Aktion der Caritas: 600 Lichter für die Solidarität

Aktion der Caritas : 600 Lichter für die Solidarität

Eigentlich lädt Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, erst Mitte November zu seiner bundesweiten Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ ein. Dann wird jedoch auf dem Heinsberger Marktplatz schon fleißig an der Budenstadt für den Weihnachtsmarkt und an der Eisbahn gebaut.

Daher verlegte der regionale Caritasverband den Termin für seine erste Teilnahme einfach nach vorn und gehört so zu den rund 80 Orten, in denen diese seit 2007 durchgeführte Aktion in diesem Jahr stattfindet.

Rund 600 Lichter wurden dafür auf den roten Ziegeln des Marktplatzes entzündet. In Weiß zeigten sie das Kreuz der Caritas, in Rot deren Schriftzug. Doch der Wind machte den fleißigen Helfern dabei immer wieder einen Strich durch die Rechnung, wie Gemeindesozialarbeiterin Martina Zantis berichtete. Und so halfen schließlich viele Menschen mit, die Kerzen immer wieder anzuzünden.

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes, freute sich sehr, viele Teilnehmer auf dem Marktplatz begrüßen zu können. „Wir sind schon lange von der Idee begeistert, uns an dieser Solidaritätsaktion zu beteiligen, was uns in diesem Jahr endlich gelungen ist“, erklärte er. Mit den Kerzen auf dem Marktplatz wolle der Verband Zeichen setzen für eine gerechtere Welt, gegen Ausgrenzung und gegen Armut. „Diese Solidarität, für Menschen in Not einzustehen, egal, wo auf dieser Welt, kann und darf nicht irgendwo beginnen, oder möglicherweise gar nicht. Nein, sie muss hier und jetzt, bei uns und mit uns beginnen!“, betonte er.

In der Flüchtlingskrise vor vier Jahren hätten alle bewiesen, dass gemeinsam viel bewegt werden könne. „Aus diesem Grund müssen wir der schwindenden Solidarität in der Flüchtlingshilfe, die sich leider seit einiger Zeit in unserem Land ausbreitet, entgegenwirken und uns öffentlich für eine engagierte und gerechte Flüchtlingsarbeit einsetzen“, fuhr er fort. Es gelte, sich zu solidarisieren mit allen, die sich tagtäglich in die Flüchtlingsarbeit einbrächten. Dabei wolle Caritas international in diesem Jahr die Aufmerksamkeit nach Jordanien lenken, schloss Cüppers und leitete über zu den Gemeindesozialarbeiterinnen Judith Preis und Martina Zantis, die in einer Interviewsituation die Situation in Jordanien erläuterten.

Hier sind nach Angaben der Caritas derzeit allein rund 700.000 syrische Flüchtlinge gemeldet. Hinzu kommen weitere Flüchtlingsgruppen wie Palästinenser, Menschen aus dem Irak und aus Westafrika. Insgesamt sind demnach rund ein Drittel aller in Jordanien lebende Menschen Ausländer. Jordanien sei also auf Hilfe, wie sie die Caritas seit Jahrzehnten leiste, dringend angewiesen, betonten die beiden. Sie kümmere sich um die Flüchtlinge, aber auch um Arbeitsmigranten sowie um den mittellosen Teil der jordanischen Gesellschaft.

Mechthild Bose, ebenfalls Gemeindesozialarbeiterin im regionalen Caritasverband, warf einen Blick auf die Arbeit in der Region. Sie dankte denen, die sich in der Vermittlung von Sprachkenntnissen engagieren, aber auch den hier lebenden Flüchtlingen, die unsere nicht einfache Sprache erlernen würden, mit der ein Miteinander so viel einfacher gelinge. Sie erwähnte das Netzwerk der Flüchtlingshilfe und den vom Bistum Aachen eingesetzten Flüchtlingsseelsorger. Mit Blick auf die von der Aktion eingeforderte Solidarität schloss sie mit einem Zitat von Martin Luther King: „Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.“

„Die schlechten Dinge vergessen“

Nachdem Gemeindesozialarbeiterin Nicole Abels den Bericht eines Flüchtlings aus Eritrea verlesen hatte, sprach als letzte Diman Sohrabi. Die 31-Jährige, die mit ihrem Mann aus dem Iran floh und zunächst in Erbil als Journalistin arbeitete, lebt nun mit ihrem Mann in Erkelenz. „Ich habe versucht, die schlechten Dinge auf dem Weg vergessen, deshalb möchte ich nichts darüber erzählen“, begann sie ihren Bericht, auch über ihre Heimat Kurdistan. Man finde es nicht auf einer Landkarte erklärte sie, „aber Kurdistan ist im Herzen von 40 Millionen Menschen.“

Gern würde Diman Sohrabi, die schon gut Deutsch gelernt hat, hier nach der Anerkennung ihres Bachelors in Rechtswissenschaft schon bald Soziologie studieren. Ein großer Dank der Organisatoren ging schließlich auch an den Frauenchor Li(e)dschatten unter der Leitung von Luc Nelissen, der die Aktion auf dem Marktplatz musikalisch gestaltet hatte.