Wegberg: Alternativen für Schulbibliothek gesucht

Wegberg : Alternativen für Schulbibliothek gesucht

Es mutet an wie die biblische Herbergssuche. Egal, an welche Tür Politik und/oder Verwaltung klopfen, um dem Haushaltssicherungskonzept geschuldete Einsparungen umzusetzen, stets ertönt von drinnen ein entschlossenes „Hier nicht!“

„Hier nicht“ — ertönt es jetzt aus der Schulbibliothek des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums. Mit 65.115 Euro (davon 61.115 Euro Personalkosten) schlägt sie 2015 im Wegberger Haushalt zu Buche. 200 Bücher wurden ausgeliehen, rein rechnerisch wird jede Buchausleihe mit 325,68 Euro bezuschusst. Die FDP-Fraktion schlug vor, nach neuen Betreibermodellen (Schülergenossenschaften, Schülerselbstverwaltung, Elterninitiative) zu suchen, um die Personalkosten deutlich zu reduzieren.

Die Verwaltung verwies auf Nachbarkommunen, in denen ebenfalls städtische Mitarbeiter den Bibliotheksbetrieb übernehmen. Als die Bibliothek 2014 nicht besetzt gewesen sei, habe es erhebliche Elternproteste gegeben. Zur ehrenamtlichen Mitarbeit habe man die Eltern jedoch nicht bewegen können. Zudem hätten die Mitarbeiter der Bibliothek über die Buchausleihe hinaus weitere Aufgaben, etwa die Überwachung des elektronischen Selbstlern- und Rechenzentrums mit 30 PC.

In hohem Maße werde von Schülern, die zu Hause keinen Internetzugang besitzen, die Möglichkeit genutzt, außerhalb der Schulzeiten und in Pausen Projekte vorzubereiten und Recherchen anzustellen. Die Verwaltung schlug deshalb vor, die Schulbibliothek in der bisherigen Form weiterzuführen.

„Attraktiver Standortvorteil“

Im Ausschuss für Bildung, Kultur, Soziales und Sport am 24. Mai hatte die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums, Maj Kuchenbecker, erläutert, dass eine Schülerverwaltung wegen Schülerfluktuation und Zeitmangels schwierig sei. Außerdem würden Lehrer des Gymnasiums dort ehrenamtlich Deutschkurse für Flüchtlinge anbieten.

Dem Ausschussvorsitzenden wurden zudem zwei Protestschreiben gegen die Schließung der Bibliothek überreicht. Für die SPD-Fraktion sprach sich Dr. Monika Broy eindeutig für den Erhalt des „attraktiven Standortvorteils“ aus, wollte das Angebot von derzeit 10.000 Medien sogar noch ausweiten.

Eine Schließung stehe nicht zur Diskussion, betonten die Fraktionschefs Christoph Böhm (FDP) und Georg Gellissen (CDU) nachdrücklich, die Notwendigkeit einer Bibliothek stehe außer Frage. Es gehe darum, kostengünstigere Alternativen zum Betrieb zu finden.

Auf Anregung der CDU-Fraktion sollen dabei auch Fernleihe, Nutzung der Online-Leihe, eine verkleinerte Bibliothek, die Nutzung der Räumlichkeiten für den Schulbetrieb und der Einsatz des derzeitigen Personals in der Kernverwaltung beleuchtet werden.

Im Fachausschuss fand dieser Vorschlag eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Diesem Vorschlag schloss sich der Rat in seiner jüngsten Sitzung an. Dagegen votierte die SPD mit elf Stimmen.

Jetzt ist die Verwaltung wieder am Zug.

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