21-Jähriger wegen anti-jüdischer Parolen verwarnt

Vor Gericht : 21-Jähriger wegen antijüdischer Parolen verwarnt

Weil er sich an antisemitischen Gesängen von Neonazis aus dem Rheinland bei einem Aufmarsch zu Ehren des früheren Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß beteiligte, hat das Amtsgericht Erkelenz einen Heranwachsenden aus Hückelhoven unter Auflagen verwarnt.

Der 21-Jährige war in der Neonazi-Gruppe „Syndikat 52“ (S52) sowie dem lokalen Kreisverband der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) engagiert. Vor Gericht wies er am Donnerstag darauf hin, dass er seit geraumer Zeit keinen Kontakt mehr zur rechten Szene habe. 

Bei dem Aufmarsch am 18. August 2018 in Berlin fiel unter den rund 700 Neonazis besonders der „Rheinland-Block“ auf, weil aus dessen Reihen der Gesang angestimmt wurde: „Wo man Juden deportiert, da ist das Rheinland, schalalalala…“ Die Deportation von Juden wurde dabei in Kombination mit einem rheinischen Singsang in einer Mischung aus Fröhlichkeit und Aggressivität besungen.

Das Amtsgericht Erkelenz verwarnte den Heranwachsenden am Donnerstag wegen Volksverhetzung nach Jugendstrafrecht unter Auflagen, wie Dr. Jan-Niklas Weusthoff, Presssprecher am Landgericht Mönchengladbach, auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Der 21-Jährige muss demnach eine Geldbuße von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, das Aussteigerprogramm des Landesverfassungsschutzes kontaktieren und das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln besuchen. 

Dem „Rheinland-Block“ gehörten bei dem Aufmarsch im August 2018 Neonazis aus dem Großraum Aachen sowie solche aus dem Kölner und Düsseldorfer Umland, vom Niederrhein und aus dem Bergischen Land an. Der Heranwachsende aus Hückelhoven hatte seinerzeit als Träger des Fronttransparentes besagten „Blocks“ mitgesungen. Die Szene auf Video festgehalten und publiziert hatte das „Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus“ (JFDA). Der groß gewachsene Hückelhovener war gut auf dem Filmmaterial zu erkennen. Wie in Jugendverfahren üblich, fand der Prozess in der Heimat und nicht am Ort der Tatbegehung statt. 

Nach Recherchen unserer Zeitung engagierte sich der 21-Jährige in der Neonazi-Gruppe „Syndikat 52“ (S52) sowie dem lokalen Kreisverband der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR). S52 ist der DR im Raum Aachen, Düren und Heinsberg als „Projekt“ untergeordnet und gilt als eine auf diese Weise legal abgesicherte Neuauflage der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL). Der Heranwachsende besuchte seit Jahren regelmäßig rechtsextreme Versammlungen und Aufmärsche. Die Neonazi-Kleinstpartei DR plakatiert im Europawahlkampf derzeit auch im Kreis Heinsberg den Slogan „Israel ist unser Unglück!“ Dabei handelt es sich um eine Abwandlung der NS-Parole „Der Jude ist unser Unglück!“

(mik)
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