25.000 Besucher feiern beim zehnten Electrisize-Festival

Haus Hohenbusch : Besucherrekord beim zehnten Electrisize-Festival

Größer denn je hat sich die zehnte Auflage des Elektro-Musik-Festivals Electrisize auf Haus Hohenbusch präsentiert. 25.000 Besucher feierten ebenso ausgelassen wie friedlich.

Ein Song der deutschsprachigen Hip-Hop-Band Rödelheim Hartreim Projekt Mitte der 90er Jahre heißt „Höha, schnella, weita“. Als das Lied damals in den Charts stand, war das Electrisize-Festival in Erkelenz – wenn überhaupt – nur ein großer Traum der Electro-Liebhaber in der Region. Wir schreiben nun das Jahr 2019; das Festival hat an diesem Wochenende sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Und wer sich die Entwicklung von Electrisize seit der Premiere 2009 genauer ansieht, stellt fest: Höher, schneller, weiter könnte auch das Motto des Festivals sein.

„2009 waren im Lahey-Park 400 Leute da. Und so ziemlich jeder im Publikum kannte einen aus dem Organisationsteam persönlich“, erinnert sich Dominik Mercks. „Es ist schon Wahnsinn zu sehen, dass jetzt 25.000 Menschen dabei waren. Da kennt dann natürlich nicht mehr jeder einen von uns persönlich“, sagt der Mitorganisator des Festivals am Haus Hohenbusch und lacht.

Mercks ist sichtlich zufrieden und stolz auf das, was er und seine Helfer auch in diesem Jahr auf die Beine gestellt haben: ein Besucherrekord, 120 Künstlerinnen und Künstler und ein reibungsloser Ablauf des Festivals, das am Donnerstag mit der Anreise der vielen Camper begann und am Sonntag mit deren Rückreise endete. Und dabei immer friedlich verlief. Das ist den Organisatoren besonders wichtig. Und passt auch sehr gut zum offiziellen Motto des Jubiläums: „Ten Years. One Family“ – Zehn Jahre. Eine Familie.

Auch die Band Bätzblatt war mit von der Partie. Foto: Dettmar Fischer

„Es ist wirklich beeindruckend, wie so viele Menschen über mehrere Tage so friedlich miteinander umgehen. Das ist ein schöner Kontrast zum Hass und zur Respektlosigkeit, denen man in der heutigen Zeit immer häufiger begegnet“, sagt Christopher Viehausen. Er kann es nun auch beurteilen. Schließlich haben er und seine Band Hätzblatt in diesem Jahr ihr Debüt beim Electrisize gegeben.

Auch das passt irgendwie zum Motto des Festivals. Wenn eine Karnevalsband neben Szenegrößen wie Jebroer, Da Tweekaz oder Gestört aber Geil eingeladen wird, am Freitag auf einer der sechs Bühnen eines Electro-Festivals auftritt und dann auch noch von den rund 200 Zuschauern auf der Turbo-Area bejubelt wird, spricht das für viel Respekt und Toleranz bei den Besuchern. „Teilweise kam es mir tatsächlich wie eine Karnevalssitzung vor“, sagt Viehausen über den Auftritt seiner Band, die ihr normales Programm mit Songs wie „All dat es Heimat“ zum Besten gab. Das Lied passe sehr gut zum Spirit des Festivals, sagt er: „Ich habe höchsten Respekt davor, wie sehr das Familiäre trotz der riesigen Besucherzahl bewahrt und jeder mitgenommen wird.“

Dazu gehörten neben der Musik auch Angebote für das passende Styling. Foto: Dettmar Fischer

Wer Freitag und Samstag auf dem Gelände unterwegs war, versteht, was Viehausen meint. Fällt jemand beim Tanzen auf den Boden, wird ihm von mehreren Seiten beim Aufstehen geholfen. Natürlich sind es überwiegend junge Menschen, die zu den Beats und Liedern auf den sechs Bühnen tanzen und abfeiern. Doch wer genau hinsieht, entdeckt im Publikum auch Menschen über 50 und 60. Eben eine große Familie, bei der niemand ausgeschlossen wird, der dazugehören möchte.

Da überrascht es auch nicht, dass in Zusammenarbeit mit der Heinsberger Lebenshilfe auch erstmals Menschen mit Behinderung als DJs und freiwillige Helfer dabei waren. Gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung waren sie auf der „Secret Arcade“ aktiv, einer „geheimen“ Bühne, die auf dem Festivalgelände nirgendwo gekennzeichnet war. „Die Lebenshilfe ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir nicht etwas gemeinsam machen wollen. Und das fanden wir eine sehr gute Idee“, sagt Organisator Mercks. So erhält beispielsweise der DJ Golden Nose aus Polen, der nur mit Hilfe seiner Nase auflegt, bei seinem Auftritt großen Applaus.

Für Spiel und Spaß wurde gesorgt. Foto: Dettmar Fischer

Beim Electrisize-Festival wird Toleranz eben großgeschrieben. Auch, was das Wetter angeht. Da bekommen die Besucher der riesigen Mainstage am Freitagnachmittag die Durchsage, dass der Wetterdienst mitgeteilt hat, dass es nicht mehr regnen werde. Und dann fängt es 20 Minuten später doch an zu regnen. Aber das Publikum lässt sich nicht die Stimmung vermiesen und feiert jeden Künstler ab. Und die Organisatoren können sich in diesem Moment auf die Schultern klopfen, dass sie auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern Bodenschutz aus Holz verlegt haben, um möglichen Regenschauern zu trotzen. Und dafür mit sonnig-warmem Festival-Wetter am Samstag belohnt werden. „Respekt an die Organisatoren“, ruft Rapper MC Fitti bei seinem Auftritt von der Bühne – das Publikum stimmt mit Applaus zu.

„Ein Festival in der Größenordnung ist eine ganz komplexe Angelegenheit. Da müssen sehr viele kleine Rädchen ineinandergreifen“, sagt Organisator Mercks über das Electrisize, bei dem rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Wochenende im Einsatz waren. Weil es im vergangenen Jahr einige Staus gegeben hatte, wurde am Freitag noch kurzfristig in Absprache mit der Polizei die Verkehrsführung geändert. Erfolgreich, betont Mercks, der für das kommende Jahr eine andere Baustelle schließen möchte: Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt auch die Organisatoren des Electrisize-Festivals. „Wir wollen weg von Einweg- und hin zu Mehrwegbechern. Auch für die vielen stehen gelassenen Zelte auf den Campingplätzen, die dann als Müll weggeworfen werden müssen, suchen wir noch eine Lösung.“

Denn zwei Dinge sind klar: Auch im kommenden Jahr wird es in Erkelenz wieder ein großes Electro-Festival geben. Und es soll, geht es nach dem Willen der Organisatoren, noch mal besser werden. Eben höher, schneller, weiter.

Videos und Fotos vom Electrisize gibt es auf Instagram unter @west_eck.