Darmstadt/Übach-Palenberg: Zeugen belasten Übach-Palenbergerin im Drogenprozess schwer

Darmstadt/Übach-Palenberg: Zeugen belasten Übach-Palenbergerin im Drogenprozess schwer

Fast schon ungewöhnlich ruhig, ohne Geschrei und scharfe Attacken ist dieser Tage der Prozess gegen eine mutmaßliche Bande von Drogenhändlern vor dem Landgericht im südhessischen Darmstadt fortgesetzt worden. Erneut hat eine Angeklagte aus Übach-Palenberg eine wichtige Rolle eingenommen — allerdings dürfte der Frau kaum gefallen haben, was über sie gesagt worden ist.

Vier Männer und die 58-Jährige aus dem Stadtteil Marienberg stehen derzeit wegen bandenmäßigem unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor Gericht. Zwischen August 2016 und Juni 2017 sollen die Angeklagten überwiegend harte Drogen, die aus den Niederlanden stammten, an Abnehmer in ganz Deutschland veräußert haben. Neben einem Niederländer, einem Hessen, einem Mann aus Mannheim und der 58-Jährigen aus Übach-Palenberg steht deren ehemaliger Lebensgefährte, ein 78 Jahre alter Mann, vor Gericht.

Was wusste die Angeklagte?

Dieser hatte die Frau in seiner Aussage zu Prozessbeginn schwer belastet und als Strippenzieherin dargestellt. Sie habe gewusst, welche Drogen zu welchem Ziel gelangen sollen und ihr Haus als „Bunker“, also als Zwischenlager für die Drogen, zur Verfügung gestellt.

Die zerbrechlich und unscheinbar wirkende Frau, die nach eigener Aussage kaum lesen und schreiben kann, hat zwar eingeräumt, dass ihr Haus als Bunker fungiert habe.

Allerdings hat sie sich vehement dagegen gewehrt, als Hauptschuldige zu gelten. Aussagen ihres 78-jährigen Ex-Partners hatte sie immer wieder mit Kopfschütteln quittiert, bis sie sich schließlich nicht mehr zurückhalten konnte: „Warum lügst du so?“, spie sie ihrem einstigen Geliebten voller Zorn entgegen, „Warum sagst du sowas?“

Die Behauptungen des Mannes während seiner Einlassung setzten der Frau offensichtlich zu. Zumal ihr Ex-Partner, der laut Staatsanwaltschaft Drogen zu Abnehmern bis nach Süddeutschland gefahren haben soll, im Gegensatz zu ihr wegen seiner Kooperationsbereitschaft mit den Behörden und umfassender Aussagen als einziger der Angeklagten derzeit nicht in Haft sitzt. Die Frage, ob er seine einstige Freundin womöglich deswegen immer wieder beschuldigt hat, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, steht seit Prozessbeginn im Raum.

Inzwischen ist der Senior jedoch nicht mehr der Einzige, der die Angeklagte aus dem Stadtteil Marienberg belastet. Der Name der Frau fällt auch zum Fortsetzungstermin. „Sie hat mich mit ihm bekannt gemacht“, sagt ein Zeuge aus Baden-Württemberg, der ebenfalls im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln ins Visier der Ermittler geraten ist, und deutet mit dem Kopf auch noch auf den Angeklagten aus den Niederlanden. Die Angeklagte habe den Kontakt zu dem jungen Mann hergestellt, der still zwischen seinen beiden Verteidigern und einer Dolmetscherin sitzt.

Bei seiner polizeilichen Aussage soll der Zeuge auch noch gesagt haben, von dem Niederländer Betäubungsmittel erhalten zu haben. Davon ist vor Gericht allerdings nichts mehr zu hören — „ich würde mich sonst selbst belasten“, antwortet der Zeuge auf beinahe jede Frage, die ihm gestellt wird. Auch, woher er die Angeklagte aus Übach-Palenberg kennt, will der Zeuge nicht preisgeben. Er ist nicht der Erste, der sich in diesem Verfahren über Hintermänner ausschweigt.

Drogen per Post

Die Angeklagte aus Übach-Palenberg schüttelt derweil immer wieder ihren Kopf, wirkt ähnlich fassungslos wie bei der Aussage ihres Ex-Partners. Doch auch ein Polizeibeamter, der an jenem Tag aus der Vernehmung des Zeugen berichtet, sagt, dass es die Angeklagte gewesen sei, die Kontakte vermittelt habe. Auch habe die Frau an den Zeugen Drogen geschickt, für die dieser wiederum Geld auf das Konto der 58-Jährigen überwiesen habe.

Das passt zu den Aussagen des Ex-Partners der Frau — er hatte von Paketen berichtet, die er zur Post gebracht habe, sowie davon, bei seiner Freundin Geld abgeliefert zu haben, das er für jene Waren erhalten habe, die er mit ihrem Wissen quer durch Deutschland fuhr.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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