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Ballett-Studio Schwanensee: Alice versetzt das Publikum in der Tat in ein Wunderland

Ballett-Studio Schwanensee : Alice versetzt das Publikum in der Tat in ein Wunderland

Die Aufführung des Ballett-Studios Schwanensee in der Hückelhovener Aula belegt eindrucksvoll, dass Weltliteratur auch in der Provinz kunstvoll umgesetzt werden kann. Das Publikum ist begeistert.

 Wenn eine Geschichte auch 150 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung noch die Menschen, ob groß oder klein, fasziniert, dann muss ihr wohl ein Zauber innewohnen. „Alice im Wunderland“ heißt das Kinderbuch aus der Feder von Lewis Caroll, das nicht nur zu einem Klassiker der Weltliteratur wurde, sondern auch auf der Bühne oder im Filmsaal große Erfolge feierte. An diese Erfolgsgeschichte knüpfte nun  das Ballett-Studio Schwanensee aus Schwanenberg an mit vier gefeierten Aufführungen in der Aula Hückelhoven.

Es war ein langer und nicht immer einfacher Weg zum Erfolg, denn Corona hatte die Premiere immer wieder verschoben. Bereits vor drei Jahren nahm Studioleiterin Angela Kus, Ballett-Pädagogin der Royal Academy of Dance und ehemalige Profi-Tänzerin, gemeinsam mit ihren Mitstreitern das Projekt in Angriff. 2006 hatte das 2003 gegründete Ballett-Studio zwar schon einmal „Alice im Wunderland“ aufgeführt, doch dieses Mal sollte es eine modernisierte Neuauflage werden, die sich an Christopher Wheeldons Inszenierung für das Covent Garden Royal Ballet und das National Ballet of Canada orientiert. Diese Inszenierung bietet tolle Bühneneffekte und einfallsreiche Choreografien.

 Die Darsteller überzeugten mit ausdrucksstarkem Spiel.
Die Darsteller überzeugten mit ausdrucksstarkem Spiel. Foto: Dettmar FIscher/Dettmar Fischer

Die Musik von Joby Talbots verbindet zeitgenössische Klangwelten mit schwungvollen Ballett-Melodien des 19. Jahrhunderts. Angela Kus mischte für ihre Inszenierung einige aktuelle Musiktitel mit ins Klangbild. Ihre Inszenierung bietet Schülerinnen und Schülern ihrer Ballett-Schule die Möglichkeit, ihr Können adäquat zu präsentieren.

240 Tänzerinnen und Tänzer waren unter einen Hut zu bringen. Jeder einzelne wartete sicherlich voller Lampenfieber auf seinen Auftritt, ob die Rolle nun klein oder groß war. Eine Herausforderung für die Organisatoren waren die tollen Kostüme, die auf der Bühne jedes Schauspielhauses gut angekommen wären. Auch die Leistungen der jugendlichen und erwachsenen Tänzerinnen und Tänzer erreichten professionelles Niveau. Den Kindern war die Freude am Tanzen auf der großen Bühne deutlich anzumerken.

Dass die Kostüme alle passten, war vielen fleißigen Händen zu verdanken, denn über die vielen Monate mit mehrfachem Verschieben der Premiere wegen der Pandemie waren die Darsteller dem ein oder anderen Kostüm entwachsen. Dass die Akteure, die aus der gesamten Region nach Schwanenberg in den Ballett-Saal kommen, so lange bei der Stange blieben, zeichnet die Schule aus.

Alice ist in der Neuinszenierung kein Kind mehr, sondern ein Teenager, der seine erste Liebe erlebt. Bei einer Gartenparty erlebt Alice, wie sich ihre Mutter in eine Spielkarte verwandelt. Aus dem  Gärtner wird ein Herzbube, der es auf Alices Herz abgesehen hat. Von der Königin der Herzen bis zum verrückten Hutmacher biete dieses Stück viele interessante Rollen, in denen die Darsteller glänzen konnten. Die Zeitebene zieht sich von der viktorianischen Epoche bis zur Gegenwart im Epilog. Mehr als zwei Stunden Musik und Tanz wurde den Zuschauern dargeboten. Ein Feuerwerk vieler toller Ideen wurde grandios umgesetzt.

Dass die Proben teilweise nicht stattfinden konnten und das viele Hindernisse den Aufführungen im Wege gestanden hatten, war für das Publikum an keiner Stelle zu spüren.  Angela Kus` Devise „Wir schaffen das trotzdem“ hatte bewiesen, das es nicht nur im Reich der Phantasie keine Grenzen gibt. Der begeisterte Schlussapplaus der Zuschauer war der wohlverdiente Lohn für die Akteure auf und hinter der Bühne.