Erkelenz-Immerath: Abschied in Immerath mit politischem Gebet und Mahnwache

Erkelenz-Immerath : Abschied in Immerath mit politischem Gebet und Mahnwache

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonntag Abschied von der ehemaligen Immerather Kirche genommen und mit einer Mahnwache und einem politischen Gebet ein Zeichen gegen den Braunkohletagebau gesetzt.

Die Organisatoren der Veranstaltung „Ein Dom für Immer(ath)“ sprachen von rund 300 Teilnehmern, nach Schätzung der Polizei beteiligten sich rund 130 Menschen an dem politischen Gebet. RWE plant, am Montag mit dem Abriss der ehemaligen Kirche St. Lambertus, die auch Immerather Dom genannt wird, zu beginnen.

Unter den Teilnehmern waren ehemalige Bewohner von Immerath, Vertreter von Kirchen sowie Mitglieder von Bürgerinitiativen und der Klimabewegung. Laut Polizei waren auch etwa zwölf Aktivisten, die dem „Hambacher-Forst-Klientel“ zuzurechnen sind, vor Ort. Sie hatten Kletterausrüstung dabei, was ein Anzeichen dafür sein könnte, dass die Aktivisten noch vor dem Abriss versuchen wollten, auf das ehemalige Kirchengebäude zu steigen, um den Abriss zu verzögern. Bis Redaktionsschluss passierte das aber nicht.

Bei dem politischen Gebet wurden auch große Blütenblätter mit der Inschrift „End Fossil Fuels Now“ („Beendet fossile Brennstoffe jetzt“) entfaltet. Diese sogenannten „Tapa“-Blüten seien ein Geschenk der „Pacific Climate Warriors“, einer Gruppe von Klimaaktivisten aus dem Pazifik, deren Heimat unmittelbar von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sei, teilten die Organisatoren mit. Die Aktivisten waren anlässlich des UN-Klimagipfels ins Rheinische Braunkohlerevier gereist und hatten ihre Solidarität mit den Anti-Kohle-Protesten zum Ausdruck gebracht.

Tenor der Redebeiträge beim politischen Gebet war, dass der Abschied vom Immerather Dom ein Zeichen dafür sei, dass keine weitere Kirche, kein weiteres Dorf und kein weiterer Wald für die Braunkohle geopfert werden dürfe. Die Redner sprachen über Heimatverlust, darüber, ob man die Braunkohle als Energieträger noch brauche, und über den Widerstand gegen die Kohle. Sie sprachen auch die Enzyklika „Laudato si’“ an, in der Papst Franziskus festgestellt habe, dass ökologische und soziale Probleme miteinander verbunden sind. Es gibt wenige Orte, wo das so deutlich wird wie in Immerath.

BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen sprach am Rande der Mahnwache über die Orte, die als nächstes wegen des Braunkohletagebaus Garzweiler umgesiedelt werden sollen. Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath müssten nach dem Willen von RWE auch weichen, obwohl die Braunkohle nicht mehr nötig sei, um die Stromversorgung in Deutschland zu sichern. „Das ist sinnlos und Politikversagen auf breiter Linie“, sagte Jansen.

(ger)
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