Heinsberg: Aktion „Plant for the Planet“: Schüler pflanzen 100 Bäume

Heinsberg: Aktion „Plant for the Planet“: Schüler pflanzen 100 Bäume

„Also, ich bin der Josef.“ Ganz locker ging Josef Beiten vom Heinsberger Bauhof die Aktion an, für die sich mehr als 30 Schüler der Heinsberger Realschule schon früh aus dem Bett gequält hatten. Auf einem Anhänger stand er, zwischen 100 jungen Bäumen auf der einen und einer ganzen Ladung voller Spaten und Handschuhe auf der anderen Seite.

Er erklärte den jungen Leuten, um was es ihm geht bei der Aktion, die er für Heinsberg ins Leben gerufen hat. „Plant for the Planet“ heißt sie, was in Deutsch so viel heißt wie „Pflanzen für den Planeten“. Initiiert hat sie 2007 mit Felix Finkbeiner aus Pähl in Oberbayern ein gerade mal neun Jahre alter Schüler.

Einem Referat vor seiner Klasse über die Klimakrise gab er den Titel „Das Ende der Eisbären“. Inspiriert von der afrikanischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maaathai, die es geschafft hat, dass in Afrika in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt wurden, rüttelte er zunächst seine Mitschüler wach: „Lasst uns in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen!“, forderte er am Ende seines Vortrags.

Gemäht, vertikutiert, gefräst

Das blieb nicht ohne Wirkung. Weitere Schulen folgten seiner Idee, Prominente griffen sie auf und Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und Vorsitzender des United Nations Environment Programm (UNEP), übernahm die Schirmherrschaft. Die Schülerinitiative „Plant for the Planet“ wurde zu einer weltweiten Bewegung, die mit der Idee des Bauhofmitarbeiters Josef Beiten jetzt auch in Heinsberg mit den ersten 100 Bäumen ihren Standort hat.

Der Mitarbeiter des Bauhofs konnte auch den Beigeordneten Jakob Gerards schnell von der Idee begeistern. Eine Wiese gleich hinter der Realschule wurde als neues Aufforstungsgelände der Stadt ausgewählt, die Heinsberger Baumschule Plum spendete die ersten 100 Bäume, und schon konnte es losgehen. Josef Beiten und seine Kollegen Jan Thomassen, Berthold Heinen und Marcell Schäfer hatten alles für die jungen Baumpflanzer vorbereitet.

Auf rund 200 Quadratmetern den Hang hinauf hatten sie die Wiese gemäht, vertikutiert und darin etwa einen halben Meter breiten Streifen gefräst. Mit unterschiedlichen Farben hatten sie zudem die Standorte für die unterschiedlichen Baumarten gekennzeichnet.

Fünf unterschiedliche Arten hatten Beiten und seine Kollegen mitgebracht: Buche, Kirsche, Schlehe, Pfaffenhütchen und Weißdorn. Damit die jungen Bäume gut anwachsen, waren sie an ihren Wurzeln bereits mit einem Gel versehen worden. „Das ist ein Zaubermittel“, erklärte Josef den Schülern. „Das speichert Wasser.“ So könnten die Bäumchen schneller anwachsen und hätten auch noch genug Wasser, wenn es wärmer und trockener werde.

So ein Bäumchen koste zwischen 1,50 und 2,00 Euro, sagte Beiten. Dafür könne man vielleicht einfach mal auf eine Dose Cola verzichten. Und auch in puncto Müll rüttelte er die Schüler auf, hatten er und seine Kollegen doch vor der Pflanzaktion auf der relativ kleinen Fläche einen ganzen Berg an leeren Plastikflaschen und sogar Bauschutt zusammengetragen.

Emsig ans Werk gemacht

„Wenn wir in 50 Jahren hier mal graben, werden wir den blauen Sack und die Flaschen noch finden, die Blätter der Bäume aber nicht mehr“, erläuterte er den Schülern. „Die Natur braucht uns nicht. Aber wir brauchen die Natur!“ Der engagierte Bauhof-Mitarbeiter berichtete den Schülern dann auch von den leidigen Telefonaten, die er bei seiner täglichen Arbeit führen muss: Sobald die Bäume im Frühjahr wieder Blätter hätten, würden sich in 19 von 20 Telefonaten die Bürger über Bäume beschweren, die „Dreck machen“.

Das kam bei den Schülern an. In Zweiergruppen machten sie sich ans Werk: Loch graben, Bäumchen rein, Erde drumherum, das Bäumchen schütteln, damit sich die Erde auch gut um die Wurzeln legt, von der Seite mit dem Fuß gut festdrücken, nochmal Erde drumherum und damit einen Gießrand bilden, damit das Wasser nicht den Hang hinunterläuft, fertig.

Die Schüler machten sich alle emsig ans Werk und brauchten gerade mal eine gute halbe Stunde, um den Hang bis obenhin zu bepflanzen, genau nach einem Pflanzplan, den Frank Backwinkler aus dem Bauverwaltungs- und Planungsamt mitgebracht hatte.

Da waren auch die begleitenden Lehrer und natürlich Schulleiter Albert Zaunbrecher begeistert. „Das könnte man mal öfters machen!“, waren sich viele Schüler einig.

Aufmerksam lauschten sie anschließend Beiten, der ihnen noch von den Möglichkeiten einer Arbeitsstelle in seinem Berufsbild erzählte und ihnen auch die Weiterbildungsmöglichkeiten erläuterte. Während die Mitarbeiter des Bauhofs die jungen Bäume noch mit einem Verbissschutz gegen Wild ausstatteten und sie gut wässerten, konnten die Schüler dem Baumkletterer Ron Jansen aus den Niederlanden dabei zusehen, wie er — durch ein Seil gesichert — bis in die Krone eines alten, hohen Baumes kletterte, um dort mit Hilfe einer kleinen Motorsäge sogenanntes Totholz herauszuschneiden.