50 Jahre Stadtrechte Hückelhoven

50 Jahre Stadtrechte Hückelhoven : Tradition und Innovation verbunden

Alexandra Kessels war am Samstag auch unter den mehr als 700 geladenen Gästen in der Aula an diesem „Geburtstag“ der Stadt Hückelhoven. Sie ist die erste Bürgerin der nagelneuen „Stadt“: Denn Alexandra wurde am 14.Juni 1969 um 9.10 Uhr in Hückelhoven, das damals noch von und mit der Kohle lebte, geboren.

Wenige Minuten später überreichte der damalige Staatssekretär Dr. Rietdorf in der Turnhalle des ebenfalls gerade seiner Bestimmung übergebenen Gymnasiums dem amtierenden Bürgermeister Alfred Falk die Urkunde, die der Gemeinde Hückelhoven-Ratheim fortan das Recht gab, sich „Stadt“ zu nennen.

Die Urkunde trägt das Datum 20. Mai 1969 – Anlass genug, 50 Jahre danach den Geburtstag der Stadt Hückelhoven zu feiern.

Bevor der nach Hückelhoven angereiste Ministerpräsident des Landes NRW, Armin Laschet, der Stadt Glückwünsche aussprechen konnte, ließ Bürgermeister Bernd Jansen die Geschichte seiner Stadt in einer erfrischend-launigen und mit großer Achtung vor dem Erreichten geprägten Rede Revue passieren.

Was Hückelhoven ausmache, so Jansen, sei das Zusammengehören von Heute und Gestern: „Der Blick zurück zeigt, wo wir herkommen, wer wir heute sind und was unsere Identität ausmacht. Auf dem Weg dorthin haben wir nie unsere Tradition der Innovation geopfert und auch nie die Innovation der Tradition.“ Trotz des einschneidenden Ereignis der Stilllegung von Sophia-Jacoba 1997 und dem Verlust von rund 5000 Arbeitsplätzen sei es in den folgenden Jahren gelungen, Tradition und Innovation miteinander zu verschmelzen, „was unserer Stadt ihre besondere Dynamik, Stärke und Identität verleiht“.

Hückelhoven sei dem strukturellen Wandel nach der Zechenschließung, so der Bürgermeister, offensiv und mit viel Vitalität begegnet: „Wir haben den Wandel als Chance genutzt. So schlimm die Zechenschließung auch war, wir haben nach vorne geschaut, wir haben uns untergehakt, wir haben die Ärmel hochgekrempelt, und wir haben angepackt. Hückelhoven ist eine Arbeiterstadt. Wir sind so, wir können das.“ Da sprach er das an, worin sich alle im Saal Versammelten wiedererkennen konnten: Selbstbewusstsein, Trotz und Optimismus. „Hückelhoven ist unser aller Heimat“, und dabei ließ Jansen den Blick über die Köpfe in der voll besetzten Aula schweifen, „sowohl für diejenigen, die hier aufgewachsen sind, als auch für die Menschen, die sich später hier verankert haben. Hückelhoven ist der Ort, an dem wir verwurzelt sind, in dem wir uns angenommen und wohlfühlen. Hier in der Stadt Hückelhoven haben 40.000 Menschen aus über 100 Nationen ein Zuhause gefunden“.

Bevor Armin Laschet ans Rednerpult treten konnte, musste er sich erst im Goldenen Buch der Stadt verewigen. Laschet wies darauf hin, dass die Bundesrepublik, deren 70. Geburtstag vor einer Woche gefeiert wurde, auch erst 20 Jahre alt war, als die Stadt Hückelhoven aus der Taufe gehoben wurde. „An den Sozialdemokraten Ernst Mokwa und an Pfarrer Friedrich Dinstühler, die beide Opfer der Nazis wurden, konnten sich viele damals noch erinnern, der Krieg lag noch nicht so lange zurück.“ Der Fall der Mauer, so Laschet, liege auch erst oder schon 30 Jahre zurück: „Mein Sohn ist jetzt 30, der hat die Teilung nie erlebt.“ Als die Stilllegung der Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven 1997 Realität wurde, habe es geheißen: Stirbt die Zeche, stirbt die Stadt. Stirbt die Stadt, stirbt die Region. „Heute demonstrieren junge Menschen für den Klimaschutz, denn sonst stirbt diese Welt“, so der Ministerpräsident.

Deshalb sei die Art und die Weise, wie Hückelhoven den Strukturwandel geschafft und die damit verbundenen Probleme gelöst habe, nachahmenswert: „Der Ausstieg aus der Braunkohle macht einen neuen Strukturwandel erforderlich. Wenn man jemandem in der Welt erklären will, wie Strukturwandel geht, dann kann man ihm Hückelhoven vorführen.“ Bei diesen Worten hörte der Bürgermeister auf, an der schweren Amtskette – ein Geschenk der Zeche Sophia-Jacoba zur Stadtwerdung 1969 – zu spielen und hob den Blick. Als der Ministerpräsident dann noch nachschob: „Wenn man einen Zimmermann zum Bürgermeister wählt, braucht man sich nicht zu wundern, dass das geklappt hat“, rückte Jansen die hellblaue Krawatte zurecht.

Als Laschet auf die Städtepartnerschaften, die Hückelhoven mit dem britischen Hartlepool und dem französischen Breteuil-sur-Iton sorgsam pflegt, zu sprechen kam, war sofort auch Europa im weiten Rund präsent: „In einer Zeit, in der alles immer schneller wird, ist Heimat plötzlich wieder ein viel benutztes Wort. Nur wenn man sich kennt, vertraut man sich auch. Und je besser wir uns kennenlernen, desto mehr vertrauen wir uns auch.“ Hückelhoven, so Armin Laschet bilanzierend, habe in den vergangenen 50 Jahren genügend Selbstbewusstsein getankt, um auch die Herausforderungen der nächsten 50 Jahre bestehen zu können.

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