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Ältere Arbeitslose nicht aufs Abstellgleis schieben

Forderung : Ältere Arbeitslose nicht aufs Abstellgleis schieben

Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW fordert mehr Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, um Altersarmut vorzubeugen.

Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW fordert mehr Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, um das Potenzial älterer Arbeitsloser auszuschöpfen und Altersarmut vorzubeugen. Die Bevölkerung wird immer älter und es fehlen Fachkräfte. Daher werden auch ältere Arbeitnehmer dringend gebraucht. Doch wer sich mit 55 Jahren neu bewerben muss, findet nur schwer einen Job. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko des dauerhaften Hartz IV-Bezugs und damit der Altersarmut.

Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt, dass 75,3 Prozent der Hartz IV-Bezieher ab 55 Jahren in Heinsberg seit mindestens zwei Jahren Hartz IV-Leistungen erhalten. In der jüngeren Vergleichsgruppe unter 55 Jahren in Heinsberg sind dagegen 55,6 Prozent seit mindestens zwei Jahren auf diese staatliche Unterstützung angewiesen. 429 der Hartz IV-Bezieher in Heinsberg, die das 58. Lebensjahr vollendet haben, fehlen in der Statistik der Arbeitslosen komplett, da sie aufgrund einer Sonderregelung nicht mehr erfasst werden.

„Selbst in diesem Alter haben die allermeisten Menschen noch fast zehn Berufsjahre bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze vor sich. Es ist unwürdig, ihnen keine Chance mehr auf einen Job zu geben und erhöht zudem das Risiko der Altersarmut“, kritisiert die Geschäftsführerin des Paritätischen in Heinsberg, Kirstin Fuss. „Wir müssen alles daran setzen, ihnen so lange wie möglich den Zugang zu sinnstiftender, guter Arbeit offenzuhalten.“

Fehlende oder veraltete berufliche Qualifikationen, aber auch Vorbehalte von Arbeitgebern gelten als Hauptgründe für die Schwierigkeiten älterer Menschen bei der Jobsuche. Ältere Hartz IV-Bezieher ab 50 Jahren benötigen insbesondere Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung, zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Vermittlungshemmnisse müssen abgebaut werden.

„Es ist wichtig, dass spezifische Weiterbildungs- und Förderangebote für ältere Arbeitslose entwickelt und finanziert werden“, fordert Fuss. Zudem sei für die Beratung mehr Zeit nötig, was wiederum einen besseren Betreuungsschlüssel bei den Jobcentern erfordere.

Der Arbeitslosenreport zeigt aber auch, dass ältere Menschen häufiger in Arbeitsgelegenheiten oder in geförderten sozialversicherungspflichtigen Stellen beschäftigt sind (39,8 Prozent der Fördermaßnahmen). „Für ältere Langzeitarbeitslose, die große gesundheitliche Probleme oder besondere soziale Schwierigkeiten haben, ist ein solcher Arbeitsplatz oft die einzige realistische Chance, ihr Menschenrecht auf Arbeit zu verwirklichen“, erklärt Kirstin Fuss. „Deshalb freuen wir uns über den Ausbau öffentlich geförderter Arbeitsplätze mit Sozialversicherungspflicht und Arbeitsvertrag, den das Teilhabenchancengesetz ab Januar 2019 möglich machen wird.“

Die Freie Wohlfahrtspflege fordert, in besonderen Härtefällen den betroffenen Menschen auf Wunsch eine entfristete Fortsetzung ihrer öffentlich geförderten Beschäftigung bis zum Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze zu ermöglichen. „Ältere Menschen haben ein Recht darauf, eines Tages aus der Arbeit und nicht aus der Arbeitslosigkeit in Rente zu gehen.“