Wassenberg: 144 Asylbewerber, fast alle wohnen im Übergangswohnheim

Wassenberg: 144 Asylbewerber, fast alle wohnen im Übergangswohnheim

Ein paar Reserven hat die Stadt Wassenberg noch. Man könne noch einige Flüchtlinge unterbringen, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Michael Steckel. Wie viele, das hänge von Nationalität, Religion und Familiengröße ab.

Aber es sei noch Platz im Übergangswohnheim am Ossenbrucher Weg, und die Stadt habe fünf zusätzliche Wohnungen in Wassenberg angemietet, in denen man Flüchtlinge unterbringen könne. Zusätzlich soll das Übergangswohnheim noch erweitert werden. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Aktuell leben in Wassenberg 144 Asylbewerber. Fast alle wohnen im Übergangswohnheim. Etwas überraschend ist, dass die dort lebenden Flüchtlinge aus 26 unterschiedlichen Ländern stammen.

Aus dem Bürgerkriegsland Syrien stammen lediglich acht der in Wassenberg untergebrachten Flüchtlinge, aus dem ebenfalls unter der Terrormiliz Islamischer Staat leidenden Irak stammt nur einer. Aus Albanien sind dagegen 15 der Flüchtlinge, aus Serbien zehn. Andere kommen etwa aus Russland, China, Indien, Armenien und afrikanischen Ländern.

Es werden — „auf jeden Fall“ — in den kommenden Tagen weitere Asylbewerber nach Wassenberg kommen, sagt Steckel. Wie viele Flüchtlinge der Stadt noch zugewiesen werden, könne man nicht prognostizieren.

Dass sich die Lage entspannt, ist aber unwahrscheinlich. Bürgermeister Manfred Winkens sagt, dass die 40.000er-Grenze nun aufgehoben sei. Das bedeutet, dass auch Städte mit weniger als 40.000 Einwohnern künftig Notunterkünfte einrichten müssen.

Im Kreis Heinsberg haben bisher nur Erkelenz und Heinsberg solche Notunterkünfte aufgebaut. Ob und wann die übergeordneten Behörden Wassenberg dazu heranziehen, ist vollkommen offen.

Klar ist aber, dass der Aufbau einer Notunterkunft einer eher kleinen Stadt wie Wassenberg viel abverlangen würde. Auf so eine Situation könne sich eine Stadt wie Wassenberg gar nicht vorbereiten, sagt Kämmerer Willibert Darius.

Zu groß seien die Anstrengungen, die nötig seien, um innerhalb kürzester Zeit so viele Flüchtlinge aufzunehmen — in Heinsberg waren es 150 auf einen Schlag. Darius sieht den Bund und das Land NRW in der Pflicht. Man müsse Asylverfahren verkürzen und dann zügig abschieben. Dann würden Kapazitäten für weitere Flüchtlinge frei.

Im Übergangswohnheim am Ossenbrucher Weg kümmert sich aktuell eine Sozialbetreuerin um die Belange der Flüchtlinge. Robert Seidl von den Grünen findet, dass das viel zu wenig ist. „Wir können demnächst wohl 200 Personen auf so engem Raum nicht mit so wenig Personal betreuen“, sagt Seidl. Im Rathaus sind zwei Verwaltungsmitarbeiter mit dem Thema Flüchtlinge betraut. „Wenn da einer ausfällt, bricht alles zusammen.“

Darius sieht darin allerdings kein städtisches Versäumnis. „Die Kommunen sind überfordert. Das Land sollte Sozialarbeiter zur Verfügung stellen“, sagt er. Derzeit würden alle Probleme und Finanzierungsfragen bloß nach unten — und damit auf die Kommunen — abgedrückt.

Die jungen schulpflichtigen Flüchtlingskinder besuchen derzeit Klassen in den Grundschulen in Myhl, Birgelen und Orsbeck. Etwas ältere Kinder gingen in die Internationale Förderklasse an der Erkelenzer Hauptschule.