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Wassenberg-Birgelen: 24 Stunden rund um die Welt beten

Wassenberg-Birgelen : 24 Stunden rund um die Welt beten

„Gott, sei Du in unserer Mitte! Segne alle, die jetzt rund um die Welt mit uns beten.“ Mit diesen Worten stimmt Brigitte Kordetzki aus Orsbeck die Frauen aus der Wassenberger Pfarrei St. Marien in der Kirche St. Lambertus in Birgelen auf den Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen ein, der auch im Kreis Heinsberg wieder in zahlreichen Kirchen gefeiert wurde.

Frauen aus dem Land Surinam hatten Texte und Lieder für die Feier vorbereitet, die einmal im Jahr in mehr als 120 Ländern durch verschiedene Zeitzonen rund um den Globus insgesamt 24 Stunden lang präsent ist.

sdf Foto: anna

Ökumenische Bewegung

Der Weltgebetstag versteht sich als ökumenische Basisbewegung, die seit 130 Jahren von immer mehr Konfessionen unterstützt wird. Zum einen geht es ihr darum, sozusagen informiert zu beten für die Anliegen von Frauen aus aller Welt und dann betend zu handeln, durch Veränderungen direkt vor Ort.

„2018 beten und handeln wir zusammen für die Bewahrung der Schöpfung“, erklärte Waltraud Kurth von der Birgelener Frauengemeinschaft stellvertretend für das Team, das den Gottesdienst zusammen mit Gemeindereferentin Eva Jessen vorbereitet hatte. Die Frauen in Surinam würden den Weltgebetstag als ökumenischen Gruppe bereits seit 1953 feiern, ergänzte Doris Jennissen, die ebenso zum Team der Sprecherinnen gehörte wie Ulla Jansen aus Orsbeck.

Von Waltraud Kurth erfuhren die Frauen einige weitere interessante Details über das kleine Land an der Nordküste Südamerikas, das einst niederländische Kolonie war und gerade einmal eine halbe Million Einwohner hat. Mehr als 90 Prozent des Landes sind von Regenwald mit rund 1000 verschiedenen Baumarten bewachsen. Während des Gottesdienstes schlüpften sieben Frauen in die Rolle von Frauen in Surinam und machten damit vor allem deutlich, warum sich die Menschen in Surinam selbst als „moksi“ bezeichnen, als „Mischmasch“ aus vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen.

So war da zum Beispiel Alima (Ulrike Frenken aus Effeld) vom Urvolk der Arawak. „Wir sind stolz darauf, in Einklang mit der Natur zu leben“, betonte sie. „Wir versuchen, von der Natur zu leben und sie zugleich zu schützen.“ Muyinga (Renate Müsseler aus Wassenberg) erzählte von ihrem Leben als „Maroon“, als Nachfahrin versklavter Afrikaner, die im tropischen Regenwald Surinams lebt. „Er dient als ‚Lunge der Erde‘!“, betonte sie.

Mei Ling (Gisela Stumpf aus Orsbeck) hatte chinesische Vorfahren, Carolina (Trude Schemion aus Orsbeck) ist Kreolin mit einem Vater aus Europa und einer afrikanisch-stämmigen Mutter. Sie sorgte sich um die Verseuchung des Wassers im Land durch den Abbau von Gold und Bauxit. Willemien (Annemie Winkens aus Myhl), gehört zu den Buren, da ihre Vorfahren Niederländer waren, Shanti (Uschi Schlangen aus Myhl) hatte indische Wurzeln, Kartini (Waltraud Kurth aus Birgelen) wusste von ihren Vorfahren aus Indonesien zu berichten.

Lieder aus Surinam

Während sie von Brunhilde Loosen die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel hörten, sangen die Frauen zwischendurch immer wieder in Deutsch und auch in der Landessprache Sranan. In ihren Fürbitten thematisierten sie die Umweltschäden in Surinam durch abgeholzte Wälder für den Bauxit-Abbau, vergiftetes Wasser durch die Goldgewinnung oder Überflutungen aufgrund des Klimawandels.

Die Kollekte des Weltgebetstags kommt Projekten von mehr als 100 Partnerorganisationen zugute: Als Beispiele nannte Waltraud Kurtz Verhaltenstrainings für Jugendliche in Surinam oder den ökologischen Landbau auf den Philippinen.

Ein gemütliches Treffen bei Kaffee und Kuchen rundete den Weltgebetstag in Birgelen ab.