33 Siege in nur einem Jahr sind unvergessen

Willibert Jansen wird 80 : 33 Siege in nur einem Jahr sind unvergessen

Seinen 80. Geburtstag feiern zu dürfen, ist gemeinhin schon ein freudiges Ereignis und eine „reife Leistung“. Das sieht auch Willibert Jansen aus Lieck so, der am nächsten Donnerstag zu Maria Himmelfahrt eben dieses Fest begehen wird.

Dennoch blickt er auch mit einer kleinen Portion Wehmut zurück auf eine wahrhaft „reife Leistung“, die ihn vor vielen Jahren sogar zum Dauergast in den örtlichen Medien und denen des damaligen Kreises Aachen machte. Mit 33 Siegen in nur einem Jahr war Willibert Jansen 1963 der erfolgreichste Leichtathlet der Aachener Region.

In einem alten, schon etwas vergilbten Ausschnitt der Aachener Zeitung ist immer noch über den Jubilar zu lesen, der damals für Alemannia Aachen startete: „Stärkster Mann war in diesem Jahr ohne Zweifel Willibert Jansen. Sowohl durch einige außergewöhnliche Spitzenleistungen als auch durch seine bewundernswerte Zuverlässigkeit wurde er in ganz Deutschland bekannt.“

Willibert Jansens Paradedisziplin waren die 3000 m Hindernis. Hier ist er allerdings gerade auf dem Weg zum Sieg bei einem 1500-m-Lauf im Juni 1964 in Merkstein. Foto: Rainer Herwartz

Eher zufällig hatte Jansen sein Talent zum dauerhaften und schnellen Laufen über längere Strecken entdeckt. „Ich habe mit 16 und 17 bei Viktoria Wassenberg Fußball gespielt. Wenn wir anschließend vom Sportplatz zur Schule liefen, hatten die erwachsenen Männer gegen mich keine Chance“, erinnert sich Jansen. Weil ihm das Laufen so unbändigen Spaß bereitet habe, sei er damals auch zum ersten Mal bei den Kreismeisterschaften an den Start gegangen. Ohne Trainer und Leichtathletikclub, aber mit überraschendem Erfolg. „Gleich beim ersten Start 1955 wurde ich mit großem Abstand im Waldlauf über 3000 Meter Kreismeister.“ Auch auf der 1000-Meter-Strecke gelang ihm der Sprung aufs Siegertreppchen. Die 3000 Meter Hindernis sollten später seine Paradedisziplin werden.

Natürlich war die außergewöhnliche Leistung einigen Vereinen nicht verborgen geblieben. Dr. Bolsinger vom ATV Geilenkirchen sei es schließlich gewesen, der auf ihn zugekommen sei, sagt Jansen. „Für den ATV wurde ich dann in Essen Vierter bei den Westdeutschen Waldlaufmeisterschaften. Bei den Deutschen Meisterschaften im selben jahr, 1957, folgte dann der fünfte Platz bei der Jugend A.“

Leider, so blickt Willibert Jansen zurück, habe vor allem sein Vater seine Begeisterung und sein Engagement für den Laufsport nie unterstützt. „Mein Vater war fleißig, hatte aber für den Sport nichts übrig“, sagt Jansen. Auch seine beiden Schwestern, von denen die jüngere bereits verstorben ist, teilten seine Leidenschaft nicht. Vererben konnte er sie übrigens ebenfalls nicht. Denn sein Sohn, der heute als Arzt in Attendorn lebt, trat auch nicht in seine Fußstapfen.

Als bodenständiger Metzgermeister hatte es Willibert Jansen schließlich aus beruflichen Gründen nach Aachen verschlagen. „Dort bekam ich dann eines Tages Besuch von Alemannia. Die haben mich rübergeholt vom ATV. Alfred Metzdorf, damals Obmann und Sportwart, wurde wie ein Vater für mich.“ 23 Jahre alt sei Jansen da gewesen. Fortan habe er jeden Tag 20 Kilometer trainiert. Da ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. „Meine Leistung ist geradezu explodiert. Im Training lief ich fünf Mal 2000 m in sechs Minuten.“ In der Tat steht schon in der Chronik des TSV Alemannia Aachen für das Jahr 1962 zu lesen: „Unser Langstrecken-Ass Willibert Jansen läuft Kreisrekorde über 10.000 m und 3000 m Hindernis.“ Doch sein bestes Jahr sollte erst noch folgen: 1963! Willibert Jansen wurde der schnellste Läufer im Kreis Aachen über 3000 m, 5000 m, 10.000 m und 3000 m Hindernis. Insgesamt erzielte er in der Saison 33 Siege bei Rennen, in denen er antrat.

Angebot von Bayer Uerdingen

 Es wäre keinesfalls abwegig gewesen, wenn Willibert Jansen die Erfolgsgeschichte auch auf überregionaler Ebene weitergeschrieben hätte. Manch einer hat es vielleicht sogar erwartet. Doch schon ein Jahr später, 1964, beendete er seine sportliche Karriere. Nicht ohne noch einmal den Aachener Kreismeistertitel über 3000 m und 5000 m zu holen. „Ich habe meine Laufbahn beendet, weil ich in Lieck im Mai 1965 die Metzgerei gekauft habe. Der Beruf ließ sich dann nicht mit dem Sport vereinbaren. Das war das Schlimmste für mich.“

Bayer Uerdingen habe noch einen Versuch gestartet, den Mann mit den schnellen Beinen für sich zu gewinnen. Sponsorenverträge, wie sie heute üblich seien, habe es damals für Leichtathleten allerdings noch nicht gegeben, lächelt Jansen. „Man hat mir einen Platz in der Küche der Kantine angeboten, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Seine Frau Helene habe dabei jedoch nicht mitgespielt. Wie weit er es letztlich eventuell gebracht hätte, lasse sich im Nachhinein schwer sagen.

„Ich habe ab und zu leider meine Nerven nicht in den Griff bekommen. Deshalb bin ich bei den Deutschen Meisterschaften auch unter meinen Möglichkeiten geblieben.“ Doch wer weiß schon, zu welch „reifer Leistung“ Willibert Jansen bei entsprechendem Coaching noch in der Lage gewesen wäre.

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