Ameisenbläuling bedient sich einer List

Neuansiedlung des Ameisenbläulings : Ein Schmetterling lässt seine Raupen von Ameisen aufziehen

Wenn vom Aussterben bedrohter Tierarten die Rede ist, geht der Blick meist direkt zu tropischen Gefilden. Es gibt aber auch in unserer Region, quasi direkt vor unserer Haustür Tiere gibt, deren Existenz gefährdet ist.

Das wurde beim zweiten Workshop eines grenzüberschreitenden Interreg-Projekts namens „Netzwerk Natur – Beispiel Ameisenbläuling“ im niederländischen Sint Odilienberg deutlich.

Speziell ging es dabei um den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, in den Niederlanden „pimpernelblauwtje“ genannt, der diesseits und jenseits der Grenze nur noch an der Wurm bei Kempen und im niederländischen Posterholt vorkommt. Vom Weiher in Ophoven scheint diese seltene Tierart inzwischen verschwunden, zumindest wird sie auch von den Naturfreunden des Arbeitskreises Auenherz, die an dem Workshop teilnahmen, dort nicht mehr gesichtet.

Weitere Teilnehmer von deutscher Seite kamen aus der Naturschutzstation Haus Wildenrath, vom Wasserverband Eifel-Rur und von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Heinsberg. Niederländische Teilnehmer waren vom Forschungslabor B-Ware aus Nijmegen, dem Initiator des Projekts, von De Vlinderstichting aus Wageningen, die sich für den Schutz von Schmetterlingen einsetzt, und von der Provinz Limburg angereist.

Hier an der Wurm bei Kempen kommt der vom Aussterben bedrohte Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling noch vor. Foto: Anna Petra Thomas

Nach der Begrüßung durch Jan Smits, Beigeordneter der Gemeinde Roerdalen, erklärte Eva Remke von B-Ware die Zielsetzung des Projekts. Wichtig sei es, ein grenzüberschreitendes Netzwerk auf- und auszubauen sowie Wissen auszutauschen, um durch eine Verbindung der Populationen beidseitig der Grenze diese seltene Tierart langfristig zu erhalten, erklärte sie.

Irma Wynhoff von De Vlinderstichting stellte den Lebenszyklus des Schmetterlings vor, der eine Flügelspannweite von 28 bis 33 Millimetern erreicht. Die Flügeloberseiten sind bei den Weibchen einfarbig dunkelbraun, bei Männchen dunkelblau beschuppt mit breitem, schwarzgrauem Rand. Daneben sind bei den Männchen auf den Vorderflügeloberseiten schwarze Punkte erkennbar.

Experten beim Interreg-Workshop waren Lars Delling, Jan Boeren, Alexander Terstegge, Eva Remke und Irma Wynhoff (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an die noch nicht aufgeblühten Knospen des Großen Wiesenknopfs. Die Raupen lassen sich dann auf den Boden fallen und warten, bis die Rote Knopfameise sie in ihren Bau trägt. Die Raupen sind in der Lage, den Geruch der Ameisen zu imitieren. So werden sie von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung räuberisch von deren Eiern und Larven ernähren. Sie überwintern im Ameisenbau und verpuppen sich auch dort im Frühjahr. Nach dem Schlüpfen verlässt der Schmetterling das Ameisennest, da seine Tarnung nicht mehr funktioniert.

Aus der Schilderung dieser ökologischen Zusammenhänge wurde deutlich, dass es bei allen Anstrengungen für den Schutz dieses Schmetterlings auf den Erhalt eines kompletten natürlichen Kreislaufs ankommt. Lars Delling von der Unteren Naturschutzbehörde fand in diesem Zusammenhang großes Lob für die Arbeit des Wasserverbands Eifel-Rur, der bei seinen Mäharbeiten und der Gehölzpflege die Anforderungen des Ökosystems berücksichtige. „Super, dass dies so schnell funktioniert hat!“, betonte er.

Jans Smits, Beigeordneter der Gemeinde Roerdalen (rechts), begrüßte die Teilnehmer im Rathaus in Sint Odiliёnberg. Foto: Anna Petra Thomas

Als „Herausforderung“ bezeichnete es Delling unter anderem jedoch, dass am Flussufer immer wieder illegal gemäht werde, vermutlich zur Tierfuttergewinnung. Wichtig sei jedoch, dass vom 15. Juni bis zum 15. September nicht gemäht und auch nie die gesamte Fläche gemäht werde, mahnte Irma Wynhoff an.

Wie Alexander Terstegge von der Naturschutzstation sprach auch Delling Möglichkeiten an, die beiden Populationen in Kempen und Posterholt zu verbinden. Da die Entfernung der beiden Gebiete dazu derzeit noch zu groß ist, sollen als sogenannte Trittsteine jetzt weitere Populationen angesiedelt und dazu die notwendigen Ökosysteme geschaffen werden.

Diesseits und jenseits der Grenze wurden dazu zahlreiche Bodenuntersuchungen durchgeführt, wie Jan Boeren von der Provinz Limburg und Eva Remke von B-Ware erläuterten. Demnach gibt es auch auf deutscher Seite an der Rur zwischen Ophoven und Kempen sowie zwischen Kirchhoven und Karken im Bereich Werlo Möglichkeiten, diese seltene Schmetterlingsart wieder anzusiedeln.

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