Chance für Umsiedlungsorte? : Am Hambacher Forst geht es auch um Garzweiler II. Aufruf zu Protesten.

Chance für Umsiedlungsorte? : Am Hambacher Forst geht es auch um Garzweiler II. Aufruf zu Protesten.

Der Hambacher Forst ist in den vergangenen Wochen zum Schauplatz massenhaften zivilgesellschaftlichen Protests gegen den Braunkohleabbau geworden. Vor diesem Hintergrund ruft der Klimatisch Erkelenz dazu auf, sich an den Protesten gegen RWE und die Energiepolitik von Land und Bund zu beteiligen.

Tenor: „Am Hambacher Wald entscheidet sich auch Garzweiler II“. Was sich aktuell im Hambacher Forst und auf Bundesebene in der Energiepolitik abspielt, bezeichnet Andreas Schuflitz vom Erkelenzer Klimatisch als ein Fenster, das sich ein Stück weit geöffnet hat. Die Erkelenzer leben seit vielen Jahren mit dem Tagebau. Man weiß, welche Dörfer noch weichen sollen und welche verschont bleiben. Das stand lange unverrückbar fest. Doch nun sagt Schuflitz: „Das muss alles nicht so kommen.“

Große Demonstration am Samstag, 6. Oktober, geplant: Der Erkelenzer Klimatisch ruft zur Teilnahme auf. Foto: dpa

Im Klartext heißt das: Die Mitglieder des Klimatisches gehen davon aus, dass der Tagebau Garzweiler nicht so weit wie geplant ausgedehnt werden muss. Er könnte, wie seit langem von Umweltverbänden gefordert, an der alten A61 Halt machen. Das würde die Dörfer, die aktuell im Umsiedlungsprozess stecken, doch noch retten.

Das, so die Argumentation, sei möglich, weil die Demonstrationen am Hambacher Forst dem Anti-Kohle-Protest eine so große Aufmerksamkeit und so starken gesellschaftlichen Rückhalt verschaffen, dass ein schneller Braunkohleausstieg plötzlich wieder denkbar wird. „Wer hätte gedacht, dass plötzlich die Wende und die Wiedervereinigung da sind“, zieht Schuflitz einen Vergleich. „Was vor einigen Wochen noch unerreichbar erschien, scheint jetzt möglich zu sein“, sagt Schuflitz mit Blick auf Erkelenz. „Wir sehen die Chance, die Braunkohle zu stoppen.“

Da die Umsiedlungen schon längst im Gange, die ersten Häuser an den neuen Standorten von Keyenberg, Kuckum und Co. schon bewohnt sind, wäre das ein Schnitt, der die Dorfgemeinschaften vor große Herausforderungen stellen würde. „Wir haben die Hoffnung für Berverath, Keyenberg und die anderen Orte, dass funktionierende Dorfgemeinschaften das, was noch da ist, erhalten und zum Blühen bringen“, sagt Schuflitz. Das sei jedoch nur ein Aspekt. Ralf Bußberg ergänzt: „Man muss das auch mal global betrachten. Das Wichtigste ist, dass sie Kohle unter der Erde bleibt.“

Ein Symbol

Der Kampf um den Hambacher Forst könne, so hoffen die Mitglieder des Klimatisches, die Kohlekommission zu einem schnellen Ausstiegsszenario drängen. Dann seien die Pariser Klimaziele noch in Reichweite, das belege unter anderem eine DIW-Studie. „Jeder Umbruch braucht ein Symbol“, sagt Schuflitz. Er fragt sich jedoch auch, wie viele Symbole noch nötig seien, bis ein Umdenken in der Energiepolitik stattfindet: „Der Hambacher Wald ist ein Symbol, der Immerather Dom war ein Symbol.

Vielleicht sind demnächst die Immerather Windmühle und die Kirche von Keyenberg Symbole“, sagt er. Die Frage sei nur, wofür sie symbolisch stehen: Für „die Ausbeutung ganzer Landstriche zugunsten einer überholten Form der Energiegewinnung“ oder für „eine Wende“. Klar sei jedenfalls: „Es geht jetzt nicht mehr kampflos weiter“, sagt Monika Ragazzi. Das sei von vielen Aktivisten und Demonstranten zu hören.

Zu viel Zeit lassen dürfe man sich jedoch nicht, sagt Schuflitz. Die Chance, die sich jetzt biete, sei irgendwann verstrichen. „Dann ist das Fenster wieder zu.“

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