auf den Punkt.

Der Wunsch, die Innenstadt zu beleben und die wirtschaftlichen Interessen der Marktbeschicker stünden da eben manchmal gegeneinander, erklärt Rüdiger Strübig, der Geschäftsführer des Gewerbe- und Verkehrsvereins (G&V). Sein Vorschlag an die Marktbeschicker lautet, als Gemeinschaft einen Sprecher zu wählen, Mitglied zu werden im G&V und so ein Sprachrohr zu haben für die eigenen Wünsche und für Bedenken gegen geplante Vorhaben des G&V. „Natürlich wollen wir einen lukrativen Wochenmarkt in der Innenstadt nicht verlieren“, betont er.